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Filmreise Etappe #61: Capulets gegen Montagues

18. Dezember 2020

Was Shakespeare angeht, kann man sich vor Verfilmungen seiner Stücke ja kaum retten. Jede Komödie und Tragödie wurde in der einen oder anderen Form schon verfilmt. Ich mochte die 2015er Verfilmung von „Macbeth“ mit Michael Fassbender, liebe aber mehr die Kurosawa-Samurai-Version dazu: „Das Schloss im Spinnwebwald“. Von „Hamlet“, mein persönliches Lieblingsstück vom Meisterbarden kann ich nur wärmstens die Ethan Hawke Variante empfehlen. Die „Ich drehe mit meinen Freunden am Wochenende zuhause mal Shakespeare“-Adaption zu „Viel Lärm um Nichts“ von Joss Whedon ist auch sehr gelungen… und „10 Things I Hate About You“ nach „Der Widerspenstigen Zähmung“ liebe ich sowieso. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele hundert Filme Shakespeare inspiriert hat. Doch es gibt ein Werk, das ich bislang immer sehr stiefmütterlich behandelt habe und das ich deswegen für dieses Etappen-Ziel der Shakespeare-Verfilmung ausgewählt habe: „Romeo und Julia“. Und weil es dazu auch noch einer der Filme von Baz Luhrmann ist, der mir in meiner Filmografie noch fehlt, habe ich seine Version von 1996 ausgewählt (womit Luhrmann dann nach „Moulin Rouge“ schon zum zweiten Mal meinen Reiseweg kreuzt).

Die Story dürfte ja recht klar sein: Die Montagues hassen die Capulets und umgekehrt. Die Stadt Verona leidet unter diesem Konflikt… und ein Ende des Hasses ist nicht in Sicht. In diesem Chaos trifft der junge Montague, Romeo (Leonardo DiCaprio) auf die schöne Capulet, Julia (Clarie Danes). Die Beiden verlieben sich unsterblich, schwören sich ewige Treue und heiraten heimlich – um dem Hass der Familien zu entkommen und ihre Liebe dennoch vor Gott rechtfertigen zu können. Doch dann wird alles nur noch schlimmer: Julias Vetter Tybalt (John Leguizamo) „erdolcht“ Romeos besten Freund Mercutio (Harold Perrineau Jr.), woraufhin Romeo Tybalt tötet… und die große Liebe ist in Gefahr.

Ich glaube, wie das Ganze ausgeht, kennt jeder auf die ein oder andere Art und Weise. „Romeo und Julia“ ist nun mal eines der berühmtesten Stücke von Shakespeare. Ich fand’s immer nur nett, doll gereizt hat es mich nie. Da stehe ich doch eher auf andere Sachen des englischen Barden. Deswegen habe ich mich auch lange vor irgendeiner Verfilmung gedrückt. Aber Baz Luhrmann erschien mir dann doch die richtige Wahl für die EINE „Romeo und Julia“-Verfilmung, die ich mir angucken würde.

Luhrmann verlagert das Szenario in die Gegenwart. Aus den verfeindeten Familien werden Mafia-artige Klane. Aus Schwertern werden Pistolen und Gewehre, die dann aber witzigerweise alle „Dagger“ oder „Sword“ heißen, um die Original-Sprache von Shakespeare beizubehalten. Das ist dann vielleicht auch das, was anfangs am gewöhnungsbedürftigsten ist: Das alte Shakespeare’sche Gerede verbunden mit dem MTV-Stempel, den Luhrmann seinem Film aufdrückt. Ich kann nicht sagen, was mich zu Beginn des Films mehr irritiert hat.

Allein diese Anfangsszene an der Tankstelle, wo sich Schergen von Capulets und Montagues das erste Mal treffen, ist ein wahrer Fiebertraum aus ruckeligen Kamera-Schwenks, irren Zooms, schnellen Schnitten, dem lauten Geschrei der Darsteller, dem dröhnenden Soundtrack, den grellen Farben der Kostüme und dann dazu das Alt-Englische. Ein krasser Einstieg, der aber direkt deutlich macht, dass Luhrmann Moderne und Klassik verbinden will… und wenn man dieses Stakkato an Bildern und Geräuschen erstmal verarbeitet hat, kann man den Film auch sehr genießen.

Gerade diese wilde Art von Luhrmanns Kamera und seinen Schnitten entstaubt das Stück und bringt es für uns coole ADHS-Kids gekonnt herüber. Die Kostüme sind so extravagant, wie man es von einem Luhrmann erwartet, die Sets sind unglaublich toll (besonders mochte ich diese alte Theater-Ruine am Strand – schöner Verweis auf die Tatsache, dass man sich gerade ein Theaterstück anschaut).

Dazu kommt ein Cast, der bestens ausgewählt wurde. Claire Danes und Leonardo DiCaprio geben einfach ein verdammt süßes Pärchen ab. „LOST“-Star Harold Perrineau Jr. ist als Mercutio ein echtes Highlight und John Leguizamo bringt den gewissen Flair in den Konflikt.

Luhrmanns „Romeo + Juliet“ ist ein Feuerwerk, ein wilder Rausch, ein verrückter Trip, der die schon allen bekannte Story um Liebe und Hass auf die vielleicht beste Art und Weise in die Moderne transferiert. Man ist so in dieses Liebeschaos involviert, dass man direkt dabei vergisst, das man eigentlich schon weiß, wie das Ganze endet… und dann trifft es einen am Ende umso härter. Ich bin hellauf von diesem Film begeistert, der wunderbar zu Shakespeare passt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (tolle Neuentdeckung für mich, grandiose Verfilmung von Shakespeare)

4 Kommentare leave one →
  1. 18. Dezember 2020 07:28

    Den mag ich auch sehr. Schön, dass du ihn noch für dich entdeckt hast! Damals war es noch ziemlich uncool den gut zu finden, aber das war mir egal (ich Rebell 😂). Gerade auch der Soundtrack ist großartig. Wirklich, ein toller Film.

    • donpozuelo permalink*
      18. Dezember 2020 08:51

      Du Rebell, krasser Typ. Bullion gegen den Rest der Welt 💪😎👍

      Ich gestehe, ich musste mich ein wenig an den Film gewöhnen. Der ist halt wirklich sehr schnell, sehr schrill, sehr bunt… aber so nach 10 Minuten war ich dann soweit, darin zu versinken. Das ist echt so ein bisschen wie Shakespeare auf Drogen 😅

  2. 19. Dezember 2020 23:16

    Der Film war toll ❤

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