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Das Ende vom Lied

22. Mai 2019

Wo fange ich nur an? „Game of Thrones“ ist zu Ende. Einmal mehr müssen wir uns von einem großen Serien-Phänomen verabschieden, und einmal mehr spaltet dieses Phänomen seine Fans. Was einfach daran liegt, dass das Fan-Sein gerade bei „Game of Thrones“ schon nahezu absurde Züge angenommen hat. Es ist verrückt, wie viele Theorien aufgestellt wurden – basierend auf den offenen Fragen der Serie: Wer ist der Nachtkönig? Hat er was mit Bran Stark zu tun? Wer ist Azor Ahai? Was wird Jon Snows wahre Abstammung noch für Folgen haben? Werden Prophezeiung XY in Erfüllung gehen oder nicht? Diese Serie – zusammen mit den Büchern von George RR Martin – haben uns dazu gebracht, viel Zeit für irre Theorien zu verwenden. Das wiederum baut Erwartungen auf, die größer sind als das, was die Serie jemals erreichen kann. Und dementsprechend ist bei dem ein oder anderen die Enttäuschung zum Finale dann auch ein bisschen herber.

In nur sechs Episoden erzählt uns die finale achte Staffel erst vom Kampf gegen den Nachtkönig, den Jon Snow (Kit Harrington) und Daenerys (Emilia Clarke) im Norden bestehen müssen… und danach kommt die Schlacht von King’s Landing, in der dann ein für alle Mal geklärt wird, wer denn nun das „Game of Thrones“ gewinnt.

Viel mehr Handlung muss man eigentlich nicht erwähnen, denn womit sich die Macher leider wirklich selbst eine riesige Stolperfalle legen, ist die Dauer der Staffel. Sechs Episoden sind nach mehr als acht Jahren einfach ein bisschen zu wenig. Zu vieles fühlt sich in dieser Staffel gehetzt an, teilweise noch gehetzter als das in Staffel 7 der Fall war. Wir haben zwar längere Episoden bekommen, aber im Hinblick darauf, alle Charakter-Stränge zu beenden, war es dennoch zu wenig. Am schlimmsten trifft es da noch den Nachtkönig. Das große Böse wurde seit Beginn der Serie aufgebaut… nur um dann in einer ziemlich dunklen und kaum erkennbaren Folge abgefrühstückt zu werden. Das war Folge 3 und trotz einer imposanten Schlachtensequenz, für die die Darsteller und Macher 55 Nächte hintereinander gedreht haben, irgendwie ein Reinfall. Nix mit Azor Ahai, nix mit Lord of Light! Das alles wurde irgendwann mal aufgebaut, hatte nun aber am Ende doch keine Bedeutung für irgendwas.

Dazwischen wird dann mal wieder der Versuch gestartet, ein bisschen mehr die Intrigen reinzubringen… das, was „Game of Thrones“ eigentlich immer so spannend gemacht hat. Doch hier merkt man dann leider auch wieder, dass die Zeit fehlt. So wird Sansa (Sophie Turner) sehr schnell zu Dany-Gegnerin, Tyrion (Peter Dinklage) zum hin- und hergerissenen Berater. Man merkt, dass hier noch interessante Geschichten warten, die dann irgendwann Martin in den Büchern besser zusammenführt. In Staffel 8 wirkt es zu sehr gehetzt… und leider spielt auch  irgendwie zu viel Fan-Service rein. Vor allem, wenn es um Brienne (Gwendoline Christie) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) geht. Das war zwar nett, aber einfach auch unnötig.

Schließlich kommt dann noch die große Schlacht um Kings Landing, in der Daenerys mal eben zur Mad Queen wird und komplett ausrastet. Die Elemente, warum sie so wütend wird, sind alle da – nur wird auch dieser Punkt wieder viel zu schnell eingeführt. Und gleichzeitig versucht man ihre Taten in Essos so zu verdrehen, als wären dort schon die Anzeichen da gewesen. Was schade ist und nicht so wirklich zur Charakterentwicklung von Daenerys passt. Ein Faktor, der auf viele Charaktere zutrifft. Da sind einige Entwicklungen nicht mehr so wirklich nachvollziehbar… und das macht dann leider ziemlich viel kaputt.

Das eigentliche Finale ist dann recht kurz und schmerzlos… und irgendwie emotionsloser als ich es mir erhofft hätte. Ich meine, bei „LOST“ habe ich geweint am Ende. Selbst bei den „Sopranos“ war ich ganz schön fertig. Mit „Game of Thrones“ habe ich acht Staffeln über zehn Jahre verbracht und am Ende war es nett, aber mehr auch nicht.

Ich finde zwar diese ganze Opposition gegen die finale Staffel (mit ihren Petitionen für ein Remake) etwas übertrieben, kann sie aber nachvollziehen. Staffel 8 hatte aber auch viele gute Momente, das Problem ist halt nur, dass sie zu klein waren und unter vielen anderen sehr gehetzten Momenten etwas untergingen. Ich kann mir schon vorstellen, dass man mit ein bisschen mehr Zeit, das alles hätte runder abschließen können. Dennoch ist es ein Ende, mit dem ich leben kann… es hätte nur von der Durchführung vielleicht ein bisschen besser sein können.

Bleibt jetzt am Ende nur noch die Hoffnung, dass George RR Martin es irgendwann vielleicht doch noch schafft, die letzten zwei Romane seines Liedes von Eis und Feuer zu beenden, damit wir doch noch das ausgereiftere Ende dieser Saga bekommen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein „okayes“ Ende, das stark ausbaufähig ist, aber dennoch alles irgendwie doch so beendet, dass man jetzt auch nicht mehr erwartet)

6 Kommentare leave one →
  1. 22. Mai 2019 17:48

    Visuell war das alles mehr als oberstes Limit für eine ’normale‘ TV-Serie. Aber erzählerisch und in Bezug auf die über so lange Zeit aufgebaute Charakterentwicklung der einzelnen Figuren offenbarte die letzte Staffel – vor allem aufgrund des angesprochenes Zeitmangels – viele Logikfehler. Das Ende mag dann zwar ein wenig zu Happy End-like daherkommen, ist aber dennoch ein runder Abschluss der Saga.
    Bin da also in der Einschätzung ganz bei dir… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      22. Mai 2019 19:57

      Visuell war das schon wirklich großes Kino. Kann man nicht anders sagen. Aber ja, alles andere hat arg darunter gelitten.

      So wirklich bittersüß war das Ende jetzt wirklich nicht. Abgesehen von der Dany-Jon-Sache… da hatte ich noch mehr erwartet. Aber ja, irgendwo schon ein guter Abschluss, der viel viel besser hätte sein können und auch müssen.

  2. 23. Mai 2019 17:13

    Ohne mich jetzt bei GoT auskennen zu würden… aber diese irre Theorien spinnen und Erwartungen aufbauen ist natürlich auch stark davon getrieben, dass es pro Woche eine neue Folge gibt und dadurch alle mehr oder weniger auf dem gleichen Stand sind.

    Bei Serienstaffeln, die sofort komplett auf einem Schlag verfügbar sind, wird das in diesem Ausmaße nicht funktionieren. Der Hype baut sich da viel schwerer auf. Vielleicht werden das auch die Streaming-Dienste irgendwann merken.

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2019 19:05

      Da geb ich dir absolut Recht. Mit der wöchentlichen Veröffentlichung von Folgen kann man viel besser rumspielen. Netflix und Co. ruinieren das tatsächlich… und so springt da auch nie so richtig der Funke über. Bislang sind alle großen Serienhits nach wie vor von klassischen Sendern.

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