Skip to content

Die Leiche des Ray Brower

12. Oktober 2016

Stephen King ist schon ein unglaublich fleißiger Kerl. Was der Mann schon an Büchern rausgehauen hat und auch immer noch raushaut, ist einfach unglaublich. Bei seinem Pensum an Veröffentlichungen wundert es dann wohl auch niemanden, dass er nach wie vor zu Hollywoods meistverfilmtesten Autoren gehört… und selbst jetzt wird ja noch fleißig daran gearbeitet, dem Altmeister des Grauens mehr filmische Denkmäler zu setzen. Sein Clownhorror „Es“ steht in den Startlöchern, sein großer Fantasy-Epos „Der Dunkle Turm“ hat auch endlich seinen Weg vor die Kamera gefunden und selbst Serien wie „Stranger Things“ verneigen sich ehrwürdig vor dem König des Horrors. Und wo ich schon mal „Stranger Things“ erwähne, komme ich dann auch endlich zu einem alten King-Klassiker, auf den ich erst wieder durch die Serie gekommen bin: „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ von Rob Reiner.

Wir schreiben das Jahr 1959 und die Freunde Gordie (Wil Wheaton), Chris (River Phoenix), Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O’Connell) machen sich auf den Weg, um die Leiche des Jungen Ray Brower zu finden. Der wird seit mehreren Tagen vermisst und Vern hat zufällig herausgefunden, wo die Leiche liegen könnte. Also wird Proviant zusammengepackt und schon sind die vier Jungs auf dem Weg.

Man zeigt nicht mit dem nackten Finger auf Leichen…

„Stand By Me“ basiert auf der Novelle „Die Leiche“ aus der Novellensammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ – eine eher King-untypische Ansammlung von vier Geschichten, von denen eigentlich nur die letzte wirklich etwas Übernatürliches an sich hat. Nichtsdestotrotz ist „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ ein großartiger Fundus für extrem gute King-Verfilmungen gewesen. Da hätten wir die Frühlingsgeschichte, aus der „Die Verurteilten“ wurde – die, wie ich finde, immer noch beste King-Verfilmung aller Zeiten. Dann gibt’s da noch die Herbstgeschichte, aus der Bryan Singer gemeinsam mit Ian McKellen den unterschätzten „Der Musterschüler“ gemacht hat und dann hätten wir da halt die Sommer-Geschichte mit „Stand By Me“.

Jetzt muss ich zugeben, dass es verdammt, verdammt lange her ist, dass ich „Stand By Me“ wirklich das letzte Mal gesehen habe. Wahrscheinlich, wenn ich so halbwegs ehrlich sein müsste, sind es mindestens 15 Jahre. Und das erste, worüber ich nicht hinwegkam, ist die Tatsache, wer in diesem kleinen, aber feinen Film alles mitspielt. Ich kenne Wil Wheaton jetzt tatsächlich erst aus „The Big Bang Theory“, aber ihn hier zu sehen, war irgendwie niedlich – und ich hatte es gar nicht mehr in Erinnerung, dass er außer „Star Trek“ doch noch was „anderes“ gemacht hatte. Aber Wheaton ist toll, als das King’sche Pendant in diesem Film: der angehende Autor, der mit seinen Geschichten die Truppe bei Laune hält (auch wenn die Kotzgeschichte schon ein bisschen eklig ist, aber ich es gleichzeitig auch extrem cool finde, dass Reiner sich dafür entschieden hat, ihr einen kleinen Teil im Film zu geben – das ist ein merkwürdiger Bruch in der ganzen Geschichte, aber irgendwie ein Bruch, den man auch brauchte). River Phoenix ist der coole Anführer der Truppe (und ehrlich gesagt der Einzige, an den ich mich noch wirklich erinnern konnte). Besonders großartig fand und finde ich nach wie vor Corey Feldman als der leicht verrückte, Army besessene Teddy, der mit dieser übergroßen Brille ein bisschen an Michael Douglas als D-Fens in „Falling Down“ erinnert (wer weiß, vielleicht das Spin-Off zu Teddy? 😉 ). Wer für mich jedoch wirklich die größte Überraschung war: ein kleiner, dicker Jerry O’Connell. Jetzt braucht wohl jeder Film dieser Art, in denen kleine Kindergruppen unterwegs sind, einen kleinen, dicken (oder molligeren) Jungen, aber Jerry O’Connell… irgendwie kaum wiederzuerkennen und doch eindeutig der Mann, den ich noch aus „Sliders“ kenne.

