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Das Papierhaus

20. Mai 2020

Wieder einmal wende ich mich einer überaus gehypten Serie zu. Wieder einmal mit Jahren Verspätung, aber gut… manchmal bin ich halt auch einfach zu stolz, um direkt auf einen Serien-Hype-Train aufzuspringen. Aber manchmal ist das mit dem Hype halt auch so eine Sache – den rund um „Tiger King“ verstehe ich zum Beispiel so gar nicht. Ich habe mir mal die erste Folge angeguckt und war von diesem ganzen White Trash nur wenig begeistert. Allerdings könnte das mit mir und diesem True-Crime-Serien noch eine andere, sehr viel persönlichere Bewandtnis haben, auf die ich hier jetzt nicht weiter eingehen will. Da bleibe ich lieber bei fiktivem Crime und habe mir jetzt endlich mal „Haus des Geldes“ vorgenommen. Und ja, Staffel 1 macht schon sehr viel Spaß:

Der Professor (Alvaro Morte) will den größten Raubüberfall Spaniens über die Bühne bringen… dafür lädt er sich acht Spezialisten auf ein altes, verlassenes Landhaus und bereitet sie über Monate vor. Um die Identitäten zu wahren, benennen sich alle nur nach Städtenamen: Da hätten wir dann Tokio (Ursula Corbero), die gleichzeitig auch als unsere Erzählerin fungiert, den Egomanen Berlin (Pedro Alonso), der der Anführer ist und dann noch Nairobi (Alba Flores), Rio (Miguel Herran), das Vater-Sohn Gespann Moskau (Paco Tous) und Denver (Jaime Lorente) sowie die beiden charmanten, aber gefährlich aussehenden Muskelberge Helsinki (Darko Peric) und Oslo (Roberto Garcia Ruiz). Die überfallen nun eines Tages die Banknotendruckerei Spaniens, um 2,4 Milliarden Euro zu stehlen. Mit Geiseln verschanzen sich die Acht in der Druckerei, während draußen die Polizei unter der Führung der Inspectora Raquel Murillo (Itziar Ituno) alles versucht, um das Schlimmste zu verhindern.

Der englische Titel zu „Haus des Geldes“ (im Original ja wortwörtlich: „Papierhaus“) beschreibt die Serie eigentlich ziemlich perfekt: Money Heist. Nichts anderes ist „Haus des Geldes“: ein sehr gut geschriebener und spannender Heist-Film. Gerade die Rückblenden zu der Vorbereitungsphase auf dem Landhaus erinnert an jeden typischen Heist-Film: Jemand erklärt uns den Plan in allen Details. Schön ist dabei, dass wir natürlich nicht alles sofort mitbekommen. Im Gegenteil, manchmal lässt uns die Serie in der ersten Staffel im Glauben, der Plan des Professors hätte Bedingung X oder Problem Y nicht mitbedacht… nur um uns dann in einer Rückblende eines Besseren zu belehren. In den ersten paar Folgen funktioniert das noch echt gut… doch irgendwann ist das auch ausgekaut. Wir wissen ab einem bestimmten Punkt einfach, dass der Professor das Genie schlechthin ist… und jedes Mal, wenn die Serie uns versucht vorzumachen, er hätte etwas nicht bedacht, wissen wir als Zuschauer eigentlich schon ganz genau, dass er es doch gemacht hat. Deswegen bin ich auch erstmal kein Fan vom Cliffhanger… als ob der Professor wirklich all seine Pläne in dem alten Landhaus hängen gelassen hätte, damit die Polizei sie findet.

Da ist es dann ganz gut, dass etwas in den Plan des Professors mit einspielt, dass man nicht vorhersehen kann: Menschen und ihre Geheimnisse, Menschen und ihr Wille zu bescheißen. Sprich: Sein Team. Die sorgen dann gerne mal dafür, dass selbst der Professor ins Schwitzen gerät, was ihn dann wieder sehr menschlich wirken lässt… da muss ich auch sagen, dass ich Alvaro Morte in der Rolle echt super finde. Er spielt diesen gerissenen Mann als Mann des Geistes, der in der Gesellschaft anderer schnell wie ein kleiner, unsicherer Mann wirken kann.

Großer Fan in Staffel 1 bin ich auch von der ganzen Story rund um den Professor und die Ermittlerin Raquel. Das ist spannend gemacht, dass ausgerechnet aus diesen Beiden ein Paar wird… und man förmlich nur darauf wartet, dass die „Bombe“ platzt und sie es erfährt.

