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Fahr oder stirb!

22. Mai 2013

Die gewöhnliche Startgeschwindigkeit für ein Flugzeug liegt bei 250 bis 300 Kilometer pro Stunde – je nach Gewicht und Größe. Die gewöhnliche Länge einer Startbahn beträgt etwa 4 Kilometer. Es gibt auch längere… aber selbst die längste Bahn hört dann so bei 12 Kilometer auf. Aber gewöhnlich ist langweilig. Gewöhnlich will kein Schwein sehen… vor allem nicht, wenn man ins Kino geht. Da muss alles sehr viel größer sein.

Hat sich auch Justin Lin gedacht und eine wirklich spektakuläre Flugzeug-Kaper-Szene in seinen neuesten „Fast and Furious“-Film eingebaut. Eine Szene mit viel Geschwindigkeit und einer verdammt, verdammt langen Startbahn für das Flugzeug. Wenn man man annimmt, dass all die kleinen netten Autos während dieser knapp 15 Minuten um die 150 Kilometer pro Stunde fahren, dann ist die Startbahn stolze 40 Kilometer lang – mehr oder weniger. Erstaunlich, nicht wahr?

Doch erstaunlich ist nicht etwa mein rudimentäres Physikwissen, sondern die Tatsache, dass ich während eines Actionfilms anfing nach der Logik zu fragen. Wenn das passiert, dann ist es eigentlich schon zu spät. Es ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass man mit diesem Action-Film nicht so ganz warm geworden ist… wenn sich das Hirn wieder einschaltet, stimmt was nicht.

Und so erging es mir dann leider auch mit dem neuesten „Fast and Furious“, dem mittlerweile sechsten Teil der Raser-Reihe. Nach ihrem großen Coup in Rio haben sich Dom (Vin Diesel) und seine Crew zur Ruhe gesetzt. Brian (Paul Walker) ist mittlerweile stolzer Papa, während die anderen der Gang ihren neuen Luxus in vollsten Zügen genießen. Doch dann taucht der gute Hobbs (Dwayne Johnson) wieder auf: Er hat ein Problem mit Owen Shaw (Luke Evans). Der Typ will mit seinem Team eine fiese Waffe bauen und braucht dafür nur etwas vom Militär. Dom und seine Crew sollen Hobbs helfen, Shaw dingfest zu machen. Als Köder dafür dient ein Foto von Doms totgeglaubter Freundin Letty (Michelle Rodriguez), die angeblich für Shaw arbeitet.

Auch wenn mein oben genanntes Beispiel mit dem Flugzeug vielleicht ein schlechtes Bild auf „Fast and Furious 6“ werfen könnte: Die Action ist super. Justin Lin versucht noch einmal sich selber zu übertreffen. Da gibt’s dann geile Verfolgungsjagden quer durch London, da wird ein Panzer zur Straßenwalze umfunktioniert und ja, es gibt da noch diese Nummer mit dem Flugzeug. Sieht alles super aus, aber hier und da sind mit Lin die Pferde durchgegangen – gerade bei der Sache mit dem Panzer. Da gibt’s so einen CGI-gesteuerte Sprung… naja, sagen wir mal: Der tut beim Hingucken echt weh. Fast ein wenig schade, wenn man überlegt, wie geil die ganzen handgemachten Stunts im fünften Teil noch aussahen.

Aber gut, das ist jetzt Meckern auf hohem Niveau. Als Action- und Stunt-Film kann sich „Fast 6“ absolut sehen lassen. Und einen echten Leckerbissen hat Lin dann noch im Ärmel. Wenn sich jemals zwei Frauen wirklich prügeln sollten, dann hätte man wohl niemand besseren finden können als „Haywire“-Kampfamazone Gina Carano und „Machete“-Biatch Michelle Rodriguez. NICE!!! Da erkennt man, dass Carano wirklich was vom Kämpfen und Lin wirklich was von guter Stunt-Umsetzung versteht. Seit langem habe ich keinen so guten Fight mehr gesehen. Da kann selbst „The Rock“ mit seiner Wrestling-Fleischberg-Einlage einpacken.

