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Rambaldis Agentin

19. Juli 2017

Ich mag J.J. Abrams ja wirklich sehr – ob nun im Serien- oder im Film-Bereich. Ich liebe „LOST“ und ich liebe auch „The Force Awakens“. Wenn ich jedoch eine Sache – gerade im Serien-Bereich – bei Abrams bemängeln würde, dann wohl die Tatsache, dass er es nicht so mit wirklich coolen Intros hat. Bei „Fringe“ ging es noch – zumal da ja das Intro immer mal passend zur Episode abgeändert wurde. Der unheilvolle „LOST“-Schriftzug, der laut tönend auf den Bildschirm zu rauscht, war nett, aber auch nichts besonderes. Und jetzt habe ich das vielleicht unspektakulärste Intro von Abrams gefunden: nämlich das zu seiner Agenten-Serie „Alias“. Es kommt erst mal immer irgendwie zu einem unerwarteten Zeitpunkt, es hämmert dann diese merkwürdige, 90er Jahre Techno-Mukke im Hintergrund und es wird einfach nur „Alias“ ausgeschrieben. Aber hey, wer braucht ein gutes Intro, wenn der Rest stimmt. 😉

Sidney Bristow (Jennifer Garner) arbeitet für eine geheime Unterabteilung der CIA namens SD-6 und geht mit ihrem Partner Dixon (Carl Lumbly) auf die wildesten Missionen, um das Böse auf der Welt im Auftrag ihres Bosses Arvin Sloane (Ron Rifkin) zu bekämpfen. Leider erzählt Sidney irgendwann ihrem Verlobten, dass sie für SD-6 arbeitet, woraufhin der ermordet wird (geheim heißt halt geheim). Sidney ist am Boden zerstört und will aufhören, da erklärt ihr jemand die wahren Tatsachen: SD-6 gehört nicht zur CIA, sondern arbeitet für ein böses Syndikat namens „Die Allianz der Zwölf“. Um SD-6 nun von innen zu bekämpfen, wird Sidney Undercover-Agentin – dieses Mal wirklich für die CIA.

Vor dem Hangover und dem Affleck war Alias.

„Alias“ habe ich früher ab und an mal geschaut, aber hatte nie so das große Bild vor Augen, worum es wirklich geht. Jetzt habe ich mir also die Box mit allen Staffeln besorgt… und hatte in der ersten Hälfte der ersten Staffel ganz schön Angst, das alles stark zu bereuen. Denn die erste Hälfte war mir ein bisschen zu viel: ein bisschen zu viel heulende Sidney, ein bisschen zu viel heulende Mitbewohnerin von Sidney (die mit dem falschen Typen zusammen ist) und ein bisschen zu merkwürdige Missionen.

Die Missionen in „Alias“ sind mir, wenn ich das einfach mal so salopp sagen darf, viel zu simpel gestrickt. Sidney verkleidet sich, bricht super einfach irgendwo ein, besorgt super einfach, weswegen sie gekommen ist und verschwindet wieder. Und selbst, wenn mal alles nicht so super einfach abläuft, kloppt sie sich kurz und ist wieder frei. Die Spannung in den einzelnen Missionen schwand im Verlauf der ersten Staffel enorm. Wäre „Alias“ eine reine Agenten-Serie mit dem Fokus Sidney als Undercover-Agentin, dann wäre nach der ersten Staffel für mich definitiv Schluss gewesen. Einfach weil es zu sehr Freitag-Nachmittag-Action ohne krasse Bedrohung und mit sehr viel ungewollt komischer Theatralik ist.

Zum Glück (für mich und „Alias“ und unser gemeinsames Weiterschauen) gibt es da ja noch diese für mich noch nicht so ganz einzuschätzende Fantasy-Science-Fiction-Zugabe zur Serie. Da wird ständig nach Relikten eines alten Genies, Erfinders und Propheten names Milo Rambaldi gesucht – und vieles davon scheint mit Sidney zu tun zu haben. Ganz ehrlich, das finde ich noch spannend genug, das ich den Rest ertragen kann – zumal die zweite Hälte der ersten Staffel dann schon auch ein bisschen mehr Fahrt aufnimmt und tatsächlich auch ein bisschen spannender wird. Die verworrene Geschichte von Sidneys Eltern wird aufgedeckt, ihr Freund und Reporter Will Tippin (Bradley Cooper!!!!) kommt SD-6 auf die Spur – zum Ende der ersten Staffel fühlt sich „Alias“ dann schon ein bisschen geerdet an, ein bisschen runder, packender, mehr im Rhythmus mit seiner eigenen verrückten Story.

Darstellerisch muss ich mich an das Ganze noch sehr gewöhnen: Ich weiß selbst nach einer Staffel noch nicht so wirklich, ob mir Jennifer Garner in der Rolle wirklich gefällt. Es gibt Folgen, da mag ich sie sehr, dann in anderen Folgen wieder nicht. Gerade wenn sie ein bisschen emotionaler sein soll, sieht sie einfach nur wie ein kleines, getretenes Hundchen aus und wirkt etwas fehl am Platz. Vielleicht legt sich das ja noch mit der Zeit. Über Bradley Cooper war ich erstaunt – einfach nur, weil ich nicht wusste, dass er da mitspielt. Zum Ende der Staffel fand ich seinen Charakter sehr viel interessanter. Vorher ging er mir mit seiner Sidney-Schwärmerei zu sehr auf den Keks. Wen ich tatsächlich von Anfang an sehr cool fand, das war Ron Rifkin als Sloane. Zeigt sich mal wieder, dass Abrams ein Händchen für ambivalente Schurken-Rollen hat. Man weiß auch bei Sloane nicht, ob man ihn nun hassen soll oder nicht, aber wie man es auch nimmt – Rifkin spielt ihn super. Größtes Hass-Objekt in dieser ersten Staffel ist für mich Kevin Weisman als Marshall, der Q des SD-6, der durchgedrehte Nerd mit den coolen Agenten-Erfindungen. Sorry, aber der geht gar nicht. Der nervt mich jedes Mal so sehr mit seiner merkwürdigen Art… ich finde ihn einfach nur anstrengend.

Naja… ich will mal jetzt mit Staffel 1 nicht zu streng sein, sie hat ja ihre guten Momente (und sogar einen Tarantino-Doppelfolgen-Gastauftritt) und hält mich allein wegen dieser Rambaldi-Nummer am Ball. Und mit einer ersten Staffel muss man sich ja auch noch erst ein bisschen zurecht finden, da läuft noch nicht alles rund. Es war jetzt kein Binge-Vergnügen, aber ich hoffe, das ändert sich mit Staffel 2.

Wertung: 7 von 10 Punkten (noch nicht ganz ausgereift, aber doch schon recht interessant)

P.S.: Noch ein Punkt, der mir gerade einfällt, der mich super an „Alias“ stört: Jede Folge beginnt mit einer superlangen Einleitung und dann auch noch mit einer extrem langen Nacherzählung der letzten Ereignisse. Wenn man das so hintereinander schaut, nervt das sehr.

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13 Kommentare leave one →
  1. 19. Juli 2017 11:50

    Das „Lost“ Intro hat er ja mal eben so als Lückenfüller am PC erstellt. Eigentlich sollte es auch ein richtiges Intro geben, das auch als Easter Egg auf einer der DVDs versteckt ist. Aber dann hat man sich doch für die Kurzversion entschieden, was ich auch für absolut richtig halte. Ein minutenlanges Intro hätte da einfach nicht hingepasst.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2017 08:49

      Stimmt, bei LOST passt das Intro schon irgendwo schon sehr gut. Obwohl ein cooleres Intro sicherlich auch nicht schlecht gewesen wäre – sowas in die Richtung „Fringe“.

