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Ein Katerchen mit scharfen Krallen

24. Juli 2013

Wolverine ist schon eine coole Sau. Es ist kein Wunder, warum er einer der beliebtesten Figuren aus dem X-Men-Universum ist. Der grummelige Einzelgänger mit dem Hang zu Zigarren, fiesen Sprüchen und einer „Erst zuschlagen, dann fragen“-Mentalität. Wolverine ist Kult und hat zumindest auf der Leinwand mit Hugh Jackman nichts davon verloren. Gerade durch die allerersten X-Men-Filme wurde der Mann mit den Adamantium-Klauen zum Hit für alle, die ihn nicht vorher schon mochten.

Doch dann passierte etwas Furchtbares: Gavin Hood bescherte uns „X-Men Origins: Wolverine“ – ein Film nur mit Wolverine. Die Herzen aller Wolverine-Fans schlugen schneller. Doch am Ende wurde das eine herbe Enttäuschung… Wolverine teilte sich den Film mit zahlreichen merkwürdigen anderen Mutanten, die Story konnte man kaum ertragen und zudem zerstörte der Film auch gleich noch Deadpool als eigentlich coolen Typen. Kein guter Film für Wolverine… der sich danach erst einmal nur auf einen (grandiosen) Kurzauftritt in „X-Men: Erst Entscheidung“ entschloss und brav abwartete. Auf seinen nächsten Film. Auf einen neuen Versuch. Auf eine zweite Chance.

Die sollte er jetzt bekommen – mit „Wolverine – Weg des Kriegers“. Wobei der englische Original-Titel „The Wolverine“ verdammt noch eins tausendmal cooler klingt. Angesiedelt irgendwann nach „X-Men: The Last Stand“ hat sich Wolverine (Hugh Jackman) zurückgezogen, ist mehr und mehr zum Tier geworden. Doch dann kommt Yukio (Rila Fukushima), die Wolverine im Namen ihres Herren nach Japan bringen soll. Dem hat Wolverine im Zweiten Weltkrieg mal das Leben gerettet und jetzt will er sich bedanken. Doch schnell muss Wolverine herausfinden, dass alles nur ein Vorwand war…

Als es noch hieß, Darren Aronofsky führt beim nächsten Wolverine Regie, habe ich es kaum glauben können. Als es hieß, dass die Story für den nächsten Wolverine auf der Comic-Reihe von Frank Miller basiert, habe ich mich noch mehr gefreut. Allerdings sprang Aronofsky irgendwann ab und „Walk the Line“-Regisseur James Mangold übernahm das Ruder… und segelt mit „Wolverine“ direkt auf die Sandbank zu.

Man hätte echt meinen können, dass irgendwer aus dem Fiasko „Origins“ gelernt hätte. Aber nein… „Wolverine – Weg des Kriegers“ ist wieder ein Schuss in den Ofen.

Fangen wir beim offensichtlichsten an: Die Action ist furchtbar. Alles sehr sauber, sehr brav inszeniert. Die Choreographien lassen kaum Platz für Fehler, hier sitzt jeder Schlag. Besonders blöd kommt’s dann noch, dass jemand wieder sehr penibel auf eine ganz bestimmte Altersfreigabe hingearbeitet hat. Das heißt, wenn Wolverine seine Klauen auspackt, passiert trotzdem nicht viel. Es spritz kein Blut, es fehlen am Ende keine Gliedmaßen, gar nichts. Was Action und Gewalt angeht, ist „Wolverine“ ein kleines Katerchen, das ganz, ganz vorsichtig spielt. Dazu kommen noch diese merkwürdigen Sachen, die man teilweise schon aus dem Trailer kannte: Vor allem der Kampf auf dem Schnellzug wird sicherlich noch lange für Spott herhalten müssen. Wie aber auch der Endkampf… der diesen Namen nicht einmal tragen dürfte.

Mangold gibt sich zwar Mühe, aber als Action-Film taugt „Wolverine“ nichts. Es ist langweilig, Kindergarten-Niveau, wenn man bedenkt, dass wir es hier mit einem der unberechenbarsten X-Men überhaupt zu tun haben. Die Leine, an der Wolverine sich befindet, ist sehr, sehr kurz.

