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Filmreise Etappe #63: Der Speer des Schicksals

22. Januar 2021

Es ist faszinierend, wie ein einziger Schauspieler gefühlt aus dem Nichts heraus, einen neuen Hype um sich entwickeln kann. Siehe Keanu Reeves… der Mann ist ja auch schon seit Ewigkeiten im Geschäft (und damit meine ich jetzt nicht die Theorie, dass Keanu in Wirklichkeit in Zeitreisender ist, wie uns das Internet immer wieder weismachen will). Filme wie „Gefährliche Brandung“, „Speed“ oder „Matrix“ haben aus Reeves schon einen erfolgreichen Star gemacht, doch es scheint mir fast so, als wäre erst seine Renaissance als Hunde rächender John Wick der wahre Keanu-Reeves-Moment gewesen. Da ich aber nach wie vor kein großer Fan der John-Wick-Filme bin, bleibe ich bei Reeves lieber beim alten Zeug… und da ist so viel Tolles, was auf einen wartet. Wie zum Beispiel der sehr unterschätzte Horror-Mystery-Comic-Thriller-Mix „Constantine“.

Die Polizistin Angela Dodson (Rachel Weisz) kann nicht glauben, dass ihre Zwillingsschwester Isabel wirklich Selbstmord begangen haben soll… und ermittelt deren Tod auf eigene Faust. Dabei kreuzen sich ihre Wege mit denen von einem gewissen John Constantine (Keanu Reeves), seines Zeichens Kettenraucher und Exorzist. John wiederum kann nicht glauben, dass das Aufkommen von Dämonen stark angestiegen ist und die Schergen der Hölle mehr und mehr in unserer Welt auftauchen. Schnell müssen John und Angela erkennen, dass sie sich nicht zufällig getroffen haben… und das der Sohn des Teufels dank des wiedergefundenen Speers des Schicksals auf dem besten Weg ist, die Menschheit zu unterjochen.

Ich mochte „Constantine“ schon damals, als ich ihn vor 16 Jahren im Kino gesehen habe. Und ich finde auch nach wie vor, dass es nur wenig an diesem Film auszusetzen gibt. Anders als so viele Comic-Filme, die wir heutzutage kennen, konzentriert sich „Constantine“ nicht ständig darauf, alles auf die Origin des „Helden“ runterzubrechen. Wir lernen John als fertigen Exorzisten kennen – allein diese erste Szene, in der er einen Dämonen aus dem Körper eines jungen Mädchens verbannt, ist schon großartig und zeigt uns alles, was wir über John wissen müssen: er ist zynisch, er ist grummelig, er ist bewandert in allen Dingen Dämonen und Co., er raucht bei egal welcher Gelegenheit und er hat offensichtlich einen Groll gegen Gott. Im Verlaufe des Films erfahren wir in kleinen Happen mehr und mehr über ihn, ohne dass dabei die Haupthandlung aus den Augen gelassen wird. So gehört sich das und von diesem Prinzip könnte sich Marvel ruhig mal etwas inspirieren lassen. Es muss nicht alles tot erklärt werden.

Keanu Reeves passt perfekt in die Rolle des John Constantine, auch wenn er eben kein Brite ist und ihm die blonden Haare fehlen. Aber Reeves gibt dieser Rolle die nötige Tiefe, diesen inneren Groll auf Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes). Ich mag ihn total in dieser Rolle und find’s nach wie vor sehr schade, dass es dazu nie eine Fortsetzung gegeben hat. In jüngster Zeit habe ich nie einen Keanu Reeves gesehen, der cooler an einer Zigarette gezogen hat.

Aber auch der Rest des Casts ist toll. Rachel Weisz ist toll, auch wenn ihre Abigail manchmal etwas sehr verloren wirkt. Shia LaBeouf in seiner kleinen Nebenrolle sympathisch. Sehr clever fand ich Tilda Swinton in der Rolle von Erzengel Gabriel. Das passt so gut. Was sie aus diesem Engel macht, hätte mehr Screentime gebraucht. Genau das Gleiche gilt auch für den kurzen Auftritt von Peter Stormare als Lucifer – grandios.

