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Joint Economic Area

3. August 2022

Meine Beziehung zu „Haus des Geldes“ ist gar nicht so einfach. Staffel 1 habe ich damals aufgrund des ganzen Hypes angefangen und mich dann selbst auch ein bisschen drin verloren. Staffel 2 wurde schnell gesuchtet und damit war die Serie ja eigentlich vorbei. Die Geschichte war gut auserzählt, alles hätte so schön sein können. Man hätte „Haus des Geldes“ erwähnen können, ohne auch nur ein „Aber“ anzuhängen. Aber: Weil das Ganze dank Netflix zu einem weltweiten Hit wurde, zogen die Macher nach, liefert den bescheuertsten Grund, warum der Professor und seine Crew den nächsten großen Banküberfall abziehen müssen und somit bekamen wir dann noch drei weitere Staffeln, die aber mit den ersten beiden nicht mithalten konnten. Nachdem Staffel 5 dann endgültig den Abschluss machte, hieß es natürlich: Es wird noch weitergehen. Ein Spinoff über Berlin wird noch kommen und ein koreanisches Remake stand damals auch in den Startlöchern. Jetzt ist „HAUS DES GELDES: KOREA“ (was für ein unspektakulärer Titel) da… und eine ziemliche Enttäuschung.

Korea im Jahr 2025: Der Norden und der Süden einigen sich darauf, das Land endlich wieder zusammen zu bringen. Es wird eine gemeinsame Wirtschaftszone errichtet und das Land wird geöffnet. So kommen viele Nordkoreaner in den Süden – unter ihnen auch die junge Lee Hong-dan (Jeon Jong-seo). Leider meint es das Leben nicht wirklich gut mit ihr, sie gerät auf die schiefe Bahn… und lernt so eines Tages den Professor (Yoo Ji-tae) kennen, der sie in sein Team aufnimmt. Mit dem will er die Notendruckerei in der Joint Economic Area überfallen.

Tja, und das ist es… das ist das ganze Remake. Ich weiß, es steckt ja schon im Namen „Remake“ drin, dass es eigentlich nur eine Kopie des Originals ist. Aber es gibt doch auch immer die Remakes, die etwas ganz Neues, etwas ganz Eigenes schaffen, die darauf verzichten, einfach nur eine billige Kopie zu sein. Ich weiß leider nicht, welche Vorlagen Netflix dem koreanischen Team hinter „Haus des Geldes: Korea“ gegeben hat, aber sie scheinen nicht darauf bedacht gewesen sein, wirklich was Neues zu liefern.

Denn: „Haus des Geldes: Korea“ ist eine nahezu 1:1 Kopie des spanischen Originals. Einzige Neuerung (neben dem offensichtlichen Standortwechsel) ist dieses futuristische Szenario eines wiedervereinten Koreas. Das Problem dabei ist nur, dieses politisch brisante und vor allem auch interessante Thema wird von den Machern der Serie so gut wie nicht genutzt. Hier und da taucht es mal in den Vorgeschichten der Charaktere auf (die hier in der Serie direkt zu Beginn erzählt werden), hier und da taucht es auch bei den Mitgliedern der Polizei auf, wenn die sich darüber streiten, ob die aus dem Norden oder die aus dem Süden nun bessere Ermittler sind. Aber ansonsten wird dieser Aspekt einfach recht stiefmütterlich behandelt.

Alles andere ist halt wirklich genau so, wie man es kennt. Das Team des Professors trägt sogar die gleichen Städtenamen. Wir haben also auch wieder Berlin, Tokio, Denver und Co. Wir haben in der Notendruckerei auch wieder einen arschigen Direktor, der eine Affäre mit einer Angestellten hat, die sich (ähnlich wie Stockholm im Original) zu Denver hingezogen fühlt. Draußen haben wir die taffe Polizistin (Kim Yunjin), die sich auf die Spur des Professors begibt. Nur für jemanden, der die spanische Serie gesehen hat, passiert hier einfach nichts Neues. Die Action ist die gleiche, die Konflikte sind die gleichen, die Beziehungen sind die gleichen, die Pläne des Professors sind die gleichen. Selbst das Set der Notendruckerei ist so stark an das Original angelehnt.

Und wie gesagt: Ja, ich weiß, Remakes sind manchmal einfach nur Kopien. Aber gerade die koreanischen Serien zeichnen sich doch eigentlich von einer besonderen Finesse aus. „Haus des Geldes: Korea“ lässt nichts davon verspüren. Hier merkt man wirklich mehr dieses finanzielle Denke: „Auf dem asiatischen Markt schauen sich die asiatischen Zuschauer lieber asiatische Produktionen an, also nehmen wir den westlichen Erfolg und pressen ihn irgendwie für den Markt zusammen.“ Jetzt würde mich natürlich mal interessieren, ob die Serie in Korea und Asien allgemein besser angekommen ist…

… immerhin haben sie ein paar echt bekannte Gesichter dabei. Tokio wird von Jeon Jong-seo gespielt, die schon in „Burning“ die Hauptrolle gespielt hat. Kim Yunjin kennt man bei uns vor allem als Sun aus „LOST“ und Yoo Ji-tae, der den Professor spielt, hat bei „Oldboy“ den fiesen Lee Woo-jin gespielt und Berlin-Darsteller Park Hae-soo war gerade erst in Netflix‘ letztem großen Hit „Squid Game“ zu sehen. Dem Cast kann man hier auch keinen Vorwurf machen, die geben sich echt Mühe, wirken nur eben manchmal wie Karikaturen der Originale, weil sie so verzweifelt dazu gebracht werden, eben diese zu kopieren anstatt etwas Eigenes einzubringen.

Von daher kann ich „Haus des Geldes: Korea“ wirklich niemandem empfehlen, vor allem nicht denen, die das Original kennen (und zumindest auch die ersten beiden Staffeln mögen).

Wertung: 2 von 10 Punkten (eine echte Qual)

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