Woher aber bekommt dann mein Gehirn die dumme Idee, sich während dieser wirklich grandiosen Knall-Bumm-Action einfach wieder einzuschalten? Es könnte möglicherweise daran liegen, dass mein leichter Kritikpunkt am fünften Teil nun zu einer mittelschweren Katastrophe geworden ist. Die leichten „Ocean’s Eleven“-Anklänge werden im sechsten Teil zu einem wirklichen Problem. Ähnlich wie in „Ocean’s Twelve“ wirkt das alles nicht mehr rund. „Fast 6“ wirkt wie eine doofe Highschool-Reunion, in der sich die coolen Kids nach langer Zeit wieder treffen und doofe Sprüche klopfen, um sich gegenseitig zu zeigen, wie cool sie immer noch sind. Sorry, aber für mich passt das alles nicht so ganz zusammen. Dazu kommt dann alle fünf Minuten noch ein Mafiosi-Spruch aus „Der Pate“: Frei nach dem Motto: „Die Familie hält zusammen!“

Es ist zwar ein netter Versuch, alle vorherigen Filme noch stärker mit einander zu verbinden, aber ganz ehrlich: So was will ich nicht in dem Ausmaß in einem „Fast and Furious“-Film sehen… außer Steven Soderbergh inszeniert ihn.

Naja… Scheiß-Hirn. Sollte man wirklich stärker unter Verschluss halten. „Fast and Furios 6“ sieht wirklich nicht schlecht aus, Carano und Evans waren ein netter Zuwachs zur Gruppe… nur langsam wird mir die Reihe zu sehr zu einem „Familienfilm“. Da darf man wohl gespannt sein, was uns im siebten Teil erwartet (vor allem wenn man bedenkt, wer uns da nach dem Abspann einen kurzen Blick in die Zukunft gewährt).

Alles in allem lässt mich „Fast 6“ mit gemischten Gefühlen zurück… insgesamt würde ich ihn dann aber doch etwas schwächer als „Fast 5“ einschätzen. Irgendwie waren sich alle ein bisschen zu sicher… trotzdem: Die Action kann sich sehen lassen – und den Fight Carano-Rodriguez könnte ich mir in der Wiederholung gern noch einmal anschauen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein wenig abgehoben, ein wenig zu over-the-top… dennoch irgendwie immer noch ziemlich cool)

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7 Kommentare leave one →
  1. 29. Mai 2013 00:57

    Ich bin ein ganz großer Fan der Reihe mit Ausnahme von Teil 3. Deshalb gehen unsere Meinungen diesmal wohl etwas auseinander. Aber ich kann dir hier nur zustimmen. Steht im Endeffekt bei mir genauso, nur dass ich dann keine 7 Punkte mehr rauskitzeln konnte. Mehr als Mittelmaß ist der Film für mich nicht und somit bisher die Enttäuschung des Jahres. Ich hatte einfach zuviel erwartet.

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2013 09:08

      Teil 3? Echt? Ich fand ja Teil 2 am schlimmsten. Und ich habe die ja fast alle am Stück hintereinander geguckt 😉 Enttäuschend war der Film für mich in der Hinsicht, dass es wirklich alles zu abgehoben war. Die Flugzeug-Nummer, der Autobahn-Sprung und die Story… das war alles nicht so richtig rund. Da kann man wirklich nur hoffen, dass sie im nächsten Teil wieder etwas mehr auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

      • 29. Mai 2013 09:39

        Teil 3 war unmöglich. Der neue Hauptdarsteller hatte die Ausstrahlung eines Atomunfalls. Nicht anzusehen das ganze…

        Schade, dass unsere Meinungen hier etwas auseinander gehen, aber das ist auch völlig in Ordnung, da man die Filme entweder mag oder nicht – hier gehen die Meinungen grundsätzlich sehr auseinander. Ich bin eben sozusagen mit Fast & Furious groß geworden, habe bereits den ersten im Kino gesehen. Zu einer Zeit, zu der ich selbst noch auf Autotuning stand. Von daher… 😉

        • donpozuelo permalink*
          29. Mai 2013 11:16

          Beim Hauptdarsteller des dritten Teils gebe ich dir vollkommen Recht. Der ging überhaupt nicht… vor allem sieht der Typ in dem Film jetzt auch nicht unbedingt wie ein glaubwürdiger Fast-18-Jähriger aus. Ansonsten fand ich aber schon gut, dass Justin Lin da gerade bei den Rennen ordentlich was draufgepackt hat und das echt ziemlich cool ausgesehen hat.

          Was die Reihe an sich angeht, bin ich eigentlich wirklich erst mit dem fünften Teil draufgekommen. Ich kannte den ersten und hatte dann den fünften gesehen, als er im Kino lief. Da fand ich das wieder richtig gut. Die ganzen Teile dazwischen habe ich wirklich erst jetzt vor kurzem gesehen.

Trackbacks

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