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Walrosse sind bessere Menschen

18. Mai 2015

Ich gebe zu, ich bin voreingenommen… als es irgendwann mal hieß, dass Kevin Smith einen Film darüber machen würde, indem ein verrückter Doktor einen Mann zu einem Walross umwandeln will, war ich nicht wirklich sicher, was ich davon halten sollte. Auf der einen Seite fand ich es ganz interessant, mal wieder ein Projekt von Kevin Smith erwarten zu können, auf der anderen Seite war da diese Angst… diese Angst, die kranke Filme wie „The Human Centipede“ hervorgerufen haben. Würde Smiths „Tusk“ in die gleiche Richtung gehen?

Nein, zum Glück wird es nicht ganz so abartig, aber im Endeffekt ist die Story genauso gaga, hirnverbrannt und absurd wie bei Tom Six’ Tausendfüßler-Experimenten. Allerdings gibt sich Smith immerhin Mühe, uns das irgendwie „plausibel“ darzulegen: Der Podcaster Wallace (Justin Long) trifft bei einem Trip nach Kanada auf den merkwürdigen Einsiedler Howard Howe (Michael Parks), der ihm aufregende Geschichten aus seinem Leben erzählt – unter anderem auch die von Mr. Tusk, dem Walross, das Howe angeblich vor dem Ertrinken gerettet haben soll. Doch der Abend endet für Wallace in einer Ohnmacht und als er wieder zu sich kommt, muss er feststellen, dass Howe schon angefangen hat, ihn zum Walross umzumodellieren.

Ein Tee noch vor der Walross-Werdung…

„Tusk“ ist einer dieser Filme, den man nun wirklich nicht mit Ernst betrachten darf. Aber das dürfte auch bei dieser Story nun wirklich niemandem in den Sinn kommen. Kevin Smith serviert hier den größten Trash, aber – und das wiederhole ich gerne nochmal – ohne die krasse Abartigkeit von „The Human Centipede“ zu erzeugen. Irgendwie ist „Tusk“ was den ganzen Body-Transformation-Horror angeht, noch halbwegs erträglich…

Dafür sorgt bis zu einem gewissen Grad ein hervorragender Michael Parks. Wenn der ins Erzählen gerät, kann man sogar vergessen, dass er totalen Müll von sich gibt. Denn er trägt diesen Müll mit so einer „Würde“ und „Glaubhaftigkeit“ vor, dass man ihm fast schon gebannt zuhört. Er ist der „perfekte“ verrückte Doktor… irgendwo im Nirgendwo von Kanada, dem wahrscheinlich die Einsamkeit ordentlich die Gehirnverbindungen zerfressen hat.

Leider hat „Tusk“ dann doch ein paar Probleme: Zum einen wären da die anderen Darsteller des Films. Zwar ist’s mal ganz interessant, „The Sixth Sense“-Kiddo Haley Joel Osment wiederzusehen, aber außer laut lachen und seinen Dackelblick zu machen, kann der Gute auch nicht viel. Ähnlich ergeht es uns auch mit Justin Long und der immerhin nett anzuschauenden Génesis Rodríguez, die für ein bisschen Weiblichkeit sorgen darf, in dem sie ab und an in Unterwäsche durchs Bild läuft.

Zum anderen hat „Tusk“ ein unheimliches Längenproblem – für einen Film mit diesem sinnfreien Trash-Gehalt versucht Kevin Smith ziemlich lange, das Ganze mit Inhalt zu füllen. Und so streckt sich das gute Stück auf stolze 105 Minuten oder so – inklusive merkwürdiger Rückblenden, die Howes Geschichte verdeutlichen oder der Gastauftritt eines Stars, der hier mit schlechtem französischen Akzent verzweifelt versucht, die langen Mono- und Dialoge von Smith irgendwie interessant rüber zu bringen. Anstatt die ohnehin schon hanebüchene Story anzuziehen, belastet uns Smith halt einfach mit etlichen Erklär-Bär-Momenten. Die Dialoge sind teils echt mies, teils einfach nur langweilig – da bleibt nur die Frage, ob es am Drehbuch, an den „Darstellern“ oder an allem liegt… und darauf weiß ich nun wirklich keine Antwort.

Auf jeden Fall ist „Tusk“ irgendwie so lala… man darf halt wirklich nichts erwarten und selbst dann tut man sich schwer mit dem Gesülze über Walrosse und warum sie die besseren Menschen sind. Dazu kommt dann noch zum Ende hin ein Walross-Mensch, bei dem man nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll und sich am Ende für eine Mischung aus beidem entscheidet.

Naja, immerhin liefert Smith eine ganz witzige Schlusspointe und es gibt ja auch immer noch der genial-verrückten Michael Parks, aber wenn man „Tusk“ verpasst, hat man auch wirklich nichts verpasst. (Erschreckender finde ich da dennoch die Tatsache, dass Smith daraus eine Trilogie macht – die „True North“-Trilogie hat aber nicht immer was mit Walrössern zu tun)

Wertung: 4 von 10 Punkten (äh… ja… weniger wäre mehr gewesen, Mr. Smith)

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3 Kommentare leave one →
  1. 22. Mai 2015 18:22

    Oh man … bei dem Film war ich ein Trailer-Opfer. Ich hatte sogar richtig Bock den Film zu gucken, weil ich dachte, dass es mehr von diesem verrückten Horror-Humor geben würde. Stell sich das einer vor …
    Aber dann fand ich den Rest einfach zu abstrus und die Charaktere zu unliebenswert. Anfangs wars alles noch ganz spannend und bei der Sache mit dem Bein dachte ich mir: das hast du jetzt davon dich über die Leute in deinem Podcast lustig zu machen. Aber der Rest der Transformation kam zu schnell und den Gastauftritt fand ich extrem peinlich … dann gings nur noch bergab. Ich bewundere immer wieder wie Trailer gebastelt werden, die den Film besser machen als er ist…

    • donpozuelo permalink*
      26. Mai 2015 11:38

      Ja, so ging’s mir eigentlich auch. Den Trailer fand ich auch recht interessant, der Film ist es dann so gut wie nie. Schade… da hätte man echt mehr draus machen können.

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