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Die Trompeten von Jericho

29. Mai 2015

Ich muss gestehen, dass ich nicht so wirklich weiß, woher Kevin Smith seinen Kult-Status hat. Also ja, ich weiß, dass er als Silent Bob in „Clerks“ (den er ja auch geschrieben und gedreht hat) diesen Status erlangt hat. Und ich liebe „Dogma“, aber damit hört mein Wissen rund um Kevin Smith auch schon auf. Dann habe ich mir natürlich letztens „Tusk“ angeschaut, weil ich dachte: „Oh, das klingt witzig!“, aber dem war nicht so… leider! Ein Kollege auf Arbeit meinte daraufhin zu mir, ich solle mir mal seinen vorletzten Film anschauen, der sei richtig, richtig gut. Okay, hab ich gemacht… aber richtig, richtig gut war „Red State“ leider auch nicht.

Die Freunde Travis (Michael Angarano), Jared (Kyle Gallner) und Billy Ray (Nicholas Braun) treffen sich mit einer Frau (Melissa Leo), die sie durchs Internet kennengelernt haben und die eingewilligt hat, Sex mit allen dreien gleichzeitig zu haben. Für die Freunde natürlich ein Angebot, das sie nicht ausschlagen wollen. Doch die ganze Geschichte ist nur eine Falle. Denn statt Sex werden die drei Freunde von Mitgliedern der Five Points Trinity Church gefangen genommen – eine ultra-religiöse Gruppe unter Führung von Abin Cooper (Michael Parks), die gegen alles ist und somit auch schnell im Visier von Agent Joseph Keenan (John Goodman) ist… und somit ist Ärger vorprogrammiert.

Who’s entering a world of pain now????

Ich hatte Hoffnungen für „Red State“, als der ganze Film begann… denn was anfängt, wie so eine Art „American Pie“, in dem drei pubertierende Jungs auf die schnelle Nummer aus sind, wird schnell zu einem scheinbar harten Torture-porn mit Botschaft. Ich weiß, das klingt ganz schön krass, nicht wahr? Aber es stimmt… das dachte ich noch wirklich.

Wenn Michael Parks als Pastor Abin anfängt in einer (ungelogen) 15-minütigen Hassrede über alles herzuziehen, was seinen Anschauungen zuwider ist, dann gruselt es einen schon ganz schön. Vor allem, weil Kevin Smith hier ja Bilder projiziert von realen fanatischen Gruppen, von denen man ja immer mal wieder aus den USA hört. Besonders an die Westboro Baptist Church aus Kansas lehnt Smith seine fiktive Gruppe. Die sind ja mit so tollen Sprüchen wie „God hates Fags“ zu trauriger Berühmtheit gekommen und stehen somit für ein Land, vor dem man einfach auch immer ein bisschen Angst haben muss. Auf der einen Seite immer Weltpolizei spielen wollen und dann aber solche Sachen zulassen.

Smith geht in diesem religiösen Fanatismus voll auf und präsentiert uns eine Gruppe, die vor nichts zurückschreckt, die alle brav ihrem „Führer“ folgen. Und den vermittelt Michael Parks mit erschreckendem Charisma als der nette Opa, den alle Kinder der Gemeinde lieben und den sadistischen Freak, der alles umbringt, was ihm nicht passt.

Bis hierhin ist „Red State“, wie gesagt, echt noch sehr interessant und sehenswert… doch dann… tja… dann weiß ich nicht so wirklich, was Kevin Smith danach geraucht hat.

Anstatt diesen religiösen und überzogenen Fanatismus weiter in die Mangel zu nehmen, entfernt sich Smith von allem, was „Red State“ wirklich gut hätte machen können. Denn dann taucht irgendwann plötzlich ein vollkommen fehl am Platz wirkender John Goodman und liefert sich den Rest des Films eine vollkommen absurde Schießerei mit den Herrschaften dieser Gemeinschaft. Da geht das ganze Potenzial einer guten Idee im Kugelhagel unter.

In dem Kugelhagel geht halt nicht nur die Story unter (weil sie jetzt quasi gar nicht mehr existiert und wohl auch allein nur dazu gedient hat, diesem Kugelhagel irgendeine Grundlage zu geben). Es sterben auch sämtliche Charaktere – also im übertragenen Sinne. John Goodman hatte ich ja schon erwähnt. Der hat in diesem Film nichts zu suchen, weil er einfach nicht dazu kommt, ein cooler John Goodman zu sein. Michael Parks bekommt seine 15 Minuten Glanz, bevor auch er dem übergeordneten Geballer weichen muss. Und auch alle anderen Darsteller verblassen so sehr, dass man sich schon fragen muss, wie Smith sie überhaupt dazu bewegen konnte, mitzumachen. Wahrscheinlich hat er ihnen nur vorm ersten Teil des Films erzählt…

Also… „Red State“ ist halt wirklich nicht richtig, richtig gut. Nach einem interessanten Anfang versackt die Story im Nichts, wird langweilig und einfach nur bizarr – irgendwie sehr schade. (Guck dir mal „The Sacrament“ an, Kevin, dann weißt du, wie man es auch richtig hätte machen können!)

