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Zähme die Widerspenstige!

17. August 2018

Ich kenne nicht viele 90er Jahre Teenie-Komödien. Ich bin ein Kind der 80er und war in den 90ern viel zu cool, um mir solche Liebesschnulzen anzuschauen. Kann man doch ein wenig nachvollziehen, oder nicht? Dementsprechend muss ich erst über 30 werden, um ein paar Juwelen der 90er nachzuholen. Besser spät als nie, heißt es doch so schön. In diesem Sinne (und weil Netflix aus seinen mysteriösen Quellen herausgefunden hat, dass ich der ein oder anderen RomCom nicht abgeneigt gegenüberstehe) habe ich mir jetzt einen Film vorgenommen, von dem ich viel Gutes gehört hatte: „10 Things I Hate About You“ (oder halt: „10 Dinge, die ich an dir hasse“ – früher waren das noch gute Zeiten, als man die Titel einfach mal ordentlich ins Deutsche übernommen hat).

Basierend auf Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ entführt uns Regisseur Gil Junger an die Padua High School, wo sich Neuankömmling Cameron (Joseph Gordon-Levitt) Hals über Kopf in die hübsche Bianca (Larisa Oleynik) verliebt. Doch da gibt es ein Problem: Den strengen Regeln ihres Vaters zufolge darf Bianca nur ein Date haben, wenn ihr widerspenstige, rebellische Schwester Kat (Julia Stiles) auch eines hat. Cameron schmiedet zusammen mit seinem Kumpel Michael (David Krumholtz) einen Plan: Sie bringen den reichen Schnösel Joey (Andrew Keegan), der auch an Bianca interessiert ist, dazu, ein Date für Kat zu organisieren… und schlagen den nicht weniger widerspenstigen Patrick (Heath Ledger) vor. Und so nimmt Spiel um die Liebe seinen Lauf.

Um das Ganze hier mal ein wenig aufzulockern – so wie es Junger mit dem alten Shakespeare macht – wird das hier keine gewöhnliche Rezension. Stattdessen gibt es jetzt von mir 10 Dinge, die ich an „10 Dinge, die ich an dir hasse“ liebe (und ja, wir können schon von Liebe sprechen, denn es ist ein grandios guter Film)!

Schande! (über mein Haupt, das ich diesen Film erst so spät geguckt habe)

Ding Nummer 1: Heath Ledger – Ich kenne ihn ja eigentlich so richtig nur als Joker (und vielleicht noch als Ritter aus Leidenschaft und möglicherweise auch noch als Sohn von Mel Gibson im Unabhängigkeitskrieg und wahrscheinlich noch als Dr. Parnassus – und okay, auch noch als Cowboy), aber das war’s dann eigentlich auch schon. Den jungen Ledger bringt mir jetzt also „10 Dinge…“ näher und er ist großartig. Er ist ein charmanter Rebell, der den Frosch im Biounterricht mit seinem Butterfly-Messer aufspießt und sich einen Scheiß darum schert, was andere von ihm denken. Er ist ein sympathischer Außenseiter, der aber trotz allem auch offen für Camerons verrückten Plan ist. Er verwandelt sich im Laufe des Films mehr und mehr und das ist super!

Ding Nummer 2: Julia Stiles – Sie spielt eigentlich eine ähnliche Rolle wie Ledger – so dass eigentlich von vornherein klar ist, dass hier nicht allzu große Gegensätze aufeinander treffen. Dennoch ist Stiles‘ Kat ein bisschen aufmüpfiger als Ledgers Patrick. Sie ist dabei aber ebenso sympathisch. Zusammen mit Ledger passen die beiden eigentlich perfekt in die beiden Hauptrollen! Hut ab vorm Casting-Regisseur!

Ding Nummer 3: Der alte Barde – Shakespeare funktioniert auch an einer High School in den 90er Jahren. Das ist schon ziemlich beeindruckend. Dabei verzichtet der Film zwar auf die geschwollene Sprache, lässt aber die Ränkespiele, die Liebschaften und die Schwierigkeiten dieser komplizierten Idee schön zur Geltung kommen. „10 Dinge…“ bleibt spannend, auch wenn man weiß, wie es endet, aber es ist ein perfektes Theaterstück a la Shakespeare, der sich als außerordentlich modern beweist und sich bestens als Teenie-Komödie eignet.

