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Der Hundert-Männer-Mörder

27. Januar 2021

In meiner kurzen Manga-Phase habe ich viele Mangas gelesen… dabei waren aber doch drei Werke ausschlaggebend für meine Wahl: durch „Akira“ und „Neon Genesis Evangelion“ fiel meine Wahl sehr häufig auf Science-Fiction. So kam ich dann zu „Battle Angel Alita“ oder „Blame!“. Durch die „Berserk“-Reihe (die ich als einzige nach wie vor noch kaufe, weil sie auch immer noch läuft) wurde mein Interesse an so historisch verankertern Krieger-Geschichten geweckt. Ich las eine Weile „Lone Wolf and Cub“ und ein paar anderer Vertreter von Samurai-Geschichten. Wirklich was hängen blieb dabei nicht. Irgendwann stieß ich so auch mal auf „Blade of the Immortal“ von Hiroaki Samura, das ich eigentlich wegen der Mischung aus Fantasy und Samurai-Gedöhns echt mochte. Doch irgendwann flaute mein Interesse an Mangas allgemein etwas ab und so mussten auch die Abenteuer von Manji, dem Hundert-Männer-Mörder, darunter leiden. Bis ich bei prime auf ein Prime-Original stieß. Offensichtlich hat man bei Amazon gesehen, dass die Netflix-Anime-Offensive gut ankommt und wollte sich davon eine Scheibe abschneiden. Ein solches Original von Amazon ist die 24-teilige Serie von 2019 „Blade of the Immortal“.

Die junge Rin ist auf der Suche nach dem Mann, der ihre Eltern umgebracht hat. Anotsu Kagehisa ist der Anführer der Itto-ryu, einer neuen Schule für Kämpfer, die alle anderen Dojos im Land vernichtet (sollten diese sich nicht der Itto-ryu anschließen). Bei ihrer Suche stößt Rin auf den Samurai Manji, den sie anheuert, um ihr zu helfen. Manji ist aber eine besondere Art von Samurai… er ist quasi unsterblich. Dank heiliger Blutwürmer in seinem Körper kann er abgetrennte Gliedmaßen wieder anwachsen lassen, schließen sich seine Wunden. Diese Zwei stürzen sich nun in das Geschehen, in das bald nicht nur die Itto-ryu verwickelt sind. Auch dem Shogunat ist die neue Truppe ein Dorn im Auge…

Alles, was ich noch vom Manga wusste, war die Sache mit den Blutwürmern und der Rache von Rin. Ansonsten hätte ich nicht mehr sagen können, wie das Ganze ausgeht oder was daran so toll sein könnte. Im Grunde reiht sich „Blade of the Immortal“ in die Reihe von diesen Road-Movie-artigen Samurai-Serien ein. Ob nun „Samurai Shamploo“ oder eben auch so etwas wie „One Piece“ – die Story ist recht gleich: Ungleiches Pärchen zieht durch die Gegend, trifft auf übermächtige Gegner… da liefert „Blade of the Immortal“ jetzt keine großen Neuerungen in Sachen Anime-Serie. Dennoch macht die Serie, die zum Glück auch nach den 24 Folgen abgeschlossen ist, Spaß.

Anfangs dachte ich noch, dass „Blade of the Immortal“ die „Castlevania“-Schiene fährt – wenn es um das Thema Gewalt geht. Meine Güte, Manji schenkt seinen Gegnern echt nichts. Und gerade zu Beginn kriegt er es auch mit so illustren Typen zu tun. Einer zum Beispiel trägt die Köpfe zweier Frauen auf den Schultern als Trophäen. Die Kämpfe sind dann ultra-brutal. Da spritzt das Animationsblut nur so durch die Gegend. Fontänen ergießen sich über den Charakteren… eine Tatsache, die sich durch die gesamte Serie zieht. Die Kämpfe sind immer sehr spektakulär inszeniert… immer mit einer etwas übertriebenen Art und Weise, aber immer auch sehr unterhaltsam.

Zum Glück ist „Blade of the Immortal“ aber nicht nur Gewalt-Exzess pur. Die Story braucht ein bisschen, um in die Gänge zu kommen, entwickelt sich dann aber ziemlich gut. Gerade wenn wir erfahren, dass die Itto-ryu von der Regierung gejagt werden, wird so das große Ganze offenbart. Auch wenn es zwischendurch immer wieder zu Treffen zwischen Rin und dem Mörder ihrer Familie kommt, zeigt die Serie auch ihre ruhigeren Seiten. Überhaupt war ich positiv überrascht, wie gut die Serie beides immer wieder beleuchtet. Die Itto-ryu werden nicht einfach nur Monster, sie werden nachvollziehbare Menschen (auch wenn ihre Methoden es nie sein werden). Die Serie beginnt sehr schwarz-weiß. Je mehr man aber über die Charaktere lernt, desto mehr verschwimmt diese Abgrenzung.

Und, was ich spaßeshalber an dieser Stelle auch sagen muss: Zu Beginn fand ich den Titelsong „Survive of Vision“ von Kiyoharu echt albern, mit der Zeit wuchs mir der aber richtig ans Herz.

„Blade of the Immortal“ macht jetzt nichts wirklich Neues, liefert aber eine tolle Bandbreite an interessanten Charakteren (für die man sich aber ein bisschen durch Blut und Gedärme kämpfen muss). Wie es um den Film steht, der auf dem Manga basiert, verrate ich euch dann am Freitag in der nächsten Filmreise-Etappe.

Wertung: 8 von 10 Punkten (nach einem etwas platten Start entwickelt sich eine sehr spannende Geschichte)

3 Kommentare leave one →
  1. 8. Februar 2021 16:41

    Ha, interessant. Blade of the Immortal ist ja so eine Reihe die immer irgendwie an mir vorbei gegangen ist. Ich wusste, dass es sie gibt und mehr auch nicht. Von daher danke für den Einblick.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2021 17:56

      Gerne, gerne. Den Manga mochte ich früher echt gern, auch wenn ich ihn nie zu Ende gelesen habe. Die Serie kann ich empfehlen, den Film eher nicht 😄

Trackbacks

  1. Filmreise Etappe #64: Die heiligen Blutwürmer | Going To The Movies

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