Skip to content

Wolfs on a train

13. Juni 2016

Der Werwolf hat arg zu leiden. Wenn man es sich mal so überlegt, war der letzte erfolgreiche Werwolf einer, der sich mit einem glitzernden Vampir um eine bleiche Tussi gestritten hat. Oder habe ich irgendwas vergessen??? Ich find’s ja echt schade, dass der Werwolf so ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist. Er bietet sich jetzt zwar tatsächlich nicht unbedingt so gut an wie so ein sexy Vampir, aber mein Gott, mal so ein richtig schön animalisches Zerfetzt-und-Fress-Werk mit fiesen Werwölfen wäre doch wirklich mal wieder nötig. Also falls ihr einen guten Vorschlag für einen guten Werwolf-Film habt (ich nehme alle Vorschläge an – ältere Filme, neuere Filme, was auch immer), lasst es mich wissen. Denn der Werwolf-Film, über den ich jetzt vor kurzem gestolpert bin, war leider nicht wirklich gut und irgendwie auch kein richtiger Werwolf-Film.

Die Rede ist von „Howl“ – ein Horror-Film des Briten Paul Hyett, der eigentlich eine simple, aber durchaus interessante Prämisse hat: Schaffner Joe (Ed Speleers) verlässt mit dem letzten Zug London, quält sich durch die Fahrscheinkontrolle und hofft auf ein baldiges Ende seiner Schicht. Eine Ende, auf das er wohl ein bisschen länger warten muss, als der Zug plötzlich mitten im Nirgendwo stehenbleibt. Als keine Lösung für das Problem zu finden ist, wollen die Fahrgäste an den Schienen entlang zur nächsten Station laufen… nur widerwillig begleitet Joe sie. Doch kaum sind sie aus dem Zug, fängt das Wolfsgeheule an… und eh sie es sich versehen, werden die Fahrgäste von etwas aus dem Wald angegriffen. Also alle wieder zurück zum Zug, nur wirklich sicher sind sie dort auch nicht.

Wenn sie sich umdreht, sieht sie den merkwürdigsten Werwolf aller Zeiten

Die Idee von „Howl“ ist ja wirklich cool. Beengter Raum, verängstigte Fahrgäste und möglicherweise fiese, riesige Werwölfe vor der Tür, die leider keinen Fahrschein gelöst haben, aber trotzdem rein wollen. Anfangs macht „Howl“ sogar auch noch ein bisschen Spaß, Regisseur Hyett spielt ein bisschen mit unseren Erwartungen. Gekonnt lässt er uns zappeln, den Feind dürfen wir nicht zu schnell zu Gesicht bekommen. Lieber erst einmal ein bisschen Hahnenkampf im Zug genießen, wenn Joe versucht, die Kontrolle über alles zu behalten.

Für den Anfang ganz okay, funktionieren diese menschlichen Konflikte im weiteren Verlauf des Films nie so richtig. Das Ganze wirkt alles sehr aufgesetzt, ziemlich trashig und eher lieblos gespielt. Da kommen dann auf einmal wie aus dem Nichts Emotionen hoch, da greift Macho-Mann Adrian (Elliot Cowan) dann immer mal wieder Joe an… einfach nur, weil er sich den so ein bisschen als sein Opfer herausgepickt hat. Und man sitzt eigentlich nur davor und denkt sich: „Habt ihr keinen anderen Probleme???“

Die anderen Probleme sind ja dann die Viecher draußen im Wald, die dann mal eben von einem älteren Herren noch ihre eigene Geschichtstunde bekommen, denn es gab wohl 60er Jahren an exakt der gleichen Stelle schon einmal einen merkwürdigen Vorfall. Und jetzt wissen wir, worum es da ging. Diese Viecher… vermeintliche Werwölfe habe ich sie genannt. Denn wie Werwölfe sehen die Dinger leider nicht wirklich aus. Mehr wie eine verrückte Mischung aus Nacktmull, Morlock (die aus dem „Die Zeitmaschine“-Original von 1960) und Mensch. Nur leider halt nicht wirklich wie ein Werwolf. Sie heulen zwar wie Wölfe, aber das war’s dann auch schon.

Wenn es dann zum Kampf Wolfsmenschen gegen Menschen kommt, hat „Howl“ zwar ein paar blutige Szenen zu bieten, wirkt aber auch immer ein bisschen sehr gestelzt. Wenn eine Passagierin zum Werwolf wird, tänzelt sie lieber erst einmal gefühlte Ewigkeiten vor ihrem Mann herum, anstatt ihn gleich anzufallen. Und grinst dabei noch so debil, dass man nicht weiß, ob man mit dem Kopf schütteln oder lachen soll.

Ein Problem, das sich über den gesamten Film verteilt. „Howl“ hätte, glaube ich, cool sein können, wenn er sich nicht so Ernst genommen hätte. Jetzt hat der Film schon nicht die besten Schauspieler und das Wolfsdesign sieht halt auch eher lustig als gruselig aus, warum macht man den Film denn nicht ein bisschen witziger? Ein bisschen mehr Humor, halt einfach ein bisschen mehr „Snakes on a Plane“ mit „Wolf on a Train“ wäre für diesen Film genau das Richtige gewesen. Dann hätte man über vieles in diesem Film auch eher wohlwollend hinweg gesehen…

Wertung: 4 von 10 Punkten (ich warte also weiterhin auf einen brauchbaren Werwolf)

Advertisements
7 Kommentare leave one →
  1. 13. Juni 2016 10:34

    Den fand ich ja auch so schwach. Die Story hatte Potential und hat auch gut angefangen, dann irgendwann wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte ^.^

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2016 16:20

      Haha… absolut richtig. So ging es mir auch. Der Anfang war wirklich gut, aber naja… passiert halt leider manchmal, dass sie Potenzial nicht ausschöpfen. Und ich hatte schon lange Verfolgungsjagden durch den Zug erwartet…

  2. 13. Juni 2016 13:34

    Kennst Du „When Animals Dream“? Hab ich grad erst gesehen. Ein lakonischer, nüchterner Film ohne viele Worte. Coming-of-age + Werwolf + dänisch.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2016 16:19

      Ich habe bislang nur von dem Film gehört, werde mir den aber mal auf die Liste setzen.

  3. 14. Juni 2016 22:02

    Ah der arme Ed Speleers, da wurde er schon so aus Downton Abbey geschrieben und dann hat er hier auch keine tolle Rolle … schade.
    Ich glaube die besten Wölfe, die ich mal in Film und Serie gesehen habe, waren die aus dem Anime „Wolfs Rain“. So toll … aber keine Werwölfe. ‚When Animals Dream‘ hatte einige spannende Idee, war aber auf der anderen Seite auch etwas zerfahren und öde. In Hemlock Grove geht es auch um Werwölfe und in der 1. Staffel habe ich eine Verwandlung gesehen, die für mich bis dahin so ziemlich die beste Verwandlung in einen Werwölf ist. Und die erste Staffel der Serie fand ich auch richtig gut, nur danach wirds irgendwie Banane.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2016 16:17

      Ed Speleers sagt mir eigentlich überhaupt nichts, von daher kann ich da nicht mitreden.

      „Wolfs Rain“ ist mal vorgemerkt, von „When Animals Dream“ habe ich schon viel gehört, sowohl positives als auch negatives, weswegen ich da immer noch ein bisschen skeptisch bin.

      Und „Hemlock Grove“ werde ich mir auch mal vormerken. Könnte eh bald wieder ne gute Serie gebrauchen. 😀

Trackbacks

  1. Schwarzfahrer-Zombies | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: