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Der 128-Stunden-Raub

13. Juli 2020

Mit seiner Serie „Haus des Geldes“ hat der Spanier Alex Pina den großen Wurf gemacht. Was als kleine spanische Serie begann, wurde quasi über Nacht zu einem weltweiten Phänomen. Nachdem man eigentlich nach Staffel 2 aufhören wollte, ging es einfach weiter. Die Fans wollten mehr und es wurde ihnen mehr versprochen. Mehr Staffeln, ein Spin-Off, was nicht alles. Ähnlich wie seine Räuber kann Pina nun nicht mehr aufhören. Einmal angefangen, muss er jetzt weitermachen. Aber bevor ich mich der Frage stelle, wie eine dritte Staffel überhaupt funktionieren kann, wende ich mich erstmal der zweiten zu… die ja eigentlich mit einem sehr runden Finale endet.

Die erste Staffel von „Haus des Geldes“ endete ja mit einem fiesen, aber doch sehr durchschaubaren Cliffhanger: Die Polizei unter Führung von Inspectora Raquel Murillo (Itziar Ituno) hat das Landhaus des Professors (Alvaro Morte) entdeckt… mitsamt aller Pläne. Während der Professor jetzt nicht nur seine weiter aufkeimende Liebe zur Inspectora in den Griff bringen muss, muss er auch noch aufpassen, dass sie ihn nicht enttarnt. Unterdessen gehen die Arbeiten in der Druckerei weiter – unter erschwerten Bedingungen: Berlin (Pedro Alonso) zofft sich mit Tokio (Ursula Corbero) und schickt die kurzerhand gefesselt nach draußen zur Polizei. Nairobi (Alba Flores) entthront Berlin und so weiter und so fort. Schlussendlich werden den Geißeln 1 Million Euro versprochen, wenn sie mithelfen, den Raub zu Ende zu bringen. Alle sind angespannt und unter Hochdruck.

Staffel 2 hetzt so richtig durch die Folgen… was ich jetzt im positiven Sinne meine. Das Tempo steigt an, je höher der Druck für die Räuber wird. Die Spannung in der Notendruckbank ist unglaublich. Die Anspannung enorm… Staffel 2 hat gefühlt mehr „mexican standoffs“ als jeder Tarantino- und Leone-Film zusammen. Die Gemüter sind erhitzt und einmal mehr zeigt sich, wie schwer die Variable Mensch in so einen perfekt ausgedachten Plan passt. Hier dürfen sich die Darsteller mal ein bisschen emotionaler austoben und die Stärken und Schwächen ihrer Charaktere ausloten.

Letztendlich spannender ist aber hier die Geschichte rund um den Professor und seine Inspectora. Das Ding ist nämlich: Alles, was in der Druckerei passiert, hat der Professor vorausgeplant. Selbst Tokios unfreiwillige Freilassung ist kein großes Problem… aber seine Gefühle zur Inspectora sind es. Und wie er hier in jeder Folge improvisieren muss, zu welchen Taten er gezwungen wird, um vor ihr seine Identität zu wahren, ist schon echt super. An diesem Punkt schafft es die Serie dann doch, den allmächtigen und allwissenden Prof ein wenig ins Schwitzen zu bringen. Was dieser Mann braucht… ansonsten könnten wir ihn auch gleich „Gott“ statt „Professor“ nennen.

Wie gesagt, auf der einen Seite finde ich es cool, wie durchdacht sein Plan ist, aber auf der anderen Seite verlieren manche Szenen dadurch auch ihre Spannung. Der Cliffhanger von Staffel 1 zum Beispiel: Natürlich hat der gute Mann auch das geplant… und die Serie hat dann einfach nur die Aufgabe uns aufzuschlüsseln, wie er daran gedacht hat. Dadurch wirkt die Serie durchschaubarer als sie es vielleicht gerne wäre. Ein gewisser Teil der Spannung geht dadurch flöten, wird aber zum Glück durch die Menschen selber aufgefangen… die unbekannte Variable Mensch sorgt dafür, dass der Nervenkitzel bleibt.

Außerdem fordert Staffel 2 sehr viel mehr Opfer von den Räubern… ungewollt und gewollt. Im Finale geht es dann so wirklich aufs Ganze und der gute Berlin bekommt seine Szene, die ihn unsterblich macht.

Alles in allem ein großartiges, spannendes Finale… das aber wirklich auch einen guten Abschluss liefert. Man könnte nach Staffel 1 und 2 einfach Schluss machen. Aber es geht ja noch weiter… ich bin jetzt mal gespannt, wie sie mir in Staffel 3 erklären wollen, warum diese nun schwerreichen Räuber einen weiteren Überfall durchführen wollen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (spannendes Finale, das eigentlich nur wenig zu wünschen übrig lässt)

6 Kommentare leave one →
  1. 13. Juli 2020 10:57

    Da habe ich nur es nur über ein paar Folgen der ersten Staffel geschafft und dann immer mal wieder bei Mann mitgeschaut. Fand ich total daneben. Das Erfolgsgeheimnis dieser Serie wird mir wohl für immer verschlossen bleiben :))

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2020 13:19

      Mir ehrlich gesagt auch. Die ersten Staffeln sind okay und auch gut. Danach wird es in den nächsten Staffeln ein bisschen dumm… da kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, wo dieser Überhype herkommt.

  2. 13. Juli 2020 23:11

    Wie ich schon zu Staffel 1 schrieb, ist das PRISON BREAK 2.0 und hat auch exakt die Stärken und Schwächen der Serie. Vor allem die ständigen Auflösungen der Cliffhanger durch ein simples „das gehört alles zum Plan“, lässt auch hier sehr viel einfach verpuffen. Staffel 3 habe ich mir nicht mehr gegeben, aber mich würde es nicht wundern, wenn es ungefähr so läuft, dass einer der Räuber geschnappt wird und dann a) befreit werden muss oder b) die anderen dazu gezwungen werden, einen Bruch für die Behörden durchzuziehen, damit ihr Kumpane freigelassen wird. Und dann geht der ganze Käse wieder von vorne los und alles gehört zum Plan und blah. Bin gespannt, wie es am Ende ist. Warte also auf deinen Bericht, weil selber gucken, hab ich keinen Bock.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juli 2020 11:42

      Oh Gott… das klingt ja gruselig. So viel kann ich dir zu Staffel 3 schon mal sagen: Es wird einfach nur dumm. Sie wiederholen alles einfach nur noch und deine Option A ist tatsächlich genau das, was sie sich ausgedacht haben, um die Räuber noch einmal in Aktion zu schicken

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