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In Your Eyes

20. Juni 2014

Stellen wir uns doch mal vor, heutzutage würde jemand einen auf Lloyd Dobler machen (natürlich vorausgesetzt, diese Person wüsste, wer Lloyd Dobler ist): Dieser Jemand würde dann also im langen Trenchcoat auf der Straße stehen, einen riesigen Kassettenrekorder in die Luft halten, aus dem in voller Lautstärke Peter Gabriels „In Your Eyes“ läuft. Und all das, um die Frau zurückzugewinnen, die er liebt. Das würde wahrscheinlich alles nicht mehr hinhauen. Im Trenchcoat laut Musik machen würde wahrscheinlich eher die Polizei auf den Plan rufen… genau so wie ein Typ, der vor dem Haus einer Frau rumlungert. Zumal… heutzutage würde man wohl eher sein Smartphone in die Luft strecken… und mal ganz ehrlich: Das sieht einfach nicht so cool aus! Wirklich nicht!

Ja, ja, man könnte da fast meinen, dass in unser Zeit kein Platz mehr ist, für solche romantischen Gesten. Da würde man wohl eher den youTube-Link per WhatsApp verschicken oder irgendwas ähnlich langweiliges… Früher waren die Möglichkeiten halt limitierter und da musste man sich dann doch noch was einfallen lassen. Und ja, es ist wieder einmal soweit, Kinder, Opa erinnert sich an die guten alten Zeiten.

Und damit begeben wir uns ins Jahr 1989 und schwelgen mit Cameron Crowe in Erinnerungen an einen wunderbaren Film namens „Say Anything“. Da lernen wir nämlich jenen Lloyd Dobler (John Cusack) kennen – ein junger Highschool-Absolvent, der seine Zukunft im Kick-Boxen sieht. Doch bevor er sich darum kümmern kann, will er wenigstens einmal Diane Court (Ione Skye) um ein Date bitten. Und siehe da, es klappt… und so geht ein Lloyd Dobler mit dem klügsten Mädchen der Schule aus. Doch leider (oder besser: zum Glück) hört „Say Anything“ hier nicht auf… und nein, es bleibt auch nicht alles rosig.

Time to rock… in the name of love!

Das, was mich an „Say Anything“ immer wieder begeistert, sind die verdutzten Gesichter von Lloyds Freunden, wenn er das erste Mal mit Diane auf einer Party auftaucht. Alle Welt fragt ihn, wie er zu diesem Date gekommen ist. Einfachste Antwort der Welt: „Ich habe sie einfach angerufen!“ Und damit ist dann auch klar, dass Lloyd Dobler einfach nur eine coole Sau ist. Und eine ehrliche noch dazu. Sowieso ist das irgendwie der Reiz, den „Say Anything“ aus macht: Auch wenn Lloyd Dobler so rüberkommt, als wäre er der König der Schule, benimmt er sich doch nie so. Er ist ein normaler Typ geblieben, ohne irgendwie zum Mega-Macho zu werden. Aber ganz ehrlich: einen Mega-Macho würde man einem John Cusack irgendwie auch nicht abkaufen.

Lloyd Dobler ist ein Typ, mit dem man einfach mögen. Was natürlich nur daran liegt, dass John Cusack einfach so ein Typ ist, den man mögen muss. Zwar erinnert er mich in seinen jungen Jahren ein bisschen an Shia LaBeouf (zumindest in einigen „ungünstigen“ Einstellungen), aber dafür kann er ja nichts. Cusack strahlt aber in all seinen Teenie-Komödien diese perfekte Kumpelhaftigkeit aus, weswegen es auch nicht verwundert, dass er doch bei Frauen landen kann. Er ist halt einfach ein Charme-Bolzen. Da kann sich auch Ione Skye nicht gegen wehren.

Mit der Rolle der Diane zeigt sich „Say Anything“ auch von seiner anderen Seite und stellt klar, dass es hier nicht nur um eine normale Teenie-Romanze geht. Denn mit Diane bekommen wir auch ihren überehrgeizigen Vater Jim (John Mahoney). Hier spielt dann auch noch ein bisschen das echte Leben mit rein, obwohl es mich immer wieder überrascht hat, dass Mahoney nicht in die Rolle des Widersachers gesteckt wird. In jedem anderen Film wäre er gegen Dobler und die Beziehung zu seiner Tochter, aber hier hat der gute Mann andere Sorgen. Und das sorgt für unerwartete Abwechslung.

„Say Anything“ ist ein Film, bei dem ich während der ersten halben Stunde mit einem zufriedenen Dauergrinsen vor dem Fernseher sitze, um in der zweiten halben Stunde in tiefe Trauer zu verfallen. Wenn der Gute Diane seine Liebe gesteht und dafür nur einen Stift und eine Abfuhr bekommt, ist das schon echt hart. Da denke ich mir immer, es bräuchte ein „Say Anything“-T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich sagte ‚Ich liebe dich‘ und alles, was ich bekam, war ein lausiger Stift!“ Aber genau deswegen mag ich „Say Anything“ so sehr… hier werden alle Stadien der Liebe durchlaufen. Und am Ende lernen wir, dass man auf sein Herz hören sollte. Und das sich manche Dinge auch von ganz allein erledigen. Es wäre zwar schön, wenn das auch in der Realität alles so funktionieren könnte – einmal Peter Gabriel und alles ist wieder gut. Aber für das kleine bisschen Eskapismus von der ach so harten Realität ist „Say Anything“ einfach der perfekte Film!

Vielleicht ist das auch nur wieder Opa, der da spricht und alles von damals doch irgendwie tausendmal cooler findet, als das, was die jungen Kids von heute so mögen, aber „Say Anything“ ist ein perfektes, kleines Filmchen und ein grandioser Start für Cameron Crowe, der in seinem Debüt schon all die richtigen Hebel in Bewegung setzt!

Wertung: 10 von 10 Punkten (kitschig, aber so verdammt liebenswert)

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8 Kommentare leave one →
  1. Martin Minke permalink
    20. Juni 2014 10:20

    Sehr gut, dass du mich daran erinnerst. Diesen Film wollte ich jetzt schon länger mal ansehen, habe es aber ein wenig aus den Augen verloren.
    Jetzt kommt er direkt auf meine (zugegeben recht umfangreiche) To-Do-Liste.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juni 2014 11:29

      Ja, ja, die guten To-Do-Listen. Werden bei mir auch eher länger als kürzer 😀

  2. 21. Juni 2014 18:08

    Sehr schöner text, du alter Romantiker. 🙂 Und ich muss den jetzt dringend sehen!

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2014 12:25

      Danke, danke. Endlich würdigt mal jemand den Romantiker in mir 😀

      „Say Anything“ ist auf jeden Fall sehr sehenswert!!!

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