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TWB XX: Diamanten-Fresse

24. Mai 2013

Nicht jeder Geburtstag ist das absolute Highlight. Doch gerade runde Jubiläen sollte man gebürtig feiern. So richtig die Sau raus lassen und alle damit beeindrucken, dass das Alter einen nicht unterkriegen kann. Da darf man auch mal ordentlich auf die Kacke hauen! Das dachte man sich auch bei Bond nicht lumpen lassen – vor allem wenn man 2002 gleich ein doppeltes rundes Jubiläum feiern konnte. Zum einen waren da schon 40 Jahre seit dem ersten Bond-Film „Dr. No“ vergangen, zum anderen ist „Stirb an einem anderen Tag“ der bereits 20. Bond-Film. Da zeigte man sich äußerst spendabel und produzierte mit knapp 140 Millionen Dollar nicht nur den teuersten Bond-Streifen aller Zeiten, sondern auch einen der unnützesten.

„Stirb an einem anderen Tag“ beginnt mit einem Desaster: Bond (Pierce Brosnan) wird in Nordkorea gefangengenommen, nachdem er Colonel Moon getötet hat. Über Monate wird der arme James gefoltert und gequält, bis man ihn schließlich gegen Moons rechte Hand Zao (Rick Yune) austauscht. Der hat dank Bond nicht nur schicke Diamanten durch eine Explosion in die Haut gebrannt bekommen, sondern hat auch fleißig Agenten ermordet. Beschuldigt wird Bond, den der Anruf über die verdeckten Agenten kam aus Bonds Gefängnis. Natürlich will der Gute sich reinwaschen und stellt Nachforschungen an: Die führen ihn zum Millionär und Diamantenhändler Gustav Graves (Toby Stephens), hinter dem auch die foxy Agentin Jinx (Halle Berry) her ist. Worauf Bond allerdings nicht vorbereitet ist: Graves hat ein überraschendes Geheimnis.

Für einen Jubiläums-Bond ist „Stirb an einem anderen Tag“ ziemlich miserabel geworden. Das fängt bereits bei dem wirklich gruseligen Madonna-Titelsong an und geht dahin, dass ständig und ziemlich verzweifelt versucht wird, Bond-Zitate auf möglichst subtile Art und Weise in den Film mit einzubauen. Am meisten davon bekommen wir in Qs Abteilung, wo wir auf „Little Nellie“ stoßen oder den Jetpack-Rucksack. John Cleese darf dann noch einen doofen Spruch über die zwanzigste Uhr machen, die er dann doch gerne wiederhätte. Anschließend versucht sich Halle Berry verzweifelt daran, wie Ursula Andress in „Dr. No“ aus dem Meer zu kommen. Doch auch wenn Berry die größeren „Vorzüge“ hat, sah das bei Andress um Welten besser aus. Einzig und allein bei dem durchgeknallten Gustav Graves mag man sich vielleicht ein kleines bisschen an all die verrückten Schurken früherer Bond-Filme erinnert fühlen, die mit ähnlich absurden Plänen die Weltherrschaft erlangen wollten. Somit ist Toby Stephens meiner Meinung nach auch der Einzige, den man hier ein bisschen loben kann… sein Graves ist so abgehoben, schrill und merkwürdig, das er wirklich ein würdiger Gegner für den Jubiläums-James ist.

Doch das war’s dann eigentlich auch schon. Abgesehen von den Filmverweisen reiht Regisseur Lee Tamahori eine Action-Szene an die nächste. Einige Sachen davon sind sogar gar nicht mal schlecht, doch leider bleiben die absurden Sachen in Erinnerung – wie zum Beispiel die Flucht übers Eis vor einem Energie-Strahl aus dem All, was anschließend zur einer hässlich computergenerierten Kite-Surf-Aktion führt, die leichte Übelkeit erzeugt. Weil sie so furchtbar hässlich ist. Nein, nein, nein… „Stirb an einem anderen Tag“ wirkt seelen- und lieblos zusammengestellt. Für ein Jubiläum extrem schwach, kümmert man sich hier doch eher um die Action als um eine halbwegs ansprechende Story.

Jetzt können die Nörgler natürlich wieder kommen und sagen, dass das genau das ist, was Bond doch eh ausmacht, aber wenn dem so wäre, dann hätte man es wohl nie auf zwanzig Filme gebracht. „Stirb an einem anderen Tag“ hat neben allem auch irgendwie damit zu kämpfen, dass Pierce Brosnan scheinbar darunter zu leiden hat, dass dies sein letzter Auftritt als Agent Ihrer Majestät ist. Ich kann’s nicht genau sagen, aber Brosnan überzeugt mich hier überhaupt nicht – weder als wild fuchtelnder Schwertkämpfer noch als Kite-Surfer oder als Doppel-Null-Agent. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass die sonstigen Darsteller jetzt keinen erwähnenswerten Auftritt abliefern.

Somit bleibt „Stirb an einem anderen Tag“ ein unwürdiges Geburtstagsgeschenk für James Bond. Naja, ich find’s fast auch ein bisschen schade für Pierce Brosnan, der, obwohl er viermal 007 sein durfte, nur einen wirklich guten Agentenfilm vorzuweisen hat. Ciao, Pierce… und hallo Craig! (Aber der kommt ja erst nächste Woche.)

Wertung: 3 von 10 Punkten (es fängt schon mit einem furchtbaren Song an und wird leider nicht besser)

2 Kommentare leave one →
  1. 24. Mai 2013 11:01

    Und dem Vorgänger hast du vier Punkte gegeben – ich finde ja, dieser hier müsste um die Relation zu wahren dann höchstens 1/10 bekommen.
    Aber sag nicht, wir hätten dich letzte Woche nicht gewarnt 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. Mai 2013 20:27

      Naja… irgendwie waren die sich beide ähnlich im Grad ihrer Schlechtigkeit… nur wird’s hier noch einmal durch ein paar schlechte Effekte getoppt. Obwohl du Recht hast, denn allein schon wegen dem versauten Jubiläumsfilm hätte man noch Abzüge geben müssen. Mea culpa!

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