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2020

28. Dezember 2020

Für gewöhnlich machen Jahresrückblicke ein bisschen Spaß. Man lässt alles noch einmal Revue passieren, geht alles noch einmal durch und freut sich dann auf das nächste Jahr. 2020 ist aber so ein Jahr, das möchte man gar nicht so wirklich Revue passieren lassen, oder? Ich bin froh, dass wir das alle irgendwie überstanden haben und hoffe, dass irgendwann demnächst mal so etwas wie Normalität einkehrt.

Das Kinojahr war eine Katastrophe, wie so vieles andere auch. Lockdown 1 und Lockdown 2 haben so ziemlich alles kaputt gemacht, was die Film-Pläne von 2020 angeht. Dabei habe ich mich gerade zu Corona-Zeiten in den Kinos eigentlich sehr sicher und wohl gefühlt. Aber es ist nun mal, wie es ist…

… trotz all der Widrigkeiten habe ich es dieses Jahr immerhin 37 Mal ins Kino geschafft. Von denen dann so eine Bestenliste zu erstellen, war gar nicht so einfach. Da sind viele Filme dabei, die ich sonst im Leben nicht in diesem Artikel erwähnt hätte. Aber so ist das halt, wenn man in einer Pandemie lebt. Da sollte man sich glücklich schätzen, überhaupt noch so normal über Filme reden zu können. Es hätte ja auch viel schlimmer sein können. Deswegen will ich mich nicht zu sehr beschweren.

Überraschungshit I

Das ist tatsächlich nicht schwer, eine der großen Überraschungen war 2020 für mich „Sonic the Hedgehog“. Ich habe die Spiele früher echt gerne gespielt und war mega skeptisch, was den Film anging. Aber wider jede Erwartung fand ich den verdammt unterhaltsam. Jim Carrey war schon lange nicht mehr so Jim Carrey wie in diesem Film. Die ganze Story rund um Sonic war amüsant und actionreich inszeniert. Sicherlich kein Meisterwerk, aber als Spieleverfilmung würde ich mal so weit gehen und sagen, „Sonic“ gehört mit zu den Besten.

Warum wurden sie nur nicht beachtet?

Gut, diese Kategorie ist dieses Jahr echt schwer. Man hätte einfach so viele Sachen verpassen können. Ein Film, den jeder aber unbedingt mal irgendwie nachholen sollte, ist „Palm Springs“ mit Andy Samberg. Ich hatte das Glück, den auf dem Fantasy Filmfest sehen zu können und diese neue Version von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ war wirklich sehr unterhaltsam.

Fiesestes Filmfiasko

Das ist dieses Jahr auch nicht so einfach. Aber wenn ich einen Film nennen müsste, der mich wirklich sehr enttäuscht hat, dann ist es leider „Birds of Prey“ gewesen. Ich habe mich wirklich soooo sehr auf diesen Film gefreut. Margot Robbie als Harley Quinn ist so toll, aber dieses Solo-Abenteuer war leider eine Gurke. Die Birds of Prey selbst kommen nicht so richtig zur Geltung. Die Action war nett, der Rest so überhaupt nicht mein Fall… schade. Von der ganzen Sache hatte ich mir sehr viel mehr erhofft.

Mein erstes Mal

Dieses Jahr etwas schwierig, weil ich mein erwähnenswertes erstes Mal mit einer Film-Reihe hatte, deren neuen Film ich in einer Pressevorführung noch sehen durfte, der dann aber doch verschoben wurde. Deswegen zähle ich das Mal nicht. Damit fällt mein erstes Mal auf einen Film, der mir nicht einmal sonderlich gut gefallen hat, mich aber zum ersten Mal mit einem sozialistischen Känguru in Verbindung gebracht hat. Ich habe vorher nicht gewusst, wie groß der Rummel um „Die Känguru Chroniken“ ist. Die Bücher sind ja wohl voll der Hit. Der Film war es in meinen Augen nicht.

