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Rette JFK!

16. September 2016

Ich kann Stephen-King-Verfilmungen nicht mehr trauen. Dachte ich zumindest, nachdem ich „Under the Dome“ gesehen hatte. Beziehungsweise lag mein Misstrauen eher bei King selbst. Denn das Buch, auf die Serie basierte, habe ich sehr gemocht. Das war für mich nach langer King-Abstinenz mal wieder ein Roman von ihm… umso schöner fand ich es ja, dass sie daraus eine Serie machen wollten, statt nur einem Film. Blöd nur, dass die Serie so ziemlich großer, großer Schrott war. Ich habe die erste Staffel mit Mühe und Not durchgehalten, aber danach dann einfach aufgegeben (obwohl mich immer noch interessieren würde, wie sehr sie das Ende des Romans verändert haben… aber lieber sterbe ich dumm, als mir die restlichen beiden Staffeln anzutun). Die schlechte Serie hielt mich aber nicht davon ab, mein wieder aufkeimende Begeisterung für Mr. King im Keim ersticken zu lassen… und so schnappte ich mir das nächste Buch, von dem ich im Vorfeld schon wusste, dass es ebenfalls als Serie verfilmt werden würde: „11.22.63“, oder wie es bei uns auch heißt: „Der Anschlag“ (was irgendwie ein selten dämlicher Titel ist, würde doch „Das Attentat“ wesentlich mehr Sinn machen).

In „11.22.63“ reist der Lehrer Jake Epping (in der Serie gespielt von James Franco) durch ein merkwürdiges Portal im Diner seines alten Freundes Al (Chris Cooper) ins Jahr 1960. Al schickt ihn dorthin, in der Hoffnung Jake könne so das Attentat auf John F. Kennedy durch Lee Harvey Oswald (Daniel Webber) verhindern und so die Geschichte der Welt umschreiben. In der Zeit bis zum 23. November 1963 soll Jake aber Oswald beschatten, um heraus zu finden, ob der wirklich alleine gehandelt hat – wenn ja, soll Jake Oswald töten und so JFK retten. Ganz so einfach ist das Ganze dann natürlich nicht, denn die Vergangenheit hat etwas dagegen, verändert zu werden und wehrt sich mit allen Mitteln… und Jake lernt die bezaubernde Bibliothekarin Sadie (Sarah Gadon) kennen und verliebt sich in sie.

Old school Spionage

Vielleicht liegt es daran, dass J.J. Abrams als Produzent an „11.22.63“ beteiligt war oder die Tatsache, dass Stephen King aus dieser Verfilmung scheinbar größtenteils rausgehalten hat, aber ich mochte die Serie sehr. Ich mochte das Buch, aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich mochte die Serie noch ein wenig lieber… denn der Serie gelingt es, die etwas langatmigen Passagen des Buches zu vermeiden, indem sie einfach etwas dazu erfinden. Und ich kann kaum glauben, dass ich sowas mal freiwillig sagen würde, aber das Dazu-Dichten zur eigentlichen Geschichte war Gold wert. Denn statt Jake ganz allein in der Vergangenheit bei seinen Beschattungen zu lassen (wie es im Buch der Fall ist), bekommt er in der Serie Hilfe von dem jungen Bill (George MacKay).

Statt sich also allein auf James Franco als Erzähler in eintönigen Spionage-Szenen zu verlassen, bekommt er einen Partner, der ihn auf Trab hält, der ein bisschen mehr Spielraum für Dialoge und vor allem für Probleme liefert, wodurch man der Geschichte viel mehr Schwung verleiht und es einfach fürs Schauen sehr viel interessanter gestaltet. Bill war eine gute Erfindung für die Serie, er hält Jake auf Trab und ist mit George MacKay auch wirklich gut besetzt.

