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Schwarzfahrer-Zombies

14. September 2016

Prequels… ich glaube, es hat einen Grund, warum Prequels eigentlich immer erst NACH dem Original geguckt werden müssen. So macht man sich dann nämlich nicht das Original kaputt und merkt dann auch gleich mal, wie unnötig solche Prequels sind (die Star-Wars-Prequels sind da immer noch das beste Beispiel für). Doch das diesjährige Fantasy Filmfest hat es ja mal so hinbekommen, das ich mir Prequel und Original in der chronologischen Reihenfolge anschauen konnte – um halt einfach zu merken, wie unnötig so ein Prequel doch in den meisten Fällen ist. Das Prequel „Seoul Station“ von Yeon Sang-ho bestätigt das. Der Film kommt wirklich nur schwer in die Gänge und funktioniert als richtiges Prequel auch nicht wirklich, da wir kaum mehr erfahren. UND: Der Film hatte mir echt Sorgen gemacht, als ich dann zu Yeon Sang-hos ersten Realfilm „Train to Busan“ ging.

Darin will der viel zu beschäftigte Geschäftsmann und Vater Seok-Woo (Gong Yoo) mit seiner Tochter Soo-An (Kim Soo-Ahn) nach Busan fahren, damit die Kleine zur Mutter kann. Doch im Zug nach Busan wird plötzlich verkündet, dass es in den Städten zu merkwürdigen Ausbrüchen gekommen ist, Menschen verändern sich auf einmal und greifen andere Menschen an. Diese Infizierten sorgen für absolutes Chaos… doch Seok-Woo und seine Mitreisenden sind keineswegs sicher im Zug nach Busan… denn ein Infizierter hat sich ebenfalls an Bord geschlichen und verbreitet nun dieses Zombie-Virus im ganzen Zug.

So was kommt vom Schwarzfahren…

Was war ich doch erleichtert, als sich „Train to Busan“ zu einem absolut perfekten und unterhaltsamen Zombie-Film entpuppte. Innerhalb von wenigen Minuten hatte ich meine Zweifel wegen „Seoul Station“ schon vergessen… und fragte mich gleichzeitig, wie diese beiden Filme von ein und demselben Regisseur stammen können. All das, was Yeon Sang-ho in „Seoul Station“ vermissen ließ, bringt er in „Train to Busan“ zur vollen Blüte: der Film glänzt durch starke Charaktere, eine spannende Story und großartige Zombie-Action. Und das Einzige, was „Seoul Station“ und „Train to Busan“ letztendlich verbindet, ist ein Obdachloser, der sich heimlich in den Zug schleicht und, wenn er dann gefunden wird, vor sich hinbrabbelt: „Sie sind alle tot!“, was dann auf die Ereignisse aus den U-Bahnstationen verweist. Mehr nicht… das Prequel ist somit wirklich mehr als nur überflüssig.

Widmen wir uns daher lieber dem wirklich großartigen „Train to Busan“… umwerfend. Yeon Sang-ho zeigt hier, dass er diesen Film und die Idee dahinter perfekt verstanden hat. Aus der Prämisse „Zombies on a train“ macht er genau das (anders als jener langweilige „Howl“, der „Werwolves on a train“ so ziemlich versaut hat): Der Film lässt uns die meiste Zeit mit den Charakteren in dieser Enge eines Zuges. Man fühlt sich manchmal schon ein bisschen an „Snowpiercer“ erinnert, wenn die Passagiere sich hier von Abteil zu Abteil kämpfen müssen. Nur halt noch ein bisschen intensiver, denn dies ist ein normaler Zug: eng und vollgestopft. Bricht hier Panik aus, ist das Chaos groß. Wenn dann noch wütende, hungrige und vor allem schnelle Zombies durch die Gänge schießen, kriegt man es schon mit der Angst zu tun. Zumal Yeon Sang-ho seinen Zombies eine kleine Neuerung verpasst: Im Dunkeln können die nichts sehen und orientieren sich nur nach dem, was sie hören. Das erinnert nicht nur an die komischen Zombie-ähnlichen Viecher aus dem Spiel „Last of Us“, sondern sorgt auch für unheimlich spannende, nervenzerfetzende Momente im Film, wenn sich unsere Helden heimlich still und leise an den Zombies vorbei schleichen wollen. Da wird die Enge des Zuges dann so richtig unerträglich.

Neben der wirklich guten und gruseligen Zombies punktet „Train to Busan“ dann aber auch die grandiosen Charaktere bzw. ihre Darsteller. Hauptdarsteller Gong Yoo überzeugt als überforderter Vater, der mit seinen Aufgaben wächst und sich zu einem besseren Menschen verändert, der dem Chaos tapfer entgegentritt. Derjenige, der aber während der Vorführung am meisten Szenenapplaus bekam und zurecht gefeiert wurde, war Mitfahrer Sang-Hwa (Ma Dong-Seok), der mit seiner schwangeren Frau unterwegs ist. Der Typ war witzig, schnippisch und zynisch, aber konnte die Sachen auch anpacken, wenn es drauf ankam. Und das sind letztendlich nur zwei Beispiele aus „Train to Busan“, wie gekonnt Yeon Sang-ho seine Charaktere aufbaut, ihnen unterschiedliche Entwicklungen gibt und die Dynamik der Charaktere ausnutzt. So baut er auch geschickt Konflikte unter den Fahrgästen auf, die neben der Zombie-Apokalypse noch für zusätzlich Zündstoff sorgen und man sich nur denkt: „Mein Gott, ihr habt doch wirklich besseres zu tun, als euch gegeneinander aufzuhetzen!“

Was soll man also noch sagen: „Train to Busan“ ist wirklich ein grandioser Zombie-Film, der Spaß macht, extrem spannend ist, mit starken Charakteren aufwartet und dann auch noch perfekt mit der Prämisse „Zombies on a train“ spielt, dass ich an diesem Film wirklich nichts auszusetzen habe… außer natürlich das Prequel!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Schwarzfahrer-Zombies sind aber auch echt die Schlimmsten)

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4 Kommentare leave one →
  1. 14. September 2016 08:05

    Kann ich so unterschreiben – wirklich ein perfekter Action-Film, wo keine Minute Langeweile aufkommt. Da kann man nur hoffen, dass der Film auch in Deutschland noch ein etwas größeres Publikum bekommt.

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2016 08:47

      Wahrscheinlich eher nicht, was wirklich schade ist. Aber immerhin war er wohl in Korea so erfolgreich, dass sie schon an einer Fortsetzung arbeiten.

Trackbacks

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  2. Kritik: Das koreanische Zombiespektakel Train to Busan. – filmexe

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