Visuelles Highlight

Auch wieder so eine schwierige Kategorie, da ich kaum so richtig krasse Filme gesehen habe. Doch ein Film, der mir allein nur wegen seiner Optik im Gedächtnis geblieben ist, ist Zhang Yimous „Shadow“. Wow… visuell wirklich schwer beeindruckend. Zhang Yimou gelingt mal wieder ein Meisterstreich, der aussieht, als wäre er in Schwarz-Weiß gedreht worden (ist er aber nicht 😀 ). Die Kostüme, die Sets, die Action-Sequenzen – alles einfach nur großartig!!! Da bin ich froh, dass ich den in einer Sondervorstellung auf der großen Leinwand sehen durfte.

Hätte ich doch lieber nicht geguckt

Irgendwie hatte ich mich ja auf die 2020-Version von „The Grudge“ gefreut. Sam Raimi war als Produzent mit an Bord und der erste Trailer sah auch nicht schlecht aus. Leider ist dieses Remake des japanischen Klassikers „Ju-on: The Grudge“ ein ziemlicher Reinfall. Der Gruselfaktor ist gleich Null. Die Story ist ziemlich öde und die eigentlich tollen Darsteller (Andrea Riseborough zum Beispiel) sind total unterfordert mit all dem. Das hätte man echt besser machen können.

Überraschungshit II

Ein anderer Horror-Film hat mich dieses Jahr dafür umso mehr überrascht: „Der Unsichtbare“ von „Upgrade“-Regisseur und „Saw“-Miterfinder Leigh Whannell. Nach dem „The Mummy“-Fiasko probiert man es trotzdem weiter mit den Universal-Monstern, und dieser Unsichtbare ist echt wahnsinnig gut. Wie Whannell mit einfachen Mitteln Spannung erzeugt, ist einfach der Hammer. Elisabeth Moss ist dazu in der Hauptrolle einfach nur gut. Toller Film! So hätte das Dark Universe viel besser starten sollen.

Trickreich

Ich habe in diesem Jahr nicht einen einzigen neuen Animationsfilm gesehen, für die diese Kategorie eigentlich eher gedacht ist. Deswegen packe ich an diese Stelle, den Film, der das Kino nach dem ersten Lockdown wieder beleben sollte: Christopher Nolans „Tenet“. Die einfache James-Bond-Story wird hier sehr „trickreich“ mit Inversion gefüllt. Sich rückwärts in der Zeit bewegende Objekte und Menschen sorgen für wohlige Verwirrung. Die handgemachten Effekte in diesem Film können sich echt sehen lassen.

Comeback des Jahres

Diese Kategorie gehört für mich zwei Männern. Zum einen H.P. Lovecraft und zum anderen Richard Stanley. Stanley meldet sich 28 Jahre nach seinem letzten Spiefilm „Dust Devil“ mit einer Verfilmung von Lovecraft zurück und beschert dem Altmeister des Horrors einen würdigen Film: „Color out of Space“ ist ein spannender Slow-Burner, der sich Zeit lässt und uns später mit herrlich ekligen Body-Horror-Momenten gut zu schocken weiß. Dazu eine Prise Nic Cage – und fertig. Das war auch gleichzeitig mein letzter Film vorm ersten Lockdown… und ich hoffe, dass Stanley seine geplante Lovecraft-Trilogie wirklich hinbekommt.

Hochgelobt und doch enttäuscht

An dieser Stelle muss ich mal von Kinofilmen ausweichen und auf die Streamingdienste gehen. Dort landeten dieses Jahr auch viele Filme, die regulär hätten im Kino starten sollen. Aber eben auch welche, die es gar nicht erst ins Kino schafften. Einer dieser Filme war Charlie Kaufmans „I’m thinking of ending things“. Das Buch dazu hatte ich an einem Tag verschlungen und mich dann sehr auf den Film gefreut. Leider fand ich den dann ziemlich anstrengend und sehr verkopft… da bleibe ich dann doch lieber beim Buch.

