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Auftragen, polieren

27. Mai 2015

Es ist schon faszinierend zu sehen, welchen Einfluss manche erfolgreiche Serien doch haben. Es ist ja einer der zahlreichen Running Gags aus „How I Met Your Mother“, dass Barney Stinson erklärt, dass es in „Karate Kid“ ja nicht wirklich um Daniel geht, sondern um den blonden, bösen Johnny. Aber der ist ja nicht wirklich böse, sondern das wahre „Karate Kid“. Immerhin kennt er sich aus. Tja, und warum komme ich jetzt darauf? Ich habe neulich eine Project Pop Art Steelbook Edition vom originalen „Karate Kid“ bekommen… und was findet sich da auf dem Cover? Die komplette Crew von Cobra Kai und auf der Rückseite dann noch das Logo mit der Faust. Nicht Mr. Miyagi, nicht Daniel-san, kein „Karate Kid“, sondern die Bösen! Weil die ja laut Barney Stinson viel cooler sind… verrückte Welt.

Aber ob man nun Daniel-san anfeuert oder wie Mr. Stinson Johnny – Hauptsache, man guckt den kitschigsten, klischeebehaftetsten und den 80iger-jahrigsten Underdog-Film aller Zeiten (und bloß nie wieder dieses furchtbare, furchtbare, furchtbare, furchtbare, furchtbare, super-mega-furchtbare Remake): „Karate Kid“.

Daniel LaRusso (Ralph Macchio) zieht mit seiner Mutter ins sonnige Kalifornien. Für sie ein wahr gewordener Traum, für Daniel eher ein Alptraum. Zwar verliebt er sich schnell in die sympathische Ali (Elisabeth Shue), blöd nur, dass sie die Ex von Johnny (William Zabka) ist, der daraufhin natürlich Gefallen daran findet, seine Karate-Künste an dem armen Daniel auszulassen. Der kann sich auch nicht wehren, bis er den Hausmeister Mr. Miyagi (Pat Morita) kennenlernt, der ihm Karate beibringt – auf sehr merkwürdige Art und Weise (durch Autos polieren und Zäune streichen).

Try eat air with chopsticks. Very difficult, Daniel-san.

Alle asiatischen Menschen sind gut in Kampf-Sport-Arten. Die Kunst zu Kämpfen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Außerdem sprechen Asiaten mit lustigen Akzenten und geben des Öfteren Konfuzius-artige Weisheiten von sich. Zudem sind sie ruhig und gesittet, vertragen aber kein Alkohol. Das sind nur einige der Klischees, derer sich „Karate Kid“ bedient. Auch wenn man manchmal schon sehr darüber schmunzeln muss, passt sich das Ganze doch sehr schön dem Film an und wirkt jetzt nie wirklich abwertend. „Karate Kid“ ist halt auch irgendwie immer noch ein Kinder-Film und da stört diese eigentlich haarsträubende Naivität mal eben kein bisschen. Pat Morita ist und bleibt der Meister aller Meister, der wahre Yoda für einen Mini-Luke-Skywalker (da kommt auch ein Jackie Chan nie im Leben ran)…

Andere Klischees, die der Film bedient, hier jetzt aufzulisten, würde irgendwie vermitteln, dass der Film schlecht ist. Und das will ja nun wirklich keiner. Denn „Karate Kid“ ist ein toller Film. Ein Kindheitsfilm, der auch die Jahre meines Erwachsen-Werdens (es ist noch nicht abgeschlossen) gut überstanden hat. Man fiebert immer noch mit Daniel mit – sowohl bei seinen Bemühungen Karate zu erlernen als auch bei seinem Werben um Ali. Und ich könnte nicht einmal sagen, was es wirklich ist, dass „Karate Kid“ so gut macht. Es ist halt dieser perfekte 80er Look, komplett mit der Musik, den Outfits und dem lockerleichten Leben, in dem man mal eben durch Auftragen und Polieren genug Karate lernt, um am Ende der Größte zu sein. Somit ist „Karate Kid“ vielleicht auch die kinderfreundliche Propaganda des amerikanischen Traums: Selbst wenn dich keiner mag, kannst du es schaffen, dass dich alle mögen, du das Mädchen bekommst und deinem schlimmsten Feind mal so richtig die Fresse polierst. Herrlich…

Aber ganz ehrlich: Egal, wie vollgestopft dieser Film ist mit Kitsch und Klischees: Er funktioniert… weil er sich selbst nicht zu ernst nimmt und es immer wieder schafft, dass wir über eine ethnische Minderheit schmunzeln können… nein, wirklich… es ist ein witziger Film, ein grandioses Underdog-Drama mit viel Herz. Ein Film, den ich immer wieder gucken könnte und ein Film, der mich hoffen lässt, dass das mit dem Auto-Wachsen vielleicht doch keine so schlechte Idee ist.

Wertung: 10 von 10 Punkten (Mr. Miyagi, Sensei… wir verneigen uns)

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