Zusammen bieten die Vier eine herrlich durchmischte Truppe, denen Reiner genug Zeit einräumt, um sich in diesem Film zu etablieren. Natürlich stehen Gordie und Chris ein bisschen mehr im Vordergrund, aber die anderen kommen nicht zu kurz. So entsteht eine schöne Balance aus den Charakteren, die wunderbar mit einander agieren. Sie gehen hier durch dick und dünn, erleben aufregende Abenteuer, bezwingen „gefährliche“ Hunde und gehen auf der Suche nach dem Tod auf eine Entdeckungsreise zu sich selbst – naja, zumindest Gordie und Chris, aber das reicht ja schon aus, um für eine gute Coming-of-Age-Story zu sorgen. Die beiden stellen sich ihren Ängsten, ihren Sorgen für die Zukunft und ihrer Freundschaft.

„Stand By Me“ hat da wirklich alles, was man sich nur wünschen kann. Dazu gibt’s mit Kiefer Sutherland einen grimmigen Bösewicht, mit 60er Oldies einen coolen Soundtrack und mit Rob Reiner einen Regisseur, der einmal mehr sein Händchen für gute Geschichten, starke Charaktere und Gefühl beweist. „Stand By Me“ kann ich mir auch immer wieder gerne anschauen… zumindest solange noch, bis die zweite Staffel von „Stranger Things“ rauskommt.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein Klassiker des Coming-of-Age-Films und eine weitere tolle King-Verfilmung)

Advertisements
11 Kommentare leave one →
  1. 12. Oktober 2016 17:17

    Da kann ich nur zustimmen. So ein toller Film. Ganz viel Liebe: ❤ ❤ ❤

    • donpozuelo permalink*
      12. Oktober 2016 17:20

      Oh ja… aber wie gesagt, ich hatte den guten Wil Wheaton gar nicht mehr in Erinnerung.

      • 12. Oktober 2016 17:23

        Das ist ja sein Film gewesen. Er bloggt auch heute noch ganz gehe über den Dreh damals… 🙂

        • donpozuelo permalink*
          12. Oktober 2016 17:29

          Hahaha… ja, würde ich aber auch machen. Jetzt hat er ja nur noch Big Bang Theory.

  2. 15. Oktober 2016 16:38

    Oh ja – ein toller Film und eine tolle Sammlung an Kurzgeschichten. Ich erinnere mich noch wie überrascht ich war wie vielfältig die Geschichten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ waren. leider habe ich mein Exemplar verliehen und nie zurück bekommen.

    • donpozuelo permalink*
      16. Oktober 2016 09:27

      Da hast du Recht, mit der Sammlung hat King mich auch sehr überrascht. Das war so das erste Mal, dass ich Sachen von ihm in der Hand hatte, in denen es nicht wirklich um Horror ging… und trotzdem hat es mich unglaublich gefesselt. Vielleicht hat mich das dann auch ein bisschen mehr für die alten Bachman-Bücher sensibillisiert. „Amok“ und „Der lange Marsch“ gehören zu meinen King-Favoriten… und noch keiner davon wurde verfilmt. Obwohl das bei „Amok“ wahrscheinlich etwas schwer sein dürfte – gerade in Amerika und dann noch ein Film über einen Schul-Amokläufer

Trackbacks

  1. Kamera läuft! | Going To The Movies
  2. Das Boot im Baum | Going To The Movies
  3. Das Märchen von Amerika | Going To The Movies
  4. 11 und der verschwundene Junge | Going To The Movies
  5. REDRUM | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: