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Kapitän Spatz und die Geister-Piratenjäger

26. Mai 2017

Ich will immer noch den Versuch einer Videospiel-Verfilmung zu „Monkey Island“. Eigentlich seit vor x Jahren „Fluch der Karibik“ in die Kinos kam, denn damals hat mich der erste Teil der Johnny-Depp-Piraten-Reihe hier und da schon sehr an „Monkey Island“ erinnert. Und seitdem wünsche ich mir eigentlich, den dreiköpfigen Affen auf der Leinwand zu sehen, mitsamt Geister-Piraten und Schwertduellen, die durch wortgewandte Schlagfertigkeiten entschieden werden. Dass die „Fluch der Karibik“-Reihe da nur ein schwacher Trost sein würde, zeigten dann so ziemlich alle Nachfolge-Filme – und nachdem ich dann vor gut 6 Jahren den vierten Teil der Reihe wirklich sehr einschläfernd fand, hatte ich gehofft, nie wieder was von Johnny Depp als Pirat sehen zu müssen. Aber Pustekuchen, Johnny Depp braucht dringend Geld, da liegt eine Fortführung der erfolgreichen Reihe doch auf der Hand. Meine Erwartungen für den fünften Teil „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ waren dennoch enorm, enorm niedrig. Umso überraschter war ich dann tatsächlich, den bisher für mich besten Teil der Reihe auf der Leinwand sehen zu dürfen.

Geister-Piratenjäger Armando Salazar (Javier Bardem) konnte mit seiner Geister-Crew dem gefährlichen Fluch des Devil’s Triangle entkommen und macht sich nun auf die Suche nach dem Mann, der ihm diesen Fluch eingebrockt hat: Captain Jack Sparrow (Johnny Depp). Der wiederum hat keine Crew mehr, hat kein Geld und wird nun – zu allem Überfluss – auch noch von diesen Geistern verfolgt. Da trifft er unter anderem auf Henry Turner (Brenton Thwaites), Sohn von Will Turner (Orlando Bloom), der sich fest vorgenommen hat, den Fluch, der auf seinem Vater liegt, zu brechen. Gelingen könnte ihm das, wenn er Tritons Dreizack findet. Helfen könnte ihm dabei die als Hexe verschrieene Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario). Und so macht sich dieses Dreier-Gespann auf die Suche.

Hände hoch…

Die „Pirates of the Caribbean“-Reihe glänzte nie sonderlich vor Innovation (auch wenn man schon Respekt zollen muss, was Disney aus einer „einfachen“ Park-Attraktion gemacht hat): es ging hauptsächlich um irgendwas Magisches, es ging hauptsächlich um Geister-Piraten und es ging hauptsächlich um Johnny Depp. Der fünfte Teil der Reihe bringt da jetzt nicht wirklich frischen Wind und dennoch hat mich dieser Film zwei Stunden lang bestens unterhalten. Ich hatte ja mit Sparrow und Co. echt abgeschlossen. Gerade Teil 4 fand ich viel zu aufgebauscht, viel zu langweilig, viel zu sehr „Indiana Jones“ als Piraten. Johnny Depp dabei zu zusehen, wie er mit Penelope Cruz im Schlepptau durch den Dschungel eiert, fand ich mega-öde. Wenn ich nen Piraten-Film sehen will, dann will ich Piraten sehen: d.h., es sollte sich schon alles mehrheitlich auf dem Meer abspielen. Ich will da Schiffsverfolgungsjagden, Seeschlachten und Schwertkämpfe sind. Und zum Glück, zum Glück, liefert „Pirates 5“ genau das, was möglicherweise auch echt an dem Regie-Duo Joachim Ronning und Espen Sandberg liegen könnte. Die beiden haben mit „Kon-Tiki“ ja einen See-Fahrer-Film gedreht und kennen sich daher gut auf dem Meer aus.

Dementsprechend gibt’s in „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ auch genügend Abenteuer auf hoher See. Aber Teil 5 der Reihe hat mich tatsächlich nicht nur wegen der grandiosen See-Schlachten gefallen, im Allgemeinen hat dieser Film ein ganz anderes Feeling als seine Vorgänger. Ich glaube, die Tatsache, dass die beiden Regisseure nicht ganz so viel Bezug nehmen mussten auf die vorangegangen Filme war hilfreich. Natürlich gibt es auch hier jede Menge willkommenen Fan-Service: Geoffrey Rush spielt wieder einen tollen Barbossa, auch alle anderen Darsteller der Reihe sind wieder mit dabei – selbst Orlando Bloom und Keira Knightley schauen mal kurz vorbei. Doch insgesamt ist „Pirates 5“ ein sehr eigenständiger Film, der sich nicht zu ernst nimmt, sondern einfach nur gute Unterhaltung abliefern will.

