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Verbotene Liebschaften

26. Juni 2017

Ich glaube, es ist ganz gut, dass ich mit den „Sopranos“ erst ein wenig sehr viel später angefangen habe. Wenn ich die Serie zu früh geguckt hätte, wäre mir das langsame Tempo zu sehr auf den Sack gegangen. Als ungeduldiger Junge, der gerade eh mehr an „Akte X“ interessiert war, hätten die Sopranos bei mir wahrscheinlich keinen guten Stand gehabt. Jetzt als (etwas) gereifter, (etwas) erwachsener Mann kann ich dieser Serie einfach so viel mehr abgewinnen… und ich weiß jetzt schon, dass ich diese Serie in meine Gruppe von Serien aufnehmen werde, die ich immer wieder gucken könnte. Staffel 4 dieser liebgewordenen Serie löst dann auch ein paar meiner Probleme mit Staffel 3 auf.

Tony (James Gandolfini) ärgert sich weiterhin mit Ralphie (Joe Pantoliano) rum, dessen Ansehen in der Gruppe weiter fällt (auch wenn die beiden kurzzeitig mit einem Rennpferd zu besten Freunden zu werden scheinen). Als der dann auch noch mit Tonys Schwester Janice (Aida Turturro) etwas anfängt, wird’s kritisch. Gleichzeitig verfällt sein Neffe Christopher (Michael Imperioli) mehr und mehr dem Heroin, während seine Verlobte Adriana (Drea de Matteo) zur Informantin des FBI wird (auch wenn sie sich erst ein wenig dagegen sträubt). Carmela (Edie Falco) hat ebenfalls so ihre Sorgen: Seit der dritten Staffel himmelt sie ja Furio (Federico Castelluccio) an… und der scheint ihre Gefühle auch zu erwidern, nur ist sie ja die Frau des Dons, was alles nur noch komplizierter macht.

Are you talkin‘ to me?

Ich hatte mich ja in der letzten Staffel darüber beschwert, dass weder auf Dr. Melfis (Lorraine Bracco) Vergewaltigung näher eingegangen wurde noch auf die Bemühungen des FBIs, Tony auflaufen zu lassen. Während die Vergewaltigung gar nicht mehr zur Sprache kommt, wurde wenigstens das FBI stärker in den Vordergrund gerückt. Was mir extrem gut gefallen hat, weil es endlich mal auch Adriana eine größere Rolle geboten hat. Statt nur die heiße Blonde an Christophers Seite zu sein, kommt sie in eine echte Krisen-Situation. Wie soll sie damit umgehen? Soll sie ihre „Familie“ verraten oder sich selbst beschützen? Für Dre de Matteo, denke ich mal, eine willkommene Belebung ihrer Rolle, die durchaus nötig war und auch gut gepasst hat, ist ihre Adriana doch am weitesten von der Familie der Sopranos entfernt und damit am ehesten ein Angriffspunkt für das FBI.

Die ganze Ralphie-Story (auch das mit dem Rennpferd und das Tony ihm dann noch die Freundin ausspannt) fand ich weniger interessant, hat es mich doch auch ein bisschen zu sehr an Richie Aprile aus der zweiten Staffel erinnert. Dennoch muss ich einfach sagen, dass Joe Pantoliano großartig ist. Ralph ist ein verrücktes Arschloch, ein Vulkan, der immer kurz vor der Explosion steht und somit ein echtes Problem für Tony.

Was ich wirklich großartig fand an Staffel 4, war Carmelas Geschichte. Ich bin ja von Staffel 1 an ein großer Fan von Edie Falco gewesen. Ihre Darstellung der Frau eines Mafia-Paten war umwerfend. Das war immer so ein bisschen Diane Keaton in der letzten Szene aus „Der Pate“: Sie weiß, was um sie herum passiert, aber sie „übersieht“ es gewissenhaft. Man ist so hin- und hergerissen von dieser Frau. Auf der einen Seite kann man nur ihre Stärke bewundern, mit der sie das alles für ihre Familie hinnimmt, auf der anderen Seite ärgert man sich auch, warum sie nicht ausbricht. Durch die einzelnen Staffeln durch merkt man dann ja auch mehr und mehr, wie sehr sie mit sich selbst und ihrer Beziehung zu Tony zu kämpfen hat. Sie schreckt vor dem Wort Scheidung zurück, obwohl eine ihrer Freundinnen das gerade durchlebt hat, sie schreckt vor einer Affäre zurück. Doch dann kommt Furio… und was die Macher in der vierten Staffel daraus gemacht haben, ist einfach nur sehr bewegend: Wie sie diese beiden Menschen zusammenbringen, wie sie diese beiden kurze Momente erleben lassen, in denen man denkt: „Jetzt passiert es endlich!“, ist wirklich einfach nur schön erzählt. Ich habe bei jedem Treffen zwischen Carmela und Furio gebangt und gezittert… und mit Beiden mitgelitten. Das war sehr berührend und dramatisch, ohne das die Macher es überspitzen und übertreiben.

Auch Staffel 4 findet wieder einmal die perfekte Balance aus Mafia- und Familien-Problemen und das macht diese Serie insgesamt einfach so gut nachvollziehbar. Denn runtergebrochen auf die Grundprobleme könnte jeder von uns die Familie Soprano sein. Zu einem gewissen Grad natürlich 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (definitiv die Staffel der Frauen – Adrianas und Carmelas Geschichten überzeugen auf ganzer Linie)

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