Optisch mag ich den Film auch und er ist mit all seinen Effekten in großen Teilen auch ziemlich gut gealtert. Wenn John übertritt und durch die Hölle wandelt, ist das ein bisschen dieses Upside-Down-Prinzip, das „Stranger Things“ später perfektionieren wird. Es ist die gleiche Stadt, die gleiche Umgebung – nur halt komplett anders. Das Dämonen-Design hätte an einigen Stellen etwas cooler sein können – die Viecher sehen halt super generisch und sehr nach CGI aus, aber das will ich „Constantine“ gar nicht so groß ankreiden.

Der Film macht auch jetzt immer noch Spaß. Es ist ein kurzweiliger Mystery-Thriller, aus dem man echt sehr viel mehr hätte machen können (in Bezug auf Fortsetzungen, so als Einzelfilm funktioniert er ziemlich gut).

Wertung: 8 von 10 Punkten (Keanu ist auch als Exorzist „atemberaubend“)

10 Kommentare leave one →
  1. 22. Januar 2021 07:57

    Ja, den mochte ich auch sehr. Könnte ich eigentlich auch mal wieder schauen…

    • donpozuelo permalink*
      22. Januar 2021 08:48

      Mach das. Der ist auch gut gealtert und macht immer noch Spaß. Wie gesagt, bei dem Film finde ich es echt schade, dass da nie eine Fortsetzung kam

  2. 24. Januar 2021 13:16

    Ich muss den vielleicht doch mal wieder schauen. Durch die „Sandman“ Graphic Novel Reihe wurde mir der Familienname wieder ins Gedächtnis gerufen. Die Constantines tauchen da nämlich ab und an mal auf…

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2021 17:01

      Stimmt. In den Sandman-Comics tauchten die immer mal wieder auf. Der Film ist auf jeden Fall echt unterhaltsam. Kann man gut gucken (ist zur Zeit auch gerade auf Netflix).

  3. 7. Februar 2021 19:08

    Den habe ich auch sehr genossen. Durch ein bisschen hier und da Einblick in die Comicfigur John Constantine habe ich aber den Eindruck, dass er niiiicht so gaaanz den Comic-Constantine trifft. Aber der Film hat echt Spaß gemacht. Und mir ging es genauso – ich hätte gern mehr von Tilda Swintons und Peter Stormares Figuren gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2021 13:32

      Der Film hat so nichts mit dem Comic Constantine zu tun. Hab mittlerweile auch schon mal in die Comics geschaut. Aber hey, ist halt ne Interpretation der Figur… ich kann damit leben, aber auch verstehen, warum der vielleicht bei Hardcore Fans nicht so ankam. Ich hatte meinen Spaß und ja, Tilda Swinton als Gabriel war so cool, davon hätte ich echt gerne mehr gesehen.

      Wer weiß, Reeves hat ja jetzt auch schon alles mögliche wieder aufleben lassen. Vielleicht kommt Constantine nochmal zurück

      • 8. Februar 2021 14:10

        Hast du mal die Serie gesehen? Die Story war da leider sehr gemächlich am Voranschreiten und hätte mutiger, aber v.A. gruseliger sein können. Aber die Darstellung Constantines hat mir gut gefallen.

        • donpozuelo permalink*
          8. Februar 2021 14:54

          Hab bislang immer nur davon gelesen. Soll ja doch werkgetreuer gewesen sein. Und der Hauptdarsteller passte auch mehr zur Comic-Vorlage. Die Serie wurde aber auch recht schnell wieder ei gestellt, oder?

        • 8. Februar 2021 15:00

          Ja wurde sie leider. Litt aber auch hart am Supernatural-Fluch. Toller Humor, tolle Charaktere, teils langweilige Cases of the Week. Aber der Hauptdarsteller wurde so gelobt, es gab Petitionen woah, das ging recht ab. Er kam dann tatsächlich wieder in der Serie äh Legends of tomorrow oder so!? So ein Flash-Arrow-Ableger. Hab ich aber nie geguckt.

        • donpozuelo permalink*
          8. Februar 2021 17:54

          Stimmt. Das hatte ich auch gelesen. Wie geil wäre bitte ein Multimeter Crossover? Keanu Constantine trifft Serien Constantine und gemeinsam müssen sie einen Fall lösen 😁

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