Ronning und Sandberg liefern eine bunte Mischung aus Slapstick, Fan-Service und Abenteuer-Film ab, die eigentlich zwei Stunden bestens unterhält. Johnny Depp wird zwar nach wie vor mehr und mehr zu einem albernen Sidekick in seinem eigenen Film abgestempelt, aber irgendwie mochte ich dieses Mal seinen betrunkenen Piraten immer mehr. Er hat nicht mehr die gleiche Ausstrahlungskraft wie früher, sein Sparrow wirkt ebenfalls ein bisschen alt und verbraucht, aber ein bisschen passt es auch in die Rolle des abgehalfterten Piraten. Wirklich gut waren dagegen die anderen beiden Zugpferde dieses Films: Brendon Thwaites und Kaya Scodelario. Das sind zwei neue Gesichter, die das Ganze gebraucht hat. Ich mochte die beiden einfach, die hatten eine schöne Chemie untereinander. Scodelario spielt eine sympathisch schlagfertige Carina, die sich nicht alles gefallen lässt und Thwaites war ein passender Orlando-Bloom-Sohnemann. Dazu gibt’s dann eben noch Javier Bardem als tollen Gegner.

„Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ hat mir tatsächlich ein bisschen den Glauben in die Reihe zurückgegeben. Der Film sieht umwerfend gut aus, macht unheimlich viel Spaß, bietet endlich mal wieder eine halbwegs spannende Geschichte (auch wenn die letztendlich immer gleich ist) und hat gute neue Charaktere, die gerade dem einen alten Charakter extrem gute Stützen sind. „Pirates 5“ ist endlich mal wieder gute Piraten-Unterhaltung, meinen „Monkey Island“-Film will ich trotzdem immer noch.

Wertung: 8 von 10 Punkten (endlich mal ein guter Piraten-Abenteuer-Film)

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7 Kommentare leave one →
  1. 26. Mai 2017 08:03

    Mich hatte die Reihe ja nach dem zweiten Film verloren…

    • donpozuelo permalink*
      26. Mai 2017 08:12

      Dito. Mich auch. Deswegen war ich so erstaunt, dass Teil 5 echt mal wieder gut war. Hatte was vom ersten Teil.

  2. 26. Mai 2017 11:13

    Dir ist aber die Verbindung zwischen Pirates und Monkey Island schon bewusst, oder?

    • donpozuelo permalink*
      26. Mai 2017 11:14

      Meinst du die, dass Teil 1 sich ja schon ordentlich an Monkey Island bedient hat?

      • 26. Mai 2017 11:28

        Nee, das geht weit darüber hinaus. Im Prinzip ist es ein Kreislauf der Inspirationen.
        Die Idee zu einem Piratenspiel kam Ron Gilbert, während er durch den Pirates Of The Carribean Ride in Disneyland fuhr. Auch wenn die Figuren andere Inspiratiosnquellen haben, gibt es doch das ein oder andere in den Spielen, was direkt aus dem Ursprungsride übernommen wurde. Zum Beispiel in MI2 der Hund mit dem Gefängnisschlüssel, den man mit dem Knochen bestechen muss. Oder eben auch „untote“ Piraten (im Ursprungsride gab es zB einen Skelettsteuermann).
        Die Piratesfilme wiederum basieren ebenfalls auf der Parkattraktion, zollen aber eben auch den MI-Games Tribut durch bspw. die ähnliche Geschichte oder auch Charaktere wie die Voodoofrau und die Kannibalen.
        Es gibt da vermutlich jede Menge Referenzen vom einen zum anderen und wieder zurück. Ist eigentlich eine ganz lustige Sache. Auf meiner DVD von Teil 1 gibt es ein Feature, wo man den ganzen Ursprungsride abfahren kann. Da fällt einem dann schon das ein oder andere auf, dass in beiden Versionen vorkommt, oder auch, was eben dann doch von MI geliehen wurde usw. Die Macher des Films haben auch mal in einem Interview gesagt, dass sie Fans der Spiele sind, wenn ich mich nicht völlig irre.

        • donpozuelo permalink*
          26. Mai 2017 12:01

          Okay. Das ist ziemlich cool. Und passt ja auch irgendwo. Danke für die Info.

Trackbacks

  1. Kritik: Pirates of the Caribbean – Salazars Rache – filmexe

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