      • 20. Juli 2017 11:14

        Ich weiß nicht, je länger das Intro, desto mehr nimmt es von der Grundstimmung. Gerade da „Lost“ auch immer einen Cold Opener hatte, hätte das ganz schnell rausreißen können. Wenns nach mir ginge, hätte man sogar ganz aufs Intro verzichten können.

        • donpozuelo permalink*
          21. Juli 2017 17:55

          Hmm… ich weiß nicht. Irgendwie bin ich ein Fan von Intros. Aber es gibt halt auch gute und schlechte. Da ist es immer recht schwer…

        • 21. Juli 2017 17:59

          Ich bin eigentlich auch ein Fan von Intros und finde es gut, dass die mittlerweile so eine Art Return feiern. Aber manchmal passt es eben, wenn man darauf verzichtet und Lost ist da ein absolutes Paradebeispiel für.

  2. 19. Juli 2017 13:40

    Die Serie nimmt noch ordentlich Fahrt auf. Mochte ich sehr, sehr gerne. Wie sie heute wirkt, kann ich allerdings schlecht einschätzen.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2017 08:51

      Das werden wir ja dann sehen. Du kennst die Serie schon länger, ich schaue sie quasi zum ersten Mal. Kannst mir ja dann von Staffel zu Staffel deine Sichtweise geben 😉

  3. 19. Juli 2017 19:43

    Hey, die hatte ich damals mal angefangen als sie im TV lief und fand sie richtig gut, aber dann hatte ich ein paar Aussetzer und prompt konnte ich der Handlung nicht mehr Folgen und habe total die Lust verloren. Ich werde sie auch nicht mehr nachholen. Garners Stimme ist mir für so viel Bildschirm-Zeit zu anstrengend :))

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2017 08:54

      Ja, wenn man da mal nen Aussetzer hat, ist es schon nicht so einfach, wieder reinzukommen… obwohl ja zumindest in der ersten Staffel jede Folge mit einer fünf Minuten Zusammenfassung der vorangegangen Ereignisse beginnt 😀

      Garner ist sowieso ein etwas schwieriges Thema, sie passt zur Rolle, aber manchmal finde ich sie auch zu anstrengend 😀 Aber ich werde da jetzt erst einmal dran bleiben.

      • 20. Juli 2017 15:31

        Das waren schon mehr als eine Folge, sie ich verpasst hatte und es ist so viel passiert, dass es dich nicht lohnte weiterzusehen. Damals war nichts mit nachstreamen :)))

        • donpozuelo permalink*
          21. Juli 2017 17:53

          Hahaha… stimmt. Ich habe mir tatsächlich aber auch noch richtig old school die Box geholt.

  4. 3. August 2017 21:21

    Die habe ich damals mit großer Begeisterung geschaut. 😀 Aber leider nie zu Ende, weil sie im Fernsehen dann abgesetzt wurde. Aber ich kann mir schmerzhaft gut vorstellen, dass die Mehrzahl der Episoden heute nicht mehr ganz so gut funktioniert. Ich meine mich auch zu erinnern, dass sie immer in sehr typisierten, geldgeschwängerten Umgebungen und bei reichen Leuten und Instituten spielt und schon alleine deswegen immer sehr poliert wirkt.
    Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum bei mir The Americans so gut funktioniert. Da werden gerne einfach die kleinen Leute infiltriert, es ist sehr abwechslungsreich, eigentlich ist jede Folge anders.

    • donpozuelo permalink*
      4. August 2017 14:33

      Ja, es ist Oberflächlichkeit pur und Jennifer Garner darf ihren wohl geformten Körper in jedem noch so engen Kostüm präsentieren. Es ist nicht unbedingt mehr zeitgemäß, aber es macht noch Spaß es zu gucken.

      The Americans will ich mir demnächst aber auch mal anschauen. Höre auch nur Gutes davon.

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