Ding Nummer 4: Das clevere Skript – Das geht jetzt ein wenig Hand in Hand mit Ding Nummer 3, aber es ist trotzdem erwähnenswert. Immerhin schafft es dieser Film das Ganze super in die Neuzeit umzusetzen, dabei eine RomCom abzuliefern, die nicht zu kitschig, aber auch nicht zu steril oder dumm wirkt. Man fiebert schon mit den Charakteren mit, leidet und freut sich mit ihnen. Für eine Teenie-Komödie ist dieser Film schon verdammt gut geschrieben.

Ding Nummer 5: Die restliche Besetzung – Ledger und Stiles stehen zwar an der Spitze, aber der restliche Cast liefert die richtige Unterstützung für die Beiden. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist „10 Dinge…“ toll besetzt, ob nun Joseph Gordon-Levitt, Allison Janney als Vertrauenslehrerin mit Ambitionen zur Erotikschriftstellerin und und und… alle sind einfach nur super!

Ding Nummer 6: Der Soundtrack – Kein 90er Jahre Teenie-Film ohne 90er Jahre Party-Rock. Aber es passt wunderbar!

Ding Nummer 7: Ledgers Gesangstalent – Die Szene, in der Ledger „Can’t Take My Eyes Off Of You“ von Franky Valli im Schulstadion singt, kannte ich schon, aber sie so im Film zu sehen, ist einfach noch mal viel besser. Das passt und ist eine wunderschön kitschige Geste von einem Typen, dem man so etwas fast nicht zugetraut hätte!

Ding Nummer 8: Das Gedicht – Am Ende liefert Kat ein Herz zerreißendes Gedicht (basierend auf Shakespeares Sonnet 141) darüber ab, wie sehr sie Patrick hasst, aber auch liebt. Und Herz zerreißend trifft es hier ziemlich gut. Die Szene spielt sie einfach super – und das Ganze hat mich dann auch an einen meiner Lieblingsfilme erinnert: Rob Reiners „The Sure Thing“ endet mit einer ähnlichen Note, nur nicht ganz so dramatisch.

Ding Nummer 9: Der Abspann – okay, okay, langsam komme ich ins Rudern, aber ja, ich mag diese Blooper-Abspänne, in denen die Patzer vom Set noch einmal gezeigt werden. Macht so einen Film gleich noch einmal ein wenig sympathischer!

Ding Nummer 10: Wiederholungsgefahr – Jetzt rudere ich nur noch, aber auch das ist etwas, das ich diesem Film am Ende hoch anrechnen muss. Es gibt nicht viele Filme, die ich mir gerne direkt noch einmal anschauen würde. „10 Dinge…“ gehört jetzt auf jeden Fall dazu, das ist einfach ein schöner Feel-Good-Film – man weiß, was man bekommt und ist einfach nur glücklich damit.

Wertung: 10 von 10 Punkten (Shakespeare geht eben auch an der High School sehr gut)

9 Kommentare leave one →
  1. 18. August 2018 10:15

    Den mag ich auch, obwohl ich seiner Zeit beim ersten Sehen irritiert war, warum man mit Heath Ledger und JGL zwei Leute castet, die quasi identisch aussehen.

  2. 1. September 2018 21:33

    Psssst, nicht weitersagen, aber auch ich mag den Film. 😉

    • donpozuelo permalink*
      1. September 2018 22:03

      Ich werde schweigen wie ein Grab… aber es ist immer schön Gleichgesinnte zu treffen 😀

      • 1. September 2018 22:16

        Der Film wird glaub ich auch von vielen nicht so RomCom-affinen Menschen gern geguckt. Weil hier halt so ziemlich alles stimmt. Sympathische Figuren, eine runde Story und die von dir bereits erwähnte passende musikalische Begleitung.

        • donpozuelo permalink*
          1. September 2018 22:40

          Es ist auch nicht so krass RomCom-ig, wie manch andere 😉

        • 1. September 2018 22:57

          Das hilft fürs Mögen natürlich. 😉

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