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Noah und der Regenbogen

14. April 2014

Ich bin Atheist… und deswegen habe ich nie ein Problem damit gehabt, dass man die Bibel einfach nur als eine Sammlung von Geschichten ansieht. Geschichten, die für viele Leute von enormer Bedeutung sind und die einige sogar für wahr halten, aber für mich sind und bleiben es dennoch Geschichten… und deswegen kann ich wohl auch eher damit zurecht kommen, wenn jemand eine „Bibelgeschichte“ verfilmt und sich vielleicht nicht unbedingt an die Vorlage hält (ist doch im Endeffekt wie mit jeder Buchverfilmung).

Und so hat es mich auch nicht sonderlich gestört, dass Darren Aronofskys „Noah“ eigentlich mehr ein Fantasy-Märchen. Die Grundgeschichte kennt jeder und daran verändert Aronofsky auch nicht sonderlich viel: Noah (Russell Crowe) hat Visionen vom Weltuntergang… von einer riesigen Flut, die all das Böse ertränken wird. Also baut Noah eine Arche, um von allem Getier und von allem, was da kreucht und fleucht, zwei mitzunehmen. Die Unschuldigen überleben, die Bösen sterben… doch Tubal-Kain (Ray Winstone) will – trotz seines bösen Tuns – mit auf die Arche.

My ship is also my castle…

Ich muss gestehen, dass ich ja nie die Bibel gelesen habe und ich deswegen natürlich leicht davon zu beeinflussen bin, was Medien und Filme mir über die Bibel erzählen. In dieser Hinsicht wehrt sich Aronofsky erfolgreich gegen die üblichen Klischees und versucht, seinen „Noah“ besonders aussehen zu lassen – was mal so und mal so funktioniert. Viele seiner Ideen fand ich sehr spannend, andere einfach nur langweilig, albern und zu sehr gewollt:

Dinge, die mir an Noah gefallen haben:

Noahs Arche ist kein Schiff, sondern einfach nur ein übergroßer Kasten. Schließlich will Noah ja nirgendwo hinsegeln (es gibt ja nichts mehr nach der Sintflut), sondern einfach nur überleben. Dass die gefallenen Engel Noah beim Bau der Arche helfen, fand ich auch gut (ich wusste nämlich nie, wie ein Mann ganz allein so ein Riesending bauen könnte).

Besonders beeindruckend fand ich, dass Aronofsky bemüht war, den Himmel anders aussehen zu lassen. Klar, der ist immer noch blau und mit fluffigen weißen Wölkchen versehen, aber selbst am Tag strahlen hier und da ein paar Sterne und in der Nacht leuchten verschiedene Polarlichter und Sternenkonstellationen, wie wir sie vielleicht gar nicht kannten. Hier hat sich jemand offensichtlich viel Gedanken um selbst die kleinsten Dinge gemacht… und das fand ich nett. Schließlich sollte die Welt vor der Sintflut ja schon ein bisschen anders aussehen als die danach. Und schlussendlich erfahren wir sogar, vorher Regenbögen kommen… toll, nicht wahr?

Schmunzeln musste ich auch, als Noah seinen Kindern (Logarn Lerman, Douglas Booth und Emma Watson, die aber nur seine Adoptiv-Tochter spielt, weswegen es okay ist, dass sie mit Douglas Booth rummacht) die Schöpfungsgeschichte erzählt und Aronofsky es mit Bildern aus der Evolutionstheorie bebildert und somit deutlich macht, dass wir doch vom Affen abstammen… dass das noch nicht sauer in den USA aufgestoßen ist, wundert mich sehr.

Dinge, die mir an „Noah“ nicht gefallen haben

Für eine knapp 120 Millionen-Dollar-Produktion sind die CGI-Elemente absolut grauenhaft. Die gefallenen Engel, die Noah beim Bau der Arche helfen, sind mekrwürdig verkrüppelt Steinwesen und sehen einfach nur albern aus. An den Anblick konnte ich mich den ganzen Film über nicht gewöhnen. Gleiches gilt für die Tiere, die auch allesamt animiert wurden. Deren Anblick muss man nicht so lange ertragen, weil Noah und seine Familie das Weihrauch-Schwenken erfinden und damit alle Tiere in einen tiefen Schlaf lullen.

