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Arrivederci, Sopranos

29. September 2017

Es ist vorbei… und es tut ein bisschen weh. Als ich mit „Die Sopranos“ anfing, wusste ich nicht wirklich, auf was ich mich da einlasse, doch mit jeder neuen Folge, mit jeder neuen Staffel wuchs mir diese Mafia-Familie mehr und mehr ans Herz. Es ging sogar so weit, dass ich gar nicht wollte, das die Serie aufhört. Ich ging sogar noch weiter, dass ich zwischen Staffel 5 und 6 und zwischen dem ersten und dem zweiten Teil von Staffel 6 jeweils ein Pause einlegte und eine andere Mini-Serie guckte – einfach weil ich nicht wollte, dass „Die Sopranos“ so schnell enden. Ich zögerte das Unausweichliche hinaus, so gut ich konnte. Das hat mich selbst ein wenig überrascht, zeigt aber vielleicht wie toll ich die Serie im Großen und Ganzen einfach fand.

Der zweite Teil der sechsten Staffel liefert dafür dann auch ordentlich was ab und bietet ein Ende, dass es in sich hat. Vom Finale der „Sopranos“ hatte ich schon viel gehört, es rangt ja neben dem von „LOST“ ganz oben auf der Liste der kontroversen Serien-Enden… und ja, das Finale hat was. Es ist ein Finale, das einen – egal, ob man es nun mag oder nicht – einfach nur sprachlos alleine lässt. Es ist aber auch ein Finale, dass zu dieser Mutter aller neuen Serien-Konzepte so perfekt passt. Ich finde es persönlich sehr toll… es hinterlässt einfach einen Eindruck. Und es ist jetzt nicht wie bei „LOST“, wo man vielleicht denken könnte, die Macher haben uns jetzt verarscht. Nein, es ist ein Ende, das so gesehen, zwei Möglichkeiten offenlässt, wie diese letzte Szene der Sopranos ausgehen könnte. Man wird natürlich vorher gekonnt in die eine oder andere Richtung gelockt – die ganze Inszenierung dieser Diner-Szene, in der sich Tony (James Gandolfini) befindet, ist großartig. Da erwächst Anspannung und Erleichterung zugleich.

Warten auf das Ende

Da sitzt er nun und wartet auf seine Frau Carmela (Edie Falco), seinen Sohn A.J. (Robert Iler) und auf seine Tochter Meadow (Jamie-Lynn Sigler) – es ist die letzte große Familienzusammenführung nach einer zweiten Hälfte der sechsten Staffel, in der Tony Soprano selbst um sein Leben bangen muss. Vielleicht ist es sein letztes Abendmahl, vielleicht auch einfach nur ein Familien-Dinner. Es bleibt am Ende der Folge – so abrupt es dann auch kommt – jedem Fan selbst überlassen, wie er das „Ende“ des Tony Sopranos für sich sieht. Ich mochte das Ende und ganz ehrlich, ich habe mich für eine Sache entschieden, mit der ich gut schlafen kann.

„Die Sopranos“ enden mit einem Knall, der dieser Serie würdig ist… und beenden so konsequent, was sie begonnen haben. Ich glaube, die Serie thront jetzt für mich neben „LOST“ auf dem ersten Platz der Lieblingsserien. Es ist eine Serie, zu der ich auf jeden Fall zurückkehren werde, die ich unbedingt noch einmal sehen will. Auch dafür, dass ich beim zweiten und dritten Mal gucken dann vielleicht besser weiß, wer wer ist in diesem Dickicht aus Charakteren, von denen alle wunderbar dargestellt sind… doch niemand entthront hier James Gandolfini.

Die Serie steht und fällt mit Gandolfini und es ist unglaublich, wie sehr der Mann in dieser Rolle verwurzelt ist. Gandolfini ist Tony Soprano. Punkt! Es ist grandios, ihm immer und immer wieder zu zu sehen. Er ist der perfekte Mafia-Pate – ein sympathischer Mann, der einfach fasziniert, sobald man ihn sieht. Er strahlt etwas Mächtiges und dennoch etwas Nahbares aus. Wir lernen ihn als Familien-Vater kennen, als Ehemann, als Patienten, als Ehebrecher, als Kriminellen, als Sohn, als Anführer. Wir schwanken immer wieder, ob wir ihn nun mögen sollen oder nicht, aber am Ende kann man sich der Faszination Tony Soprano nicht entziehen. Und Gandolfini strahlt das alles mit einer scheinbaren Leichtigkeit aus, als wäre er Tony Soprano. Es ist großartig.

Aber wie gesagt, auch der Rest der Besetzung ist ein Traum. Edie Falco als Carmela ist nach Gandolfini meine Nummer 2 in dieser Serie, ich fand sie umwerfend gut. Platz 3 teilen sich dann einfach mal alle anderen. „Die Sopranos“ ist eine Serie, die durch perfektes Casting einfach überzeugt. Das in Verbindung mit großartigen Drehbüchern macht eine umwerfende Serie, die es verdient mehrfach geguckt zu werden… und die ein tolles Finale hat (ich will es hier nur noch einmal sagen).

Wenn es einen Punkt gibt, den ich der Serie dann am Ende nicht verzeihen kann, dann ist es – und ja, ich habe schon öfter darüber gesprochen – die Vergewaltigung von Dr. Melfi (Lorraine Bracco) in Staffel 3. Ich verstehe das nach wie vor nicht. Vielleicht kann es mir einer von euch erklären… aber es hat so gar nicht in das ganze Konzept gepasst und wurde auch nie wieder angesprochen (wahrscheinlich weil es so unnötig war).

Aber gut, in jeder Familie gibt es ein schwarzes Schaf. Diese Szene ist es dann wohl. Auf jeden Fall war es toll, „Die Sopranos“ zu gucken und ich werde definitiv wieder zurückkehren und mich noch einmal in dieses mafiöse Familien-Chaos stürzen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (eine Finale, das dieser Serie würdig ist)

8 Kommentare leave one →
  1. 29. September 2017 09:15

    Für mich ist das Serienfinale immer noch eines der besten überhaupt. Während der Sichtung fand ich es noch etwas unspektakulär (obwohl die gesamte Sequenz schon sehr, sehr mitreißend ist und ich „Don’t Stop Believin'“ jetzt mit anderen Ohren höre) — danach aber hat es voll gezündet und mir ist erst aufgefallen wie großartig diese Sequenz komponiert ist, so dass es am Ende auch kaum Interpretationsspielraum gibt.

    • donpozuelo permalink*
      1. Oktober 2017 22:13

      Die ganze Szene ist wirklich der Hammer. Die ganzen kleinen Andeutungen mit den Besuchern in dem Diner waren echt krass.

      Ich werde die Serie auf jeden Fall nochmal gucken und bin schon gespannt auf ein zweites Mal mit diesem Finale.

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