Comic-Film des Jahres

Jetzt wird es etwas peinlich. Denn eigentlich gab es dieses Jahr keine wirklich gute Comic-Verfilmung. Marvel hat einfach mal komplett ausgesetzt und „Black Widow“ auf 2021 verlegt. „Birds of Prey“ habe ich ja schon erwähnt. Das war auch nicht mein Fall. Netflix hat zahlreiche Comic-Verfilmungen rausgebracht. Aber „Last Days of American Crime“ war eine richtige Katastrophe und „The Old Guard“ verspielte zu viel Potenzial. Deswegen verleihe ich den Titel dieser Kategorie doch einfach lieber an „The New Mutants“. Das war jetzt auch kein Highlight, aber es war unterhaltsam. Wenn man sich die Hintergrundgeschichte zu diesem Film mal anschaut, hätte daraus wirklich was Tolles werden können… aber naja, zu viele Köche verderben immer noch den Brei.

Serie des Jahres

Eigentlich wäre meine Serie des Jahres „Cobra Kai“. Gott, was habe ich Staffel 1 und 2 verschlungen. Aber so richtig ist das ja keine Serie, die 2020 wirklich angefangen hat. Deswegen wähle ich eine andere, nicht weniger großartige Serie, die aber auch die Themen Sport und Coming-of-Age verbindet: „The Queen’s Gambit“ von Scott Frank mit einer umwerfenden Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle. Diese Mini-Serie hatte wirklich einfach alles. Wirklich, wirklich gut!

… und wie immer die obligatorische Top 10 des Jahres:

10 – Greenland

9 – Sonic the Hedgehog

8 – Coma

7 – Jojo Rabbit

6 – 1917

5 – Der Unsichtbare

4 – Color out of Space

3 – Shadow

2 – Tenet

1 – Little Women

Damit ziehe ich dann einen Schlussstrich unter 2020 und richte den Blick auf 2021. Mal gucken, was uns da kinotechnisch alles erwartet. Ich wünsche euch da draußen auf jeden Fall einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Auf dass es wieder alles etwas normaler wird! Passt auf euch auf und bleibt gesund!

24 Kommentare leave one →
  1. 28. Dezember 2020 14:06

    Dann werde ich mir deine Filme der Top 10 doch einmal vormerken. Zumindest „1917“ und „Jojo Rabbit“ habe ich schon gesehen und fand diese toll.

    • donpozuelo permalink*
      28. Dezember 2020 16:06

      😁 mach das. Little Women ist echt toll. Und Sonic könnte deinen Kindern bestimmt auch gefallen.

  2. 28. Dezember 2020 21:24

    Little Woman ist jetzt auf Sky unterwegs, da werde ich ihn mir die Tage mal anschauen. Auch Der Unsichtbare kommt da wohl bald – den hatte ich im Kino bewußt ausgelassen, weil die meisten Kritiken ja eher nicht so gut waren.

    Davon abgesehen sind drei deiner Top 10 Filme auch in meiner Top 10, plus ein anderer, den du erwähnst hast. Meine Liste geht wahrscheinlich am Donnerstag online 😉

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2020 07:50

      Bei Der Unsichtbare verstehe ich das mit den schlechten Kritiken echt nicht. Ich fand den wirklich gut (vielleicht ein bisschen zu lang, aber wirklich gut gemacht).

      Ich bin gespannt auf deine Liste… 👍

  3. 28. Dezember 2020 22:14

    Sonic The Hedgehog hat es bei mir in die Flops geschafft. Sonst haben wir zwei Übereinstimmungen in den Top Ten, bei der ich doch überrascht bin, hätte da unter anderem noch „Knives Out“ & „Palm Springs“ erwartet.
    Die Tatsache, dass du keinen Animationsfilm gesehen hast, lässt mein Herz ein wenig bluten, da gab es doch genügend Auswahl.