Ich fand es zwar ganz gut, dass Aronofsky sich nicht nur auf das Bauen der Arche beschränkt, sondern aus „Noah“ so eine Art Familien-Drama mit psychologischem Touch macht. Da ist ein Russell Crowe dann am Ende ein leicht verrückter Mensch, der seine Enkel töten will und somit die ganze Familien-Dynamik auf den Kopf stellt. Gestört haben mich dann aber zwei Sachen: Logan Lerman ist quasi ganz allein und ganz notgeil, will unbedingt auch ein Weibchen auf der Arche und dreht deswegen vollkommen durch. Das war an sich irgendwie noch glaubwürdig, aber trotzdem miserabel gespielt und fehl am Platze.

Viel schlimmer fand ich aber diese ganze „Noah-dreht-auf-der-Arche-durch“-Nummer. Ich habe mir die ganze Zeit nur gedacht: „Wozu?“ Selbst wenn er durch das Töten der Enkel verhindern will, dass die böse Menschheit sich weiterentwickelt… wie kann die Menschheit sich überhaupt aus so einer kleinen Familie aufbauen? Inzucht? Ist es das, was Aronofsky uns sagen will. Alle sind tot und Noah und seine Familie bevölkern fröhlich die Erde? Da hätte ich ja der Glaubwürdigkeit halber noch zwei Familien mit dazu geholt oder sowas… Aber vielleicht ist das auch nur wieder der Ungläubige in mir, dem diese von Crowe großartig gespielte Nummer einfach ein bisschen zu viel war.

„Noah“ ist so ein Film, bei dem ich jetzt immer noch nicht so richtig weiß, was ich von ihm halten soll. Die Story hat mich eigentlich kaum wirklich gefesselt, die Darsteller – allen voran an Russell Crowe – waren gut, aber auch nicht zu hundert Prozent überzeugend. Hätte Aronofsky mal doch lieber einen coolen „Wolverine“ gedreht… dieses Noah-Projekt ist nicht so richtig gelungen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Noah, das Fantasy-Drama, in dem das Wort Gott nicht gesagt wird und in dem wir uns trotzdem mit einem Augenzwinkern vor Darwin und Co. verneigen)

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11 Kommentare leave one →
  1. 14. April 2014 08:46

    Na, ich werde ihn wohl trotzdem gucken. Ich mag Crowe und bin gespannt, wie er den ollen Noah spielt. Was die Geschichte selbst betrifft… original erzählt wäre die wohl auch einschläfernd, wohl der Grund, weswegen sie noch nie verfilmt wurde. Da musste schon erst jemand kommen, der sich traut, ein bisschen Äktschn rein zu bauen. Die animierten Tiere werden mir nicht gefallen. Das weiß ich jetzt schon. Mir gefällt der animierte Kram nie, außer es handelt sich um einen ausgewiesenen Trickfilm. Ich finde, Hollywood macht sichs ganz schön einfach mit dem ganzen animierten Sch…ß

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2014 09:38

      Crowe ist wirklich gut… ein herrlich grimmiger und teils ruppiger Noah mit „Jack Nicholson aus The Shining“-Anleihen 🙂

      Die Animationen sind hier alle nicht so doll. Weder von den Engeln noch von den Tieren noch von der großen Flut. Klar, die Tiere alle in echt da vor der Kamera zu haben, wäre wohl ein bisschen zu viel verlangt gewesen, aber dann doch bitte etwas besser in Szene gesetzt. Gerade die Schlangen sehen teils einfach nur gruselig schlecht aus. Naja… immerhin ein Noah mit Äktschn, aber das macht es auch nicht wirklich besser.

  2. 14. April 2014 09:53

    Der kommt mit 5 noch gut weg. Optisch hui (ich rede nicht vom Harryhausenesquen CGI), inhaltlich pfui. Und das mit der Inzucht ist so eine Sache, selbst bei 2 Familien liefe es letztlich ja auch auf Inzucht hinaus. Ich glaube da müsste Noah ein ganzes Dorf mitnehmen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2014 10:23

      Eben… so ganz habe ich das auch alles nicht verstanden, wie das funktionieren soll. Aber wahrscheinlich hilft Gott dann ein bisschen aus, damit nicht alle total verrückt werden 😀

      Optisch fand ich den jetzt auch nicht sooo hui. Es gab ein paar nette Sachen (wie gesagt, dass mit dem Himmel fand ich nicht schlecht), inhaltlich pfui… darüber brauchen wir wirklich nicht weiter reden.