Neben der cleveren Heist-Story und dem cool inszenierten Plan sind es in „Haus des Geldes“ eben auch die Charaktere, die wirklich überzeugen… gut, manche mehr, manche weniger. Die Liebesgeschichte zwischen Rio und Tokio fand ich ein wenig aufgesetzt, selbst Tokio als Erzählerin war mir jetzt als Charakter in der ersten Staffel noch zu weit vom Geschehen entfernt. Da hätte ich den Professor schon eher bevorzugt. Sehr gerne mag ich aber auch Berlin-Darsteller Pedro Alonso, der Typ ist super in dieser Rolle. Wie in jeder guten Serie braucht es auch einen Hass-Charakter: und der nervigste Mensch in Staffel 1 war für mich Druckerei-Direktor Arturo (Enrique Arce). Der ging mir echt auf den Keks.

Auf jeden Fall ist Staffel 1 – oder Teil 1, wie es ja bei dieser Serie eher genannt wird – echt spannend. Der Heist ist verdammt cool. Der Plan des Professors ist aufregend, die menschlichen Faktoren, die einiges durcheinanderbringen, passen super. Ich kann dem Hype im Moment tatsächlich nur zustimmen… und bin gespannt, ob die Serie dieses Tempo halten kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (starker Auftakt, starker Cast)

8 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2020 09:00

    Im Kern ist das hier PRISON BREAK mit nem Bankraub. Und dementsprechend forciert ist da auch viel. Man darf auf keinen Fall zu viel über die Handlungen und Entscheidungen der Charaktere nachdenken, denn dann bricht das Konstrukt direkt zusammen wie ein Kartenhaus. Staffel 1 macht aber ne Menge Spaß. Danach kann es aber eigentlich nur schlechter werden, denn das Ding ist erzählt. Das gleiche Problem, dass eben auch PRISON BREAK hatte. Nach dem Bruch ist die Story durch.

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2020 19:35

      Prison Break habe ich nicht gesehen. Aber ich bin hier auch schon sehr gespannt, wie sich das halten wird. Staffel 2 hab ich schon gesehen… aber damit hört ja die originale Story auch auf. Was Netflix da mit noch drei Staffeln danach veranstaltet, will ich fast schon nicht wissen… das kann ja eigentlich nichts werden

      • 20. Mai 2020 21:33

        Ach ja, die hatten das so seltsam gesplittet. Staffel 2 war das Ende des Bruchs. Die hatte ich dann auch noch gesehen.

        • donpozuelo permalink*
          21. Mai 2020 15:18

          Richtig… bei Netflix ist das in zwei Staffeln geteilt. Bin mal gespannt, wie sie schlüssig erklären wollen, dass die nach ihrem erfolgreichen Bruch noch einmal auf Tour gehen.

        • 21. Mai 2020 16:54

          Also bei PB war das letztlich eine riesige Verschwörung, bei der die Protagonisten eigentlich nur Bauernopfer sein sollten und am Ende haben sie dann gegen und für nund mit und ohne die Regierung gearbeitet. Es war ein kompletter Clusterfuck. Irgend so einen Quark wird man bei HdG sicher auch fabrizieren.

        • donpozuelo permalink*
          22. Mai 2020 08:13

          Klingt ja nicht so geil… na ich werde mal schauen, was HdG da noch zu bieten. Irgendwo muss ja dieser Hype (den ich nicht so ganz nachvollziehen kann) ja herkommen.

  2. 22. Juni 2020 21:35

    Lange lange lange hatte ich ja auch so gar keinen Bock darauf, aber inzwischen werde ich etwas neugierig. Ich weiß nicht, was das mit den Hype Trains ist, aber ich traue denen nicht besonders und habe gar nicht so oft Bock drauf. Aber manchmal sind die hypes ja auch berechtigt.
    Andererseits, wenn man manchmal sieht, was in den Netflix Deutschland Top 10 für ein Schmarrn landet, da wirkt so eine Top-10-Position wie nix mehr wert …

    • donpozuelo permalink*
      23. Juni 2020 11:26

      Das stimmt. Die Netflix Top 10 ist manchmal (zu oft) schon gruselig.

      Bei HdG kann ich nur sagen, dass der Hype Train nur für die ersten zwei Staffeln gerechtfertigt ist (wenn man ein Auge zudrückt). Staffel 3 und 4 sind ein müder Aufguss von den ersten beiden Staffeln

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