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Zombies aus der U-Bahn

12. September 2016

Das Zombie-Genre hat es echt schwer, den geneigten Fan noch mit irgendwas zu überraschen. Zumindest geht es mir so, dass ich mittlerweile echt eine absolute Übersättigung an Zombie-Zeug habe. Gut, mit „The Walking Dead“ habe ich jetzt wieder angefangen, aber irgendwie sind da die Zombies eh in den Hintergrund geraten (und Menschen wie Negan sind sowieso viel interessanter). In Filmen haben sie auch schon so gut wie alles mit den Viechern durch – mittlerweile verlieben die sich auch, aber überwiegend haben sie immer noch voll Bock auf Hirn und Menschenfleisch. Sie sind mal schnell, mal langsam und oft erfahren wir erst gar nicht, woher sie eigentlich kommen. Der Zombie, unser alter Fleischfresser, ist gefühlt überall, weswegen ich mittlerweile lieber Abstand von denen nehme.

Allerdings würde ich das jetzt nicht alles schreiben, wenn nicht ein dickes, fettes „Aber“ kommen würde… das kommt jetzt, schließlich konnte ich mir ein Zombie-Double-Feature nicht entgehen lassen. Und schuld daran ist „King of Pigs“, jenes ziemlich harte Zeichentrick-Mobbing-Drama des koreanischen Regisseurs Yeon Sang-ho, das sowohl durch seinen sehr außergewöhnlichen Zeichenstil in Erinnerung bleibt als auch durch die Geschichte. Und eben jener Yeon Sang-ho meinte, er müsste auch mal was mit Zombies machen… so entstanden dann gleich zwei Filme: „Train to Busan“ und „Seoul Station“. Letzter ist das animierte Prequel zu Yeons erstem Live-Action-Film „Train to Busan“, den ich aber extra besprechen werde und jetzt der Chronologie halber einfach mal mit „Seoul Station“ weitermache.

Darin taucht ein Obdachloser mit Bisswunden an der U-Bahnstation „Seoul Station“ auf, stirbt, wacht als fiese Fleisch fressende Leiche wieder auf und verbreitet so die Zombie-Plage, in der eine junge Frau um ihr Überleben kämpft, während auf der anderen Seite der Stadt ihr Vater und ihr Freund versuchen, sie zu finden. Nur leider werden die Zombies immer mehr und mehr und die Chancen aufs Überleben immer weniger und weniger.

Er musste zu lange auf seinen Zug warten…

Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist es im Zombie-Bereich schwer, noch mit was wirklich Aufregendem zu punkten… und so verliert sich „Seoul Station“ dann auch ein bisschen darin, den ganzen Zombie-Kram so lange wie möglich von der Leinwand zu halten. Erst beobachten wir eine kleine Ewigkeit, wie ein Freund von Patient 0 versucht, Hilfe für seinen verletzten Kumpanen zu finden und als Obdachloser immer müde davon geschickt wird. Statt krasser Zombie-Action gibt’s erst einmal ein bisschen Kritik daran, dass die Ärmsten der Armen sowieso die ersten sind, die draufgehen, weil sie für einen Großteil ihrer Umgebung einfach unsichtbar sind und der Rest sie verzweifelt versucht, zu ignorieren. Eine wichtige Botschaft, die aber unsäglich schwer gemacht wird, durch das ewige Gejaule und Gekeuche von unserem tapferen Helfer, der wie ein kleines Mädchen schreit und flucht und schimpft.

Wenn die Zombie-Abenteuer dann beginnen, peppt Yeon Sang-Ho das altbekannte Fressen-und-Gefressen-Werden damit auf, uns zwei parallel verlaufenden Geschichten zu erzählen. Geschichte Nr. 1 wird stärker ausgebaut und verfolgt die „Abenteuer“ der jungen Frau und ihre Mühen, sich am Leben zu halten. Geschichte Nr. 2 zeigt uns Papa und Freund. Beide Geschichten sind nett, aber mehr auch nicht. Immerhin sehr clever ist ein kleiner Twist kurz vorm Ende des Films, der überraschend kommt, aber die Geschichte auch nicht groß aufwertet.

Die Zombie-Action ist cool gemacht, aber im Gegensatz zu „King of Pigs“ hat mich bei „Seoul Station“ Yeon Sang-hos recht eigenwilliger Zeichenstil extrem gestört. Vor allem die sehr affenartigen Laufbewegungen wirkten so komplett unecht, die ganzen Animationen haben mich immer wieder aus dem eigentlichen Erleben dieses Films gerissen. Während ich die etwas hässlichen, fast schon grotesk aussehenden Figuren in „King of Pigs“ irgendwie noch mochte, weil sie auch ein bisschen zur Geschichte passten, hat mich das in „Seoul Station“ alles irgendwie gestört. Wie gesagt, die Bewegungen waren fast schon ein wenig surreal. Dazu dann noch diese nuschelnde, ständig heulende Sprecherin… und irgendwann habe ich einfach nur gehofft, der Film ist bald vorbei.

Als Prequel zu „Train to Busan“ irgendwie auch überflüssig, wird doch auch in „Seoul Station“ nicht wirklich gesagt, was es nun mit den Zombies genau auf sich hat. Alles in allem ein Film, der okay war, den ich aber auch nicht noch einmal sehen muss.

Wertung: 5 von 10 Punkten (möglicherweise bräuchte dieses Prequel noch ein Prequel)

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9 Kommentare leave one →
  1. 12. September 2016 09:33

    Also jetzt muss ich mir wohl mal diesen „King of Pigs“ ansehen – der sagte mir bisher ja gar nix.

    • donpozuelo permalink*
      12. September 2016 09:38

      KING OF PIGS ist wirklich gut. Kann ich nur empfehlen. Zwar ein etwas eigenwilliger Stil, aber die Story ist echt hart…

      • 12. September 2016 09:54

        Ich mags ja, wenn der Zeichenstil mal etwas außergewöhnlicher ist 😉

        • donpozuelo permalink*
          12. September 2016 10:20

          Dann solltest du KING OF PIGS wirklich mal schauen.

  2. 12. September 2016 09:51

    Hab den vorgestern geschaut und war derb schockiert, wie schlecht der ist. Die Animationen sind billigst rotoskopiert und die Hintergründe und Böden ultramies. Einzig den Twist fand ich so gut, dass ich dem Film dann am Ende statt der verdienten 0/5 wohl 1/5 geben würde.

    • donpozuelo permalink*
      12. September 2016 10:19

      Ich bin froh, dass du als Animationsexperte auch die ganze Sache so schlecht fandest. Das war wirklich, wirklich mies.

      Der Twist war nett, aber naja… den Film gerettet hat es auch nicht. Dafür ist TRAIN TO BUSAN wirklich, wirklich gut.

  3. 16. September 2016 19:30

    Trotzdem interessant, dass du den vorstellst, denn von dem habe ich noch gar nichts gehört. Von King of Pigs zwar schon, aber den Regiesseur habe ich quasi nicht auf dem Schirm gehabt.

    • donpozuelo permalink*
      16. September 2016 22:48

      Ich auch nur durch KING OF PIGS. Aber das hatte gereicht, um mich neugierig zu machen. TRAIN TO BUSAN kann ich aber nur empfehlen.

Trackbacks

  1. Schwarzfahrer-Zombies | Going To The Movies

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