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In Memory of Heath Ledger

10. Januar 2010

So steht es am Ende von „Das Kabinett des Dr. Parnassus“, in dem Heath Ledger in seiner letzten Rolle zu sehen ist. Aber – und das gleich vorweg – es wird nicht die Rolle des Tony sein, durch die Ledger in Erinnerung bleiben wird (das bleibt eher seinem Joker in „The Dark Knight“ vorbehalten). Dennoch ist der Hype um Terry Gilliams neuesten Film groß – zu „verdanken“ ist das nun einmal dem Tod des Hauptdarstellers.

Aber was ist dran am neuen Gilliam-Film?

Der unsterbliche Dr. Parnassus (Christopher Plummer) hat einen dummen Deal mit dem Teufel (Tom Waits) gemacht: dieser bekommt Parnassus‘ Tochter Valentina (Lily Cole), wenn diese 16 wird. Um das doch noch zu verhindern, geht Parnassus einen Deal ein: er muss dem Teufel fünf andere Seelen besorgen, um die seiner Tochter freizukaufen. Gelingen könnte ihm das mit der Hilfe von Tony (Ledger).

„Das Kabinett des Dr. Parnassus“ ist ein wahrer Terry Gilliam-Film. Ein wunderbarer Trip in die Fantasiewelt eines Regie-Asses. Man bekommt hier, was man erwartet: eine Fantasy-Geschichte mit gut aufgelegten Schauspielern. Gilliam gelingt ein Dreifach-Drahtseilakt: der Film spielt hauptsächlich in der Gegenwart – hier lernen wir das Kabinett kennen, das so ganz und gar nicht in die heutige Zeit passt (zum Glück ändert Tony das auf sehr amüsante Art und Weise). In einigen Rückblenden werden wir aber auch über die Vergangenheit des Dr. Parnassus aufgeklärt. Am schönsten ist es aber in der Welt hinter dem Zauberspiegel des Doktors – die gibt nämlich die Wünsche desjenigen wieder, der sich ihn ihr befindet. Klar merkt man der Fantasiewelt hinter dem Spiegel an, dass sie am Computer entstanden ist. Aber das stört nicht, denn die Gedanken der Person, die durch den Spiegel gegangen ist, offenbaren sich auf recht amüsante Art und Weise (wie ein Kind, das aus Versehen mit seinem Nintendo DS da rein gelangt, beweist oder eine High Society-Tante). Gleichzeitig bietet diese magische Welt aber auch immer den Schauplatz für den Kampf um die Seelen – man muss sich immer entscheiden: Dr. Parnassus oder der Teufel. Es ist aber genau dieser Mix aus Realität und Fantasie, der die unheimliche Sogwirkung des Films ausmacht. Mit Spannung habe ich immer wieder auf den oder die nächste gewartet, die den Spiegel betritt, um zu sehen, wie die Fantasien und Gedanken aussehen.

Mit der Welt hinter dem Spiegel des Dr. Parnassus bot sich Gilliam auch eine Möglichkeit, den Tod seines Hauptdarstellers zu kaschieren. Jedes Mal, wenn Tony (Ledger) in den Spiegel tritt, taucht auf der anderen Seite ein anderer Tony auf. Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell ersetzen Ledger in der Fantasiewelt und geben damit dem Film, was ihm gefehlt hat. So fies und makaber wie das jetzt klingen mag, aber für den Film hatte der Tod Ledgers etwas „Gutes“. Nie wäre sonst die Idee entstanden, drei verschiedene Tonys auftauchen zu lassen. Begründet liegt das in der Geschichte der Figur Tony selbst. Ihn umgibt das Mysterium, dass man nicht weiß, wie seine Vergangenheit wirklich aussieht: als die Truppe um Dr. Parnassus ihn findet, hat er sein Gedächtnis verloren. Nur mit kleinen Hinweisen aus Zeitungen werden ein paar Sachen aus Tonys Vergangenheit angedeutet. Dass jetzt in der Fantasie-Welt verschiedene Tonys auftauchen, unterstreicht jetzt noch mehr, dass er mehr ist als er vorzugeben scheint. Ein genialer Coup, der leider nur durch den tragischen Tod von Ledger gelingen konnte.

Das letzte Mal Heath Ledger

Mit seinem „Dr. Parnassus“ kehrt Gilliam nach „Brothers Grimm“ und Co. wieder dahin zurück, wo wir ihn gerne sehen: in verrückten Welten voll schräger Vögel, schräger Gags und schrägen Einfällen. Es ist der alte Gilliam, der hier wieder zum Vorschein kommt – der wunderbar Geschichten erzählt, die furchtbar abstrus und dennoch extrem spannend sind. Man möchte nach diesem Film auf die Straße laufen und selbst das Kabinett aufsuchen. Dieser Film wird Gilliam erstmals wieder zu guten Box-Office-Ergebnissen verhelfen – was er auch nur wieder seinem Hauptdarsteller zu „verdanken“ hat. Allerdings ist die Rolle des Tony nicht unbedingt Heath Ledgers stärkste Rolle – vielleicht liegt das aber auch daran, dass sein Part in der Fantasie-Welt komplett gestrichen wurde. So darf man keine zweite Joker-Performance erwarten – denn das wird wohl die Rolle bleiben, die Ledger wirklich unsterblich macht.

Zugegeben, das Ende von „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ wird für gefühlte 2 Sekunden etwas verwirrend. Ist aber nicht weiter schlimm, denn das gibt sich schnell wieder.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein toller Gilliam und ein letztes Mal Heath Ledger – durchaus sehenswert)

6 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2010 17:42

    Klingt schon mal sehr gut. Werde ihn mir auf jeden Fall auch ansehen. 🙂
    Aber dass Ledger seine Joker-Performance schlagen würde, fand ich sowieso sehr sehr unwahrscheinlich, hat er die Messlatte doch sehr hoch gelegt.

    Dass allerdings das ehemalige Monty-Python-Mitglied endlich wieder zu seinem starken Witz und Talent fürs Filmemachen zurückgefunden hat, finde ich toll. 😀

    • donpozuelo permalink*
      15. Januar 2010 07:05

      Also zu Gilliam: zu seinem Talent zum Filmemachen hat er wieder gefunden. Die starken Witze fehlen noch. Das liegt aber hier daran, dass sich bei „Dr. Parnassus“ nicht immer starke Witze anbieten, sondern hier und da auch ein ernster Ton angeschlagen werden muss. Aber vor allem die Truppe um Dr. Parnassus und die Szenen in der Fantasiewelt sind schon ein Zeichen dafür, dass Gilliam auch seine witzige Seite nicht vergessen hat.

      • 27. Januar 2011 10:15

        Habe den gestern nun endlich gesehen und fand ihn toll. Der Humor, Ledgers Rolle, die Traumwelt, alles passte irgenwie zusammen. Sicher nicht der beste Film, den ich in letzter Zeit gesehen habe, aber bei der Szene mit den Polizisten fühlte ich mich extrem an die Python-Songs erinnert und bin vor Lachen fast vom Stuhl gefallen. Die Wertung kann ich voll und ganz unterstreichen. 😀

        • donpozuelo permalink*
          27. Januar 2011 10:21

          😀 Freut mich. Ich fand ja tatsächlich diese Traumwelt-Geschichten am besten und dass es im Endeffekt immer andere Leute – quasi andere Ichs – sind, die dort auftauchen.

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