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2020 07:52

      Mein Herz blutet auch bei den Animationsfilmen. Sonst schaffe ich immer welche. Mittlerweile habe ich aber sowohl „Onward“ als auch „Soul“ nachgeholt. 😁

      • 29. Dezember 2020 14:41

        Wie fandest du die beiden denn?

        • donpozuelo permalink*
          29. Dezember 2020 15:58

          Ohne zu viel zu spoilern (Kritiken folgen hier ja bald): ich fand Soul nett, aber mehr leider nicht. Onward dagegen fand ich super. Der hat mich echt sehr positiv überrascht

        • 29. Dezember 2020 16:00

          Oha, „Soul“ hat es in meine Top Drei des Jahres geschafft. „Onward“ ist in dem Moment endgültig aus der Top Ten rausgefallen als ich „Soul“ gesehen hatte.

        • donpozuelo permalink*
          29. Dezember 2020 16:27

          Bei mir wäre es genau umgekehrt. Soul ist auch toll, ohne Frage. Aber Onward hat mich dann doch viel mehr berührt

        • 31. Dezember 2020 13:08

          „Onward“ hat mich auch sehr berührt, aber es ist in meinen Augen der schwächere Film (wenn auch auf sehr hohem Niveau)

        • donpozuelo permalink*
          1. Januar 2021 13:31

          Pixar ist da aber auch echt gut, auf sehr hohem Niveau „schwach“ zu sein 🙈

  4. 1. Januar 2021 14:34

    Schöne/r Liste/Rückblick. Von Shadow höre ich das erste mal – kann man den irgendwo ohne Aufpreis sehen?

    • donpozuelo permalink*
      3. Januar 2021 11:30

      Bisher habe ich den leider noch nirgends gesehen. Ich hatte ja noch Glück, den Anfang 2020 im Kino zu sehen. Aber sollte er irgendwann mal ohne Aufpreis zu sehen sein, unbedingt anschauen

  5. 6. Januar 2021 13:42

    „Sonic“ habe ich vor zwei Tagen gerade gesehen und finde den auch ziemlich gelungen. Positiv kurzweilig und Jim Carrey ist einfach fantastisch in der Robotnik-Rolle. Der hatte sicher Spaß daran, seine vor so vielen Jahren zuletzt ausgelebten irre-eskapistischen Rollen zu reanimieren.

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2021 06:16

      Danke. Genau so sehe ich das auch. Jim Carrey war wirklich super… ich hoffe nur, dass sie es nicht zu sehr mit den geplanten Fortsetzungen kaputt machen.

  6. 9. Januar 2021 10:04

    Wow, 37 Mal ins Kino! Nicht schlecht! 😀 Ich glaube ich schaffe es selbst in meinen kino-stärksten jahren nicht so oft ins Kino. Irgendwie traurig … . Hilft da bei dir der Job oder gehst du echt allgemein so oft ins Kino?
    Warum gehe ich eigentlich nicht so oft ins Kino!? XD

    The Grudge war auch einer meiner Reinfälle des Jahres. Auf deine Empfehlung hin habe ich mir das Buch „I’m thinking of ending things“ (aber als Hörbuch) genehmigt – richtig cool. Hat mich auch umgehauen. Den Film hebe ich mir noch etwas auf. Aber so an und für sich schon Stoff um es nochmal zu lesen oder zu hören.

    • donpozuelo permalink*
      10. Januar 2021 07:33

      Mein Job hilft da schon, aber ich war schon immer ein begeisterter Kinogänger. Liegt vielleicht auch daran, dass wir früher keinen Fernseher zuhause hatten und ich deswegen sehr viel im Kino war 🤣

      Bin gespannt, was du zum Film „I’m thinking of ending things“ sagst. Der war leider nicht so mein Fall…

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