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Das Fastenmädchen

21. November 2022

Wir reden ja mittlerweile davon, dass es keine richtigen Stars mehr gibt. Früher ist man wegen der großen Namen ins Kino gegangen, heute gefühlt eher wegen der Franchise. Aber ich habe persönlich das Gefühl, dass ich doch noch auch so mein eigenes kleines Star-System habe – was Regisseure angeht als auch Schauspieler. Bei den Damen ist eine Florence Pugh einfach bei mir mit ganz oben dabei. Und auch wenn ich Filmen wie „Don’t Worry Darling“ nichts abgewinnen kann, war ein Florence Pugh großartig. Deswegen gehört ihr Name zu denen, die mich sofort hellhörig werden lassen. Ihr neuester Film ist jetzt ein Netflix-Film (was natürlich erstmal abschreckt, weil Netflix-Film), aber dank Pugh und dem restlichen Cast ist „THE WONDER“ doch durchaus sehenswert, wenn auch mit einigen Fehlern behaftet.

1862 kommt die englische Krankenschwester Elizabeth (Pugh) in einem kleinen Dorf in Irland an, um den Fall von Anna (Kila Lord Cassidy) zu untersuchen. Das Mädchen hat seit vier Monaten nichts mehr gegessen, lebt angeblich nur von heiligem Manna und scheint dabei kerngesund zu sein. Für einige im Dorf ist das natürlich ein Wunder, Anna eine Heilige. Doch andere wollen das genauer untersucht haben. Deswegen wird neben Elizabeth auch noch eine Nonne zu Rate gezogen… und in Schichten sollen die beiden Frauen Anna beobachten und zu einem Ergebnis kommen: Wunder oder nicht.

„The Wonder“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Emma Donoghue, die auch schon die Vorlage zu „Room“ geliefert hat (sowohl Buch als auch Film kann ich nur wärmstens empfehlen). Das hat mich zusätzlich an dem Film gereizt… und gerade nach dem Film frage ich mich, ob ich vielleicht das Buch lesen sollte. Denn so interessant die Geschichte auch ist, fand ich sie etwas eintönig.

Annas Geschichte ist inspiriert von den wahren Geschichten rund um Fastenmädchen aus dieser Zeit, bei denen sich wohl aber die Wissenschaft uneins ist, wie man das greifen soll. Einige beschreiben es als frühe Form der Anorexie, andere sehen es wirklich im religiösen Fasten verwurzelt. Es gibt beide Seiten… und der Film präsentiert uns das ja auch, in dem eine Krankenschwester und eine Nonne diesen Fall „ermitteln“. Was ich nur persönlich schade fand, ist die Tatsache, dass wir nur Elizabeth‘ praktische, wissenschaftsorientierte Seite zu Gesicht bekommen… und die Nonne als Figur für den Film eigentlich absolut nicht relevant ist. Da hätte man einen sehr viel interessanteren Clash der Ansichten aufbauen können. Klar, wir haben das immer noch, weil natürlich Annas Familie an dem Göttlichen ihrer Tochter festhält… es wäre in meinen Augen aber interessanter gewesen, die Nonne mehr ins Boot zu holen. Immerhin ist sie als Frau der Kirche eher prädestiniert, Annas Geschichte Glauben zu schenken. Da verpasst der Film einfach eine gute Chance, den Fall Anna besser auszubauen.

So zieht sich der Film dann leider auch ein bisschen, auch wenn er eigentlich gar nicht so lang ist. Aber Elizabeth zieht einfach nur von ihrer Pension zu Annas Haus und wieder zurück, untersucht das Mädchen und das war’s. Es gibt dann noch eine Nebenhandlung mit einem Journalisten aus London (Tom Burke), der über Anna schreiben will… aber die wirkt etwas lose einfach hinzugefügt, um Elizabeth noch ein Hindernis ans Bein zu binden. Dadurch fehlt mir im Film einfach auch mehr von der Zeit, die Elizabeth mit Anna verbringt. Hier hätte man auch viel mehr noch auf so eine Art Mutter-Tochter-Ersatz-Geschichte eingehen. Die Beziehung zwischen Krankenschwester und Mädchen wirkt dann auch teilweise einfach zu sehr konstruiert, als das es mich wirklich packt und mitreißt.

Florence Pugh ist natürlich trotzdem wieder toll in der Rolle. Die Frau könnte wahrscheinlich auch eine Blume im Blumentopf spielen und da noch eine Wucht und Tiefe in die Rolle bringen, die einen umhaut. Auch der restliche Cast ist wirklich stark – gerade auch die junge Kila Lord Cassidy spielt wirklich stark auf. Aber erzählerisch hätte ich diesem Cast einfach eine etwas vielseitigere Story gewünscht.

Wertung: 6 von 10 Punkten (interessantes Historien-Drama, das einige spannende Punkte nicht stark genug ausbaut)

4 Kommentare leave one →
  1. kathl7 permalink
    22. November 2022 22:31

    Den Film kenn ich nicht, bin aber vom Buch begeistert. Hier wird zwar auch alles aus der (eher wissenschaftlichen) Sicht von Elisabeth gezeigt, aber das störte mich nicht. Die andere Seite wird durch ihre Augen trotzdem gut beleuchtet.
    Werd den Film beizeiten nachholen, weil ich doch neugierig auf die Umsetzung bin.

    • donpozuelo permalink*
      24. November 2022 11:04

      Die andere Seite fehlte mir im Film ein bisschen. Da waren sie dann halt zu sehr an Florence Pugh dran. Aber gut, gerade mit dieser Thematik kann man wahrscheinlich im Buch besser umgehen

  2. 8. Dezember 2022 00:08

    Also ich fand den richtig gut. Die Nonne war doch völlig uninteressant. Für mich ging es um das Wie und Warum, weniger um einen „Glaubenskrieg“, da die ganze Geschichte ja von der Mutter recht durchschaubar manipuliert wurde.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2022 17:19

      Ich fand ihn auch nicht schlecht, aber irgendwas hat gefehlt 😅🙈

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