Wertung: 5 von 10 Punkten (geiler Ansatz, fieser Umrbuch in der Story und dann Langeweile durch Bleigewitter)

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11 Kommentare leave one →
  1. 29. Mai 2015 10:26

    Smith hat einfach diese Leichtigkeit verloren, mit der seine früheren Filme daher kamen. Clerks, Dogma, Mallrats, leben in erster Linie von überzeichneten Charakteren und guten Dialogen, wodurch die Filme eben sehr kurzweilig werden. Irgendwie versucht der mir mittlerweile zu sehr, irgendwie noch ne Botschaft in den Film zu klatschen (die Dogma zwar auch hatte, aber da eben nicht so gezwungen wirkte).
    Die drei genannten Filme sind auch die einzigen von ihm, mit denen ich was anfangen kann. Das macht für mich noch nicht wirklich nen Kult-Regisseur. Zumal seit Clerks 2 (den ich zumindest noch okay fand), nur noch Müll kam.
    Nur Chasing Amy müsste ich unbedingt mal nachholen.

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2015 14:49

      Danke, ich weiß auch nicht so recht, was dieser Kevin-Smith-Hype zu bedeuten hat. Die letzten Filme von ihm fand ich alle eher furchtbar langweilig und belanglos. Vielleicht muss ich wirklich ein paar mehr von den alten Sachen gucken.

      • 29. Mai 2015 20:21

        Wie gesagt: Dogma, Clerks und Mallrats sind klasse. Mit Abstrichen dann noch Clerks 2 und Jay und Bob schlagen zurück. Da kannste überall mal nen Blick riskieren.
        Und Chasing Amy soll auch sehr gut sein, aber den kenne ich eben selbst noch nicht.
        die Stärken von Smith liegen halt wirklich darin, seine Charaktere einfach über den größten Schwachsinn philosophieren zu lassen. In den opoben genannten funktionierrt gerade das einwandfrei.

  2. 29. Mai 2015 12:14

    Bei John Goodman muss ich Dir zustimmen, die schwächsten Szenen waren mit ihm, aber insgesamt fand ich den Film wirklich gut, viel besser als „The Sacrament“. „Tusk“ mag ich auch gerne und offensichtlich liegen mir eher die alten Smith Sachen nicht so :))

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2015 14:50

      Ich habe tatsächlich eigentlich nur „Dogma“, „Tusk“ und den hier gesehen, deswegen kann ich mir da kein so genaues Urteil fällen wie gut (oder schlecht) Smith nun wirklich ist. Aber gerade „Tusk“ und „Red State“ fand ich eher unspektakulär…

      • 29. Mai 2015 19:19

        Dogma hatte gute Momente, aber zum Beispiel Chasing Amy ist sooo grottig mies…egal. Dir gefallen die Filme eben nicht. Ist ja auch okay. Michael Parks hat für die Monologe in beiden Filmen einen kleinen Schrein bei mir bekommen. Ich stehe echt drauf :))

        • donpozuelo permalink*
          30. Mai 2015 10:17

          Michael Parks ist super… sowohl hier als auch in Tusk. Hat mir auch super gefallen.

  3. 31. Mai 2015 17:58

    Der Kollege meinte bestimmt den vor-vor-vorletzten Film … oder so. Aber ich sehe ja in allem/vielem das Gute: dein Artikel war lustig zu lesen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      31. Mai 2015 23:04

      😀 Vielen Dank. War der Film wenigstens doch noch zu was gut…

  4. 5. Juni 2015 19:52

    Hatte den Film damals auf dem FFF gesehen und fand ihn furchtbar schlecht. Das die Story und die Auflösung nicht funktionierte, hatte man in der Produktion wohl selbst erkannt und deshalb diese 15 Minuten Befragung noch an das Ende gesetzt, die das ganz wohl noch halbwegs erklären sollte. Ging aber gründlich in die Hose.

    • donpozuelo permalink*
      7. Juni 2015 18:01

      Ja, danke! Ist wirklich ein Film, bei dem man sich wieder einmal fragen muss, wie der überhaupt Geld für seine Produktion bekommen hat.

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