Aber selbst was die Story angeht, kann „Wolverine“ nicht punkten. Im Gegensatz zu seiner ersten Einzelmission verzichtet man dieses Mal zum Glück auf zu viele Mutanten. Dafür ist die böse Viper (Svetlana Khodchenkova) einfach nur eine billige Kopie von Batmans Poison Ivy… auch der Silver Samurai, den man ebenfalls schon im Trailer bestaunen konnte, kann den Erwartungen an einen coolen Samurai nicht gerecht werden. Hugh Jackman hat den Wolverine zwar immer noch gut drauf, aber im Endeffekt dient dieser Film auch nur dazu, alle paar Minuten, Jackman oben ohne zu zeigen. Den Sprüche klopfenden, zynischen Mutanten-Bastard, der trotzdem irgendwie liebenswert ist, wird man hier vermissen.

„Wolverine – Weg des Kriegers“ möchte wieder einmal tiefenpsychologisch wertvoll sein und verspielt die große Power seiner Hauptfigur. Es gibt wieder ein langweilige Liebesgeschichte und wieder viel warten, bevor es mal ein bisschen härter wird. Vertan hat  man sich auch bei dem Japan-Setting. Anstatt das wirklich gut auszunutzen, dient es wohl nur als Rechtfertigung dafür, Wolverine gegen Ninjas antreten zu lassen… die dann schön klischeehaft ständig per Salto durchs Bild springen müssen.

Wann, bitte, kommt endlich mal einer, der aus „Wolverine“ einfach nur das macht, was wir sehen wollen: Einen guten Action-Film, der Wolverine von der Leine lässt. Gut, der wäre dann höchstwahrscheinlich R-Rated, aber dann würde es vielleicht endlich mal funktionieren.

Wertung: 4 von 10 Punkten (miau… dieses Katerchen ist verdammt… verdammt, alleine schlecht zu sein)

P.S.: Solltet ihr jetzt trotzdem noch den Film sehen wollen, verzichtet auf das 3D (es ist wirklich nicht das Geld wert) und wartet den Abspann ab!

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11 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    24. Juli 2013 09:20

    Oh Gott.. Das ist schade.. :/

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2013 10:45

      Ja, vor allem weil hier eigentlich etwas passiert, was ich mich kaum auszusprechen wage: Da schaue ich fast lieber den Origins-Film noch einmal als den hier.

  2. 24. Juli 2013 10:19

    Damit bestätigst du mir im Grunde genau das, was ich schon nach dem Absprung von Aronofsky befürchtet habe. Ich finde es nicht einmal schade. Es scheint fast so, als würden die X-Men eben einfach nur im „Rudel“ funktionieren – aber selbst da schwankt es ja gewaltig.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2013 10:47

      Dass Aronofsky ausgestiegen ist, fand ich auch sehr schade. Seinen „Wolverine“ hätte ich nur zu gerne gesehen. Was mit die X-Men als Rudel angeht: So sind sie nun einmal konzipiert. Und ich finde gerade Wolverine hat in den Filmen immer besser funktioniert, weil er mehrere Leute hatte, denen er auf den Sack gehen kann – im positiven Sinn. Jetzt geht er nur dem Zuschauer auf den Sack – im negativen Sinn.

  3. Sebastian permalink
    24. Juli 2013 11:10

    Hugh-Jackman-Wolverine hat in den ersten beiden X-Men-Filmen funktioniert, weil die X-Men eigentlich eine Xavier/Magneto-Geschichte sind und Nervbold Jackman super dafür geeignet ist, sich in so was reinzudrängeln. Solo funktioniert der Charakter schon deshalb nicht, weil er nie besonders tiefgründig war (und Jackman auch nach wie vor kein wirklich überragender Schauspieler ist). Ich hoffe, der Film ist ordentlich gefloppt, damit dieser Murks endlich zu den Akten gelegt wird.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2013 11:13

      Danke, schön ausgedrückt, was ich eigentlich sagen wollte. 😉 So ist es nämlich. Solo funktioniert Wolverine aber auch… zumindest in den Comics. Nur ist es da halt so, dass er er selbst sein darf. In beiden Filmen wird immer wieder versucht, ihn als tiefgründigen Charakter darzustellen. Das mag er zwar vielleicht auch sein, schließlich hat er eine schlimme Vergangenheit. Aber sehen wollen wir auf der Leinwand was anderes.

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