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Im Hause Gottes

12. Februar 2018

Was ist eigentlich bei Darren Aronofsky passiert, dass er sich auf einmal so sehr auf biblische Geschichten stürzt? Der Mann, der uns eindrucksvoll mit „Requiem for a dream“ die Angst vor Drogen eingeprügelt hat; der Mann, der uns mit „Pi“ zugegeben auch eine Art Bibel-Story geliefert hat, aber eine nach der wir nicht so recht wussten, ob wir nicht auch mit einem Bohrer unseren Kopf untersuchen sollten; der Mann, der mit „The Fountain“ eine wunderschöne und tragische Liebesgeschichte geschaffen hat, der mit „The Wrestler“ ein eindrucksvolles Sportler-Drama und mit „Black Swan“ ein unheimliches Sportler-Drama schuf… dieser Mann macht jetzt auf Bibel. Erst mit dem merkwürdigen Fantasy-Gedöhns „Noah“ und jetzt mit „mother!“.

Ein älterer Mann, ein Dichter (Javier Bardem), lebt mit seiner jüngeren Frau (Jennifer Lawrence) allein in einem Landhaus mitten im Nirgendwo. Er versucht zu schreiben, sie versucht, das Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Eines Tages taucht plötzlich ein Fremder (Ed Harris) auf, der erst mit dem Dichter gut feiert, dann kotzen muss und seine Narbe an den Rippen offenbart, bis dann endlich am nächsten Tag seine Frau (Michelle Pfeiffer) vorbeikommt. Später kommen dann noch ihre Söhne, die sich böse hauen und so beginnt für die Herrin des Hauses ein merkwürdiger Reigen an unmöglichen Besuchern, die nach und nach ihr Haus kaputt machen und ihren Mann immer mehr und mehr in Beschlag nehmen.

mutter und Papa…

Willkommen in 2-Stunden-Bibel-Kurs a la Darren Aronofsky. Ich hoffe einfach mal, dass mir keiner diesen Spoiler wirklich übel nimmt, aber auf der anderen Seite ist es auch nicht so ein riesiger Spoiler. Denn eigentlich hat man das innerhalb von wenigen Minuten Laufzeit schnell raus. Spätestens mit Ed Harris‘ Narbe und der ganzen Adam-und-Eva-Geschichte, die darauf folgt. So zieht sich „mother!“ dann fröhlich durch alle wichtigen (und vor allem auch den Nicht-Bibelfesten bekannten) Geschichten – natürlich ganz geheimnisvoll und in vielen Bilder, die aufgeschlüsselt werden möchten. Naja… zumindest hätte Aronofsky das wohl gerne gehabt, aber sein Film ist dann doch sehr viel weniger subtil. Und das ist der Punkt, der mich so gestört hat: Der Film verkauft sich als so kluger Film, hält sein Publikum aber nicht für klug und geht deswegen so super offensichtliche Wege. Gerade von einem Aronofsky hätte ich mir da dann doch ein wenig mehr erwartet.

Es gibt die Sinflut, es gibt den Aufstieg und den Fall der Menschen, die die Geschenke des Herrn nicht zu würdigen wissen und dann wird dem Herrn Poeten auch noch ein Sohn geboren, der von den Menschen gefeiert wird. Wie gesagt, es ist so krass offensichtlich… und gerade zum Ende wird’s halt auch echt ziemlich unappetitlich.

Dennoch muss man Aronofksy auch ein paar Dinge zu Gute halten: Die Darsteller sind super – und ich mochte gerade den Anfang und dabei besonders den Zwist zwischen Michelle Pfeiffer und Jennifer Lawrence. Lawrence spielt eine Frau, die eigentlich in der Welt ihres Mannes gefangen ist, die sich darin aber auch irgendwie wohlfühlt, obwohl sie auch wie eine Gefangene ist. Pfeiffer dagegen ist die Neugierige, die ihren Mann dazu bringt, in das Büro des Herrn Poeten zu gehen, die für Wirbel sorgt und vor allem die Welt ihrer unfreiwilligen Gastgeberin in Frage stellt. Das hatte – trotz all der Offensichtlichkeit – noch etwas Spannendes. Überhaupt waren die Darsteller durch die Bank durch wirklich gut besetzt – Javier Bardem passt irgendwie gut in diese Rolle des Poeten, der mal super nett ist und dann aber auch ordentlich ausrasten kann. Ein herrschsüchtiger, aber auch liebevoller Schöpfer, dem irgendwann seine „Fans“ zu viel werden.