  3. 14. April 2014 10:18

    Mir hat der Film sehr gut gefallen, vor allem da Aronofsky seinen eigenen Kosmos aus der Geschichte spinnt.
    Das „Familien-Drama mit psychologischem Touch“ ist allerdings sehr viel mehr als das. Noah mausert sich zum religiösen Fanatiker, und der Film ruft zu Toleranz auf und verweist darauf, dass das Fortbestehen des Lebens nicht in der Verantwortung Gottes, sondern einzelner Menschen liegt.
    Die Steinriesen fand ich außerdem gerade wegen ihrer Verkrüppelung sehr gelungen (als Kontrast zum eigentlichen Wesen von Engeln), und allzu oft sieht man die animierten Tiere ja gar nicht, sodass mich das nicht herausgerissen hat. Das ist doch nur ein kleines Detail im großen Ganzen.

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2014 10:26

      Klar, das fand ich auch gut. Aronofsky macht da schon wirklich sein Ding draus und das muss man auch lobend anerkennen. Er vermeidet es ja zum Glück auch, die üblichen Noah- / Arche-Klischees zu übernehmen. Aber es hat mich halt trotzdem an keiner Stelle so richtig gepackt. Den religiösen Fanatiker Noah fand ich ebenso langweilig wie unnötig. Mich hat dieser ganze Aspekt nicht wirklich dazu animiert, da an Toleranz zu denken. Es wirkte für mich eher so gezwungen reingeschrieben, damit man noch ein bisschen mehr darüber erzählen kann, wie es der Familie auf dem Schiff geht und das selbst auf der Arche, wo ja eigentlich nur noch die guten und reinen Lebewesen sind, nicht alles Friede Freude Eierkuchen ist.

  4. 14. April 2014 14:46

    Unsere Reviews tangieren sich zur Zeit … meine geht morgen online 😉
    Über die Punkte zerbreche ich mir allerdings immer noch den Kopf, obwohl ich den Film Samstag gesehen hab. XD
    Bei manchen Sachen ging es mir ganz ähnlich wie dir, zum Beispiel die Steinwesen. Aronofsky ist dank Black Swan einer meiner Lieblingsregiesseure, aber über die „Wächter“ komme ich glaube ich nicht so schnell hinweg.

    Obwohl ich Christin bin, kann ich das ganze Aufhebens mancher anderer Reviewer über die Korrektheit nicht ganz verstehen. Selbst mein nicht-gläubiger Begleiter hat sich darüber aufgeregt. Was solls? Solange der Grundgedanke erhalten bleibt? Ich kenne 2, 3 Leute die sehr stark mit der Kirche verbunden sind und selbst die sagen, dass man vieles in der Bibel als Metapher lesen sollte.
    Ansonsten war mir der Film etwas zu bunt … Regenbögen … leuchtender Adam, leuchtende Eva, whoah. So bunt.

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2014 15:07

      Es ist halt eigentlich mehr ein Fantasy-Märchen… bei „Bibel“ und „Korrektheit“ tue ich mich eh immer schwer, die in Verbindung zu bringen. Zumal ja jeder diesen „Grundstoff“ für sich auslegen kann, wie er will.

      Ich habe den Film eigentlich auch nur geguckt, weil ich bis jetzt noch alles von Aronofsky mochte… und ich meine wirklich alles. Ich habe ja manchmal das Gefühl, der einzige zu sein, der auch „The Fountain“ gut findet.

      Naja, dann bin ich mal auf morgen und deine Review gespannt 😀

      • 14. April 2014 15:11

        „The Fountain“ … da bringst du mich auf Ideen. Den sollte ich mir dringend mal wieder ansehen. Beim ersten Mal war ich etwas enttäuscht, weil ich es zu esoterisch fand. Hätte aber auch niemals gesagt, dass es ein schlechter Film ist. Die Gegenwarts-Geschichte fand ich zum Beispiel ausgesprochen schön und traurig. Nur der fliegende Hugh Jackman war mir irgendwie zuviel … XD Muss ich mal wieder schauen 🙂

        • donpozuelo permalink*
          14. April 2014 16:40

          Ja, der fliegende Hugh Jackman in seiner komischen Kugel war schon ein bisschen strange, aber gerade die Story in der Gegenwart und die mit den Mayas fand ich schon verdammt cool. Das war so ein merkwürdig guter Film.. 😉

Trackbacks

  1. Neulich im Kino … Review zu “Noah” | miss booleana

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