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Von Schnüfflern, Schwestern und Depressionen

24. Mai 2017

Wenn ich mir so Mafia-Filme oder Serien wie jetzt gerade „The Sopranos“ anschaue, frage ich mich schon immer, wie diese Verbrecher-Organisation mit so vielen dicken Menschen so groß und mächtig werden konnte. Ganz ehrlich, mein größtes Problem bei „The Sopranos“ ist echt immer noch, die ganzen Charaktere wirklich gut auseinander zu halten. Jetzt heißen die schon alle gefühlt gleich und sehen sich dann alle auch noch zum Verwechseln ähnlich: kleine, dicke Männer mit runden Gesichtern und mal mehr und mal weniger Haaren. Ganz ehrlich, einige unterscheide ich wirklich nur durch ihre Haare 😉 Aber gut, so eine Mafia besteht ja nicht nur aus drei Leuten und „The Sopranos“ baut halt auf eine Vielzahl von Charakteren. So auch in Staffel 2, bei der ich nach der ersten Staffel tatsächlich was zu meckern habe. Aber dazu später mehr…

Tony Soprano (James Gandolfini) kämpft weiterhin den Kampf des Mafiosi. Seine Psychiaterin Dr. Melfi (Lorraine Bracco) weigert sich erst, ihn weiter zu behandeln, tut es dann aber doch – und geht deswegen selbst in Therapie. „Big Pussy“ (Vincent Pastore) taucht unerwartet wieder auf – nur ist er jetzt ein Spitzel fürs FBI. Aber Pussy ist nicht der Einzige, der das Leben des Paten Soprano durcheinander bringt: seine Schwester Janice (Aida Turturro) zieht bei ihm ein, nur um dann eine Beziehung mit Richie Aprile (David Provale) einzugehen. Der ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und verlangt nun, weil Jackie Aprile (er führte die Familie in der ersten Staffel an und starb dann an Krebs) sein Bruder war, ein Stück vom Kuchen. Es ist also wieder einmal alles noch ein wenig komplizierter geworden in der Welt der Sopranos.

Wer zuerst blinzelt…

Ich fange gleich mit dem Meckern an, dann habe ich das weg. Und es ist ja auch kein Meckern an sich. Ich habe nur diesen Richie und Janice gehasst…. beide aber aus verschiedenen Gründen und tatsächlich würde ich auch nur Janice auf meine „Hassenswerte Serien-Charaktere“ setzen. Janice war anstrengend, Janice fand ich irgendwie auch echt unnötig. Janice hatte genau einen Moment in dieser zweiten Staffel, an dem ich gedacht habe: „Gut gemacht!“ Aber ansonsten… diese New-Age-Trulla ging mir fast genauso sehr auf die Nerven wie Tony. Er hat da nach wie vor mein herzlichstes Beileid.

Richie Aprile dagegen habe ich gehasst, weil er ein fieses Arschloch ist. Ganz ehrlich, Hut ab vor David Provale. Ich hatte wirklich ein wenig Angst vor dem Typen. Auch wieder Marke kleiner, rundlicher Typ, aber diese Augen. Oh mein Gott… diese Augen. Der konnte so grimmig gucken und war so unvorhersehbar. Mal nett, dann ein Monster. Ein starker Charakter, der in dieser zweiten Staffel für ordentlich Stunk gesorgt hat. Richie Aprile war immer wieder ein im Hintergrund wirkendes Übel, das sich mehr und mehr in das Leben von Tony und Co. zwängte. Ich fand ihn so gut und habe ihn so sehr gehasst.

Staffel Zwei von „The Sopranos“ war wieder einmal ein Fest. Ich kann es nicht anders sagen. Es gibt Folgen, da passiert nicht so viel und trotzdem ist es interessant. Was ich ein wenig schade fand, war, dass Tonys Familie ein bisschen in den Hintergrund geriet. So richtig interessant wird es da nur für Carmela (Edie Falco), die mehr und mehr ihre Beziehung, ihre gesamte Ehe mit Tony Soprano, überdenkt. Und ich mag auch sie. Edie Falco ist eine großartige First Lady der Mafia. Ein bisschen Abwechslung kommt auch mit Christopher ins Spiel, der seine Drehbuch-Ambitionen noch nicht abgelegt hat und einen Schauspiel-Kurs besucht und eine Folge lang mit Jon Favreau abhängt.

Die dicken Drei von der Mafia

„The Sopranos“ – je mehr ich davon sehe, desto glücklicher bin ich, ehrlich gesagt, dass ich es erst jetzt schaue. Ich glaube, wenn ich jünger gewesen wäre, hätte mich das alles ein bisschen zu sehr angestrengt. Hätte sich das für mich möglicherweise alles ein bisschen zu sehr gestreckt. Aber genau diese „Langsamkeit“ (mir fällt gerade kein besseres Wort ein) fasziniert mich dann doch irgendwie. „The Sopranos“ ist keine Mafia-Serie, in der in jeder Folge jemand umgebracht wird, in der ein neuer Deal über die Bühne geht. Es sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Intrigen, die Interessenkonflikte der einzelnen Mitglieder dieser riesigen Familie. Hier denkt jeder an sich UND muss doch gleichzeitig überlegen, wie die eigenen Interessen ins große Ganze passen. Dazu kommen wieder umwerfende Darsteller – James Gandolfini, ich danke dir für diesen Tony Soprano.

Ich habe das Gefühl, dass „The Sopranos“ mich mit jeder Staffel mehr einnehmen. Nur das Geheimnis der kleinen, dicken Männer bleibt mir auf ewig ein Rätsel 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (sorry, Janice gibt einen Punkt Abzug)

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6 Kommentare leave one →
  1. 24. Mai 2017 06:44

    Haha, Janice und Jackie sind wirklich nervig! Sei gespannt, was ihnen noch für eine Geschichte bevorsteht… 😉

    • donpozuelo permalink*
      24. Mai 2017 08:40

      Ufff… wirklich? Janice ist echt anstrengend. Obwohl es ja auch echt gut passt. Man spürt Tonys Verzweiflung durch seine eigene… ziemlich genial 😀

      • 24. Mai 2017 18:58

        Die gute Janice hat noch ein bisschen was vor sich…aber keine Sorge, mich hat sie anfangs auch tierisch genervt, aber sie ist dann zwischendurch auch mal nicht so präsent. Meine ich zumindest. Mein Gesamtserienerlebnis wurde durch sie jedenfalls überhaupt nicht beeinträchtigt. Das war von vorne bis hinten famos! 🙂

        • donpozuelo permalink*
          25. Mai 2017 19:59

          Ja, davon gehe ich mal aus, dass sie das Gesamterlebnis jetzt nicht zu sehr beeinträchtigen wird 😉 Und es passt ja auch, dass sie so nervt. Das soll sie ja auch, deswegen kann man sich auch nur vor der Darstellerin (Name fehlt mir gerade) verneigen…

        • 26. Mai 2017 16:20

          Absolut! Das muss ganz schön anstrengend sein, die ganze Zeit eine so anstrengende Figur zu spielen…

Trackbacks

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