Außerdem ist es tatsächlich ein visuell durchaus interessantes Konzept, dem Aronofsky hier folgt: Die Schöpfungsgeschichte hätte man bombastisch und episch inszenieren können, stattdessen verfrachtet Aronofsky das alles in ein kleines Haus. Ein Haus, um das sich vor allem die Mutter versucht zu kümmern, das aber immer wieder von den Gästen des Herrn versaut wird. Da kann sie fluchen und machen und tun, so viel sie will. Die Erde als Haus, das dem Ansturm einfach nicht gewachsen – das ist ein durchaus interessantes Bild, das Aronofsky immer wieder gekonnt einsetzt.

Aber dennoch bleibe ich dabei, dass mich „mother!“ nicht so wirklich vom Hocker gerissen hat. Sinnbilder sind ja gut und schön, aber vielleicht hätte man es auch ein wenig subtiler machen können. So war es mir persönlich dann einfach zu viel Bibel und zu wenig Film.

Wertung: 6 von 10 Punkten (warten wir mal, was der gute Mann als nächstes macht…)

7 Kommentare leave one →
  1. 15. Februar 2018 18:41

    Habe ihn inzwischen 3 mal gesehen und liebe ihn nach jeder Sichtung noch ein Stück mehr. Natürlich ist er alles andere als subtil erzählt, aber das war j schon bei Requiem for a Dream nicht der Fall. Die ganzen biblischen Anleihen dienen ja nur als Grundlage für eine größere Botschaft (Ausbeutung der Erde durch den Menschen und so…) und visuell hat mir besonders gefallen, dass die Kamera permanent an Jennifer Lawrence Nacken klebt. Danke übrigens für den Hinweis mit der Sintflut, das ist mir ganz entgangen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2018 07:33

      Aber Requiem for a Dream hat mich dann doch mehr gepackt. Vielleicht liegt es aber auch am Bibelthema, das mich jetzt nicht so brennend interessiert.

      Visuell fand ich den Film aber auch super. Wie gesagt, allein das Setting ist schon echt cool

      • 18. Februar 2018 14:50

        Bei mir wars witzigerweise genau umgekehrt: Requiem empfand ich als zu gewollt, als zu offensichtlich, wie du es bei mother schreibst. Und der wiederum konnte mich total packen.
        Die Bibel zählt auch nicht gerade zu meinen Interessen ^^ Noah konnte mich auch nicht begeistern. Ich denke aber, mir gefällt mother so sehr, weil er dieses biblische Leitmotiv neu interpretiert, aber auf eine Weise, die abschreckt anstatt zu verehren.

        • donpozuelo permalink*
          18. Februar 2018 22:38

          Ich glaube, ich muss mal wieder Requiem gucken. Ist auch schon verdammt lange her.

  2. 11. März 2018 21:24

    Die biblischen Anleihen waren nicht subtil, aber zumindest für mich beim Schauen so subtil genug, dass ich dachte, dass es eben „verschiedene Bibel-Anleihen“ sind. Aber der der Mann und die Mutter sind – der Groschen ist bei mir erst später gefallen. Und ich empfand diese riesige Metapher als ziemlich genial. Im Grunde wird die ganze Menschheitsgeschichte dabei erzählt und den Menschen so schön ein Spiel vorgehalten, dass ich den Film noch heute feiere und tief enttäuscht bin, dass er nicht mal für einen läppischen Oscar nominiert wurde … .

    Darren Aronofsky hatte aber im Grunde schon länger so einen leichten Schlag Glaube und Esoterik. Außer vllt bei seinen gescheiterten Künstlern in Black Swan und The Wrestler. Auch The Fountain beispielsweise strotzt vor Anspielungen zu diversen Religionen. Ich finde den Mann genial und habe ein bisschen Angst, dass seine Stoffe für das breite Puplikum so unzugänglich werden, dass er wie Shymalan geächtet wird.

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2018 16:15

      Das mochte ich ja auch, das Konzept der kompletten Menschheitsgeschichte in einem Haus. Das ist auch gut umgesetzt worden. Aber wie gesagt, das mit der Bibel war mir dann irgendwie doch zu viel.

      „The Fountain“ wiederum liebe ich ja, aber da wird halt so viel auch vermischt, ohne dass es sich auf eine Sache konzentriert.

      Ich glaube, Aronofsky hat sich mit „Noah“ keinen Gefallen getan. Ansonsten liebe ich ja seine Filme, aber das war, meiner Meinung nach, der Film, bei dem er es sich beim breiten Publikum etwas verscherzt hat. Zumal ich ihn lieber mochte, als er noch ein kleiner Geheimtipp war.

Trackbacks

  1. Mother! – Darren Aronofsky – Review – Filmexe – Blog über Filme und Serien

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