Ansonsten hält sich „11.22.63“ sehr an seine Vorlage und liefert beste Unterhaltung ab… genau wie im Buch auch wird das komische Zeitloch, dass all das hier ermöglicht, nie so wirklich erwähnt. Wir dürfen auch nicht hinterfragen, warum sonst keiner aus dem Jahr 1960 aus Versehen mal da rein läuft und in unserer Gegenwart auftaucht. Manche Sachen muss man einfach hinnehmen. Im Fall von „11.22.63“ kann man das auch bestens machen, denn letztendlich ist das Zeitreise-Loch ein kurzer Abschnitt… einmal in der Vergangenheit ist die Serie fast schon „Kostüm“-Drama / Spionage-Thriller. Alles an dieser Serie atmet 60er Jahre Feeling. Die Autos, die Kostüme, die Musik – wenn da nicht dieser komische Typ wäre, der viel zu viel weiß.

Ein süßes Pärchen

James Franco ist das Herz dieser Serie! Man kann viel über ihn reden – das er ein komischer Kauz ist, das er schon lange nichts mehr wirklich Tolles gemacht hat. Aber dann sollte man Leuten diese Serie zeigen: Franco ist schon verdammt gut und trägt die schwere Last der gesamten Geschichte auf seinen Schultern. Aber… und das darf man auch nicht vergessen (auch wenn ich es noch nicht einmal erwähnt habe): „11.22.63“ ist auch eine sehr rührende und dramatische Liebesgeschichte und mit Sarah Gadon ist ein passender Gegenpart zu Franco gefunden. Nun muss ich ja gestehen, dass ich Gadon ohnehin schon zauberhaft finde, aber wenn die Frau lächelt (gerade auch in dieser Serie) könnte ich einfach nur dahin schmelzen. Und die Chemie zwischen Franco und ihr stimmt einfach… so sehr, dass ich aus unerfindlichen Gründen am sehr dramatischen Ende (obwohl ich wusste, was mich erwartet), Rotz und Wasser geheult habe. Es war schön, es war traurig, es war gut!

„11.22.63“ ist das, was Kings Roman verdient hat. Die Mini-Serie macht in meinen Augen die Roman-Vorlage eben durch den Zusatz von Bill sehr viel besser, ist aber auch ein tolles „period piece“, in dem gekonnt Spannung aufgebaut wird, ohne die vielen verschiedenen Charaktere dabei zu vernachlässigen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (so kann und sollte man King verfilmen!)

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7 Kommentare leave one →
  1. 16. September 2016 08:48

    Wo kann man die Serie aktuell sehen? Ist die Blu-ray schon draußen oder läuft sie irgendwo prominent im Stream? Bin auch schon ganz heiß darauf 🙂

    • donpozuelo permalink*
      16. September 2016 08:56

      Die lief auf FOX. Aber schon vor einer kleinen Ewigkeit. Auf DVD soll sie angeblich ab November erhältlich sein… sagt zumindest amazon. Ob gerade einer der aktuellen Streaming-Anbieter die hat, kann ich nicht sagen.

  2. 16. September 2016 22:42

    Auf jeden Fall eine der top 5 Serien dieses Jahr.

  3. 20. November 2016 22:30

    Also ich habe sie heute zu Ende gesehen und muss Dir zustimmen: eine tolle Serie. Ich bin mir ja nie wirklich sicher, ob James Franco tatsächlich spielen kann, aber den etwas tolpatschigen Trottel bringt er immer. Er verkörpert hier so eine (meiner Meinung nach) typische King Figur und manchmal hätte ich ihm in den Hintern treten können :))
    Natürlich war für mich am spannendsten wie die Vision einer Welt mit JFK aussehen wird und ich fand das richtig gut so.

    • donpozuelo permalink*
      21. November 2016 07:12

      Ja. Ich fand die Vision am Ende auch ziemlich gut. Zumal sie ja ein wenig entschärft wurde und dadurch irgendwie ein wenig passender war. Im Buch beschreibt King es noch heftiger.

      Und ja, bei Franco frage ich mich das Gleiche wie du. Aber hier hat er das mal wieder wirklich gut gemacht.

Trackbacks

  1. DieRacheDerZeit – DasDingAufDerSchwelle

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