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Calvin, der Marsianer

24. März 2017

Willkommen zu einem Film, den man eigentlich gar nicht mehr gucken braucht, wenn man den Trailer gesehen hat. Willkommen bei Daniel Espinosas „Life“. Ein trauriges Beispiel dafür, dass Trailer heutzutage einfach viel zu weit gehen, viel zu lang gehen und einem das Kino-Erlebnis eigentlich schon versauen, bevor es überhaupt angefangen hat. Denn mehr als das, was im Trailer zu sehen bekommt, gibt es im Film eigentlich nicht. Jeder, der auch nur einen „Alien“-Film gesehen hat, wird wissen, was ihn in diesem Film erwartet. Was schade ist, weil sich der Film so allein durch den Trailer meiner Meinung nach viel verbaut. Gerade dieser Film hätte einen atmosphärischeren Trailer verdient gehabt: weniger Story, sondern mehr von der Grundstimmung.

Die Crew an Bord der Raumstation ISS fängt eine Sonde vom Mars ab, die möglicherweise den Beweis für Leben im All in sich trägt. Und tatsächlich können die Forscher eine Zelle beleben, die von den Kindern der Erde „Calvin“ getauft wird. Das Blöde ist nur, dass Calvin rapide wächst und zu einem fiesen Monster wird, dass die Astronauten an Bord der ISS als Nahrung sieht.

Wie man vielleicht an dieser knappen Inhaltsangabe schon erkennen kann, hat „Life“ ein wirklich großes Problem: Die Charaktere sind eigentlich vollkommen egal. Ja, da spielen Größen wie Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds und auch „Mission: Impossible“-Dame Rebecca Ferguson mit, aber der Film baut diese Charaktere nie aus. Sie sind Alien-Futter, nicht mehr und nicht weniger, deswegen brauchen wir uns nicht um sie zu kümmern. Was ein bisschen schade ist, böten doch gerade die Charaktere eine Möglichkeit, dieses Weltall-Kammerspiel ein bisschen interessanter zu gestalten. Jake Gyllenhaal spielt einen Mann, der so lange wie noch keiner im Weltall war und der offensichtlich auch gar nicht auf die Erde zurück will. Warum und wieso – ist egal! Und das war’s dann auch schon mit interessanten Hintergrundgeschichten. „LOST“-Veteran Hiroyuki Sanada darf im All die Geburt seiner Tochter miterleben und hat sie als Motivation im Überlebenskampf… aber genauso gut hätte man das auch weglassen können. Die Charaktere bedeuten in „Life“ leider so gut wie gar nichts. Jake Gyllenhaal wirkt einfach nur immer traurig (vielleicht, weil er nicht auch noch in Villeneuves „Arrival“ mitspielen durfte, wo er doch schon zwei Filme davor mit ihm gedreht hat), Ryan Reynolds hängt mit schnippischen Kommentaren gefühlt noch bei „Deadpool“ fest und ja, das war’s. Sie sind halt einfach nur Alien-Futter, mehr leider nicht.

Was ja theoretisch nicht so tragisch wäre, wenn der Rest gut Hand in Hand gehen würde. Aber auch da kriselt es ein wenig. Positiv anzumerken ist, dass der Film zumindest anfangs wirklich toll aussieht. Es gibt einen tollen schwerelosen One-Take, die ISS sieht mal wieder toll aus, das Weltraum-Gefühl ist auch da. Ich fühlte mich zu Beginn sehr an „Gravity“ erinnert, wenn Daniel Espinosa einfach nur den Weltraum zelebriert und die Menschen im All und die Schwerelosigkeit. Da ist alles echt toll geworden, sieht gut aus… ist aber auch nur der Anfang, bis Calvin halt an Bord kommt.

Auch das ist anfangs noch interessant: wir erleben die Evolution des Wesens vom Einzeller zum Tentakel-Monster mit Riesenhunger. Nur ab dem Moment, wo Calvin seinen Hunger zeigt, wird aus „Life“ einfach nur ein schnöder Horror-Film, der verzweifelt versucht, „Alien“ zu kopieren. Was nur leider nie so richtig funktioniert. Das Kreaturen-Design fand ich noch ganz witzig, auch wenn Tentakel-Monster jetzt nicht sonderlich kreativ ist. Aber Calvin hatte was – vor allem in seinem früheren Status sah das Ding noch ziemlich cool aus. Später halt Tentakel-Monster. Ein Tentakel-Monster, dass durch Lüftungsschächte krabbelt und unerwartet auftaucht. Jupp, „Alien“ a la 2017 halt. Nur halt in weniger gruselig und Nerven zerfetzend. Es gibt ein paar jump scares, die Horror-Kenner kaum jucken werden. Dazu noch ein paar Fress-Momente, aber das war’s auch schon.

Diese Mischung aus wissenschaftlichem Science-Fiction, in dem uns alles so plausibel wie möglich erklärt wird (sogar die Tatsache, das Calvin töten muss, wird logisch erklärt) und Alien-Horror-Film gelingt einfach nicht so gut. Dazu gibt es dann noch das klischeehafteste 80er Jahre Horror-Film-Ende, das man auch schon von Weitem kommen sehen kann… und das ist dann „Life“.

Versteht mich nicht falsch, es ist ein unterhaltsamer Film, der nicht langweilt, der aber auch keine Neuerungen zum schon ewig Altbekannten gibt. Und wie gesagt, letztendlich kann man sich das Kino-Geld sparen, in dem man einfach den Trailer guckt. Denn sonderlich viel mehr gibt der Film wirklich nicht her.

Wertung: 6 von 10 Punkten („Gravity“ trifft auf „Alien“ – nur ohne die Qualitäten dieser Vorbilder)

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6 Kommentare leave one →
  1. 25. März 2017 21:58

    Das mit den Trailern geht mir auch zu oft so – ich bemühe mich bereits, diese immer maximal zur Hälfte anzusehen. Bei „Split“ war dein erster Satz der Kritik auch mein vordergründiger Gedanke. Zitat: „Gravity“ trifft auf „Alien“ – nur ohne die Qualitäten dieser Vorbilder “ – viel abschreckender hättest du mir den Film nicht betiteln können, danke dafür 😀

    • donpozuelo permalink*
      26. März 2017 20:00

      Da mag wohl jemand weder „Gravity“ noch „Alien“? 😉

      Ja, Trailer sind immer so eine Sache. „Star Wars“ macht es da im Moment noch am besten, wie ich finde. Alle Trailer waren fast vordergründig nur, um ein Gefühl zu erwecken, selten um wirklich die volle Story zu erzählen.

  2. 28. März 2017 23:27

    Komme grade aus dem Kino und muss sagen: Ich fand ihn spannend und fühlte mich gut unterhalten. Auch wenn du mit deinen Punkten natürlich recht hast. Aber ich war ja schon froh, dass das Alien mal nicht wie ein Insekt aussieht.

    • donpozuelo permalink*
      29. März 2017 14:14

      Unterhaltend fand ich ihn auch. Ich habe mich nicht gelangweilt, aber so richtig spannend fand ich ihn halt leider nie.

  3. 1. April 2017 12:40

    Zwar habe ich den Film nicht gesehen, aber nach dem Trailer habe ich schon vermutet, dass es so wird wie du schreibst. Und gerade wenn es keinen wahnwitzigen Twist gibt, dann frage ich mich doch – warum gibt es den Film? Warum spielen da solche Größen mit, die dem Drehbuch wahrscheinlich nicht viel hinzufügen können, weil die Geschichte vom Grundgerüst ja sowieso eh schon jeder kennt?? Und warum bekommt Daniel Espinosa dafür soviel Budget? Ich habe vor einer Weile Kind 44 gesehen und habe selten einen langweiligeren Thriller gesehen, der soviel Stimmung und Talent verschenkt. Ich wundere mich ehrlich gesagt. Hatte eher erwartet, dass er nachdem wieder zu kleineren Produktionen zurückkehren wird. Man beschäftigt sich soviel mit diesem Business, aber manchmal habe ich doch das Gefühl nicht zu verstehen, wem und welchen Visionen die Männer in den Anzügen aus welchen Gründen soviel Geld geben.

    • donpozuelo permalink*
      2. April 2017 22:00

      Dass über „Kind 44“ habe ich auch schon gehört. Ja, sehr merkwürdig. Wer weiß, wen Espinosa kennt oder wer einfach nur felsenfest davon überzeugt ist, dass der Mann wirklich was kann. Alles, was er bisher gezeigt, war Mittelmaß – nicht mehr und nicht weniger. Wenn er wenigstens einmal einen wirklichen Kracher geliefert hätte, würde ich das verstehen, aber so… naja, was in den Köpfen der Männer in Anzügen vor sich geht, werden wir wohl nie wissen. Es sei denn, wir werden selber mal welche 😉

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