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Pixars Dungeons and Dragons

25. Januar 2021

In meinem Jahresrückblick 2020 musste ich mit einigem Schrecken feststellen, dass ich nicht einen einzigen neuen Animationsfilm geguckt hatte. Ein Frevel, wenn ich bedenke, wie sehr ich Animationsfilme liebe. Deswegen musste ich direkt mal ein paar Sachen nachholen. Zum einen den ersten Pixar-Film von 2020, der mir aber nie so richtig zugesagt hatte: „Onward: Keine halben Sachen“. Ich gestehe, dass ich den Trailer nie so sonderlich witzig fand und die Story um zwei Elfenbrüder auch nicht so ganz greifen konnte. Selbst ein Tom Holland und ein Chris Pratt in den Hauptrollen wollten mich nicht so zu diesem Film ziehen. Doch jetzt, wo ich den Film endlich nachgeholt habe, stelle ich für mich einfach eine neue Regel auf: Egal, wie uninteressant der Trailer oder die Story erscheinen mag, gib einem Pixar-Film einfach eine Chance! Denn zu meiner großen Überraschung hatte ich so unglaublich viel Spaß mit „Onward“.

In der Welt von „Onward“ lebten Fantasy-Wesen einst im Einklang mit der Magie. Doch der technische Fortschritt verdrängte die wahre Magie und mittlerweile ist diese Welt wie unsere Welt geworden. Mit dem Unterschied, dass hier Fabelwesen unterwegs sind (und verwahrlosten Einhörner den Müll durchwühlen). Hier lernen wir die Brüder Ian (Tom Holland) und Barley Lightfoot (Chris Pratt) kennen. Deren Vater starb schon früh. Ian selbst lernte ihn nie kennen. Als er aber 16 Jahre alt wird, bekommt er einen Zauberstab und einen Zauberspruch geschenkt: Dadurch kann er seinen Vater für einen Tag zurückholen. Leider geht der Spruch schief und vom Vater sind nur die Beine da. Gemeinsam mit seinem Bruder, der sich in den alten Legenden dank Rollenspielen sehr gut auskennt, macht sich Ian auf den Weg, um den Spruch zu vervollständigen und seinen Vater endlich einmal kennenzulernen.

Die Story von „Onward“ hat mich direkt zu Beginn sehr an den Netflix-Fail „Bright“ erinnert. Im Gegensatz zu David Ayer gelingt es Pixar-Regisseur Dan Scanlon aber viel, viel besser diese moderne Welt mit Fantasy-Wesen zu füllen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie gut Pixar in kurzen Montagen ganze Geschichten erzählen kann – sei es nun die traurige Geschichte von Carl und Ellie in „Oben“ oder eben wie Magie aus der Welt von „Onward“ verschwand. Es reichen wenige Minuten, um das alles gekonnt aufzubauen und greifbar zu machen. Die Welt von „Onward“ ist ein bisschen wie die von „Zootopia“ – es gibt viel zu entdecken und es gibt so viele winzige und witzige Details, die im Hintergrund dafür sorgen, dass man sich an all dem nicht sattsehen kann.

Das Ganze ist eine sympathische Coming-Of-Age-Story, die auch ein wenig an „Stand by me“ erinnert – garniert mit jeder Menge Abenteuer. Die beiden Brüder Lightfoot müssen einige Rätsel und Aufgaben lösen, bei denen jeder Rollenspieler – sei es Pen and Paper oder Videospiele – herrlich viel zu lachen haben wird. Chris Pratts Barley darf dabei den Vollnerd mimen, der als Spielleiter durch die einzelnen Aufgaben führt, während Tom Hollands Ian die klassische Heldenreise durchlaufen darf. Er muss seine Zweifel überwinden, um sein wahres Potenzial zu entdecken.

„Onward“ hatte für mich echt alles, was ich haben wollte: Die beiden Brüder sind ein witziges Duo, die Abenteuerreise ist abwechslungsreich und spannend inszeniert, der Humor ist herrlich schräg – selbst im großen Finale habe ich mich schlapp gelacht, als der große Big Bad plötzlich auftaucht.

Überrascht hat mich „Onward“ dann aber im emotionalen Finale. Ians Lehre aus seinem langen Weg zu seinem Vater, seine neu entdeckte Bindung zu seinem Bruder und was er daraus alles macht und was er am Ende seinem Bruder gibt, hat mich wirklich zu Tränen gerührt. Neben all der offensichtlichen Comedy und der Action schafft es „Onward“ dann am Ende auch mit der Gefühlskeule so richtig draufzuhauen. Toller Film, der mich unerwartet getroffen hat.

Wertung: 9 von 10 Punkten (herrlich schräges Fantasy-Abenteuer)

11 Kommentare leave one →
  1. 25. Januar 2021 07:44

    Freut mich sehr, dass dir der Film auch so gut gefallen hat! Beim Lesen deiner Besprechung habe ich schon wieder Lust auf den Film bekommen, obwohl meine Sichtung noch gar nicht lange zurückliegt.

    • donpozuelo permalink*
      25. Januar 2021 16:16

      Der Film ist echt super. Ich werde mir den definitiv auch bald mal wieder anschauen. Der hat echt Spaß gemacht

  2. 25. Januar 2021 11:31

    Hach, der Film versteht es Fantasy und Abenteuer ins Pixargewand zu packen. Dieses Spiel mit anderen Genres ist ja einmal grandios bei Pixar gescheitert (ich schau auf dich „Cars 2“).
    Alleine für das Kinoerlebnis wird mir der hier auf ewig präsent sein, allein im Kino konnte der bei mir auch die richtigen Knöpfe drücken.

    • donpozuelo permalink*
      25. Januar 2021 16:15

      Im Kino hätte ich den auch gerne gesehen… aber da war ich damals doch zu skeptisch. 😅

      Die Cars-Filme habe ich noch gar nicht gesehen…

      • 26. Januar 2021 21:29

        Der erste Cars ist Doc Hollywood in einer Autowelt. Der zweite will dann nen James Bond Plot zeigen und der dritte thematisiert dann Alterung mit Hilfe des Rennsports.

        • donpozuelo permalink*
          27. Januar 2021 07:37

          Aber sind die alle drei auch gut? Ich höre ja immer wieder, dass Cars so der Pixar Schandfleck ist

        • 27. Januar 2021 10:03

          Sind jetzt nicht die originellsten Filme, aber den ersten und den dritten mag ich

        • donpozuelo permalink*
          28. Januar 2021 09:10

          Klingt gut. Werde ich mir mal auf meine Watchlist packen. Muss demnächst erstmal Soul gucken

        • 28. Januar 2021 10:38

          Also im Vergleich zu den großen Pixarfilmen fallen auch die guten ab, sind aber eine gute Cash Cow für Pixar

  3. 2. Februar 2021 20:12

    Die Prämisse mochte ich nicht, „Fantasy in der Gegenwart“ war mir – speziell für Pixar-Verhältnisse – viel zu generisch. Aber ab der zweiten Hälfte blüht der Film echt auf. Und das Finale… Alter, war ich wieder den Tränen nah

    • donpozuelo permalink*
      3. Februar 2021 09:21

      Bei der Prämisse war ich anfangs auch eher skeptisch, fand’s dann aber echt schön umgesetzt… und ja, das Finale ist großartig

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