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DFST 10: Manische Kröte & verliebter Lehrer

25. Juni 2022

Die letzten Disney-Film-Samstage waren schon echt eine ordentliche Herausforderung. Disney hatte in den 40er Jahren nur so genannte „package“-Filme im Sortiment, die eigentlich nichts mehr waren, als eine Ansammlung von Kurzfilmen, die irgendwie verzweifelt in eine Art Grundgerüst gestopft wurden, damit man sie als richtige Spielfilme verkaufen konnte. Leider gab es da keinen Film, der wirklich herausstach, manche waren mal besser, dafür waren andere wieder eine echte Herausforderung. So war ich dann auch echt froh, als ich meine Box rausnahm und sah, dass „DIE ABENTEUER VON ICHOBAD UND TADDÄUS KRÖTE“ der letzte Film dieser 40er package-film-Reihe sein würde. Danach geht es dann nämlich endlich mal mit DEN Filmen los, für die Disney tatsächlich bekannt geworden ist.

Unterteilt ist „Die Abenteuer von Ichobad und Taddäus Kröte“ in zwei Segmente: Zuerst erleben wir Taddäus Kröte aus Kenneth Grahames Kinderbuch „Der Wind in den Weiden“. Kröte hat kein Geld, aber lebt sein sorgloses Leben. Als er sich in ein Automobil verliebt, will er es unbedingt kaufen… und gerät dabei an eine schmierige Gruppe, die ihn nicht nur über den Tisch zieht, sondern auch sein herrliches Anwesen dafür einstreicht. Mit der Hilfe seiner Freunde Maulwurf, Ratte und Dachs muss er sein Haus zurückerobern. Als zweites bekommen wir dann Ichobad Crane, der in dem verschlafenen Örtchen „Sleepy Hollow“ als Lehrer anfängt und es mit dem kopflosen Reiter zu tun bekommt… wie man es halt von Washington Irvings „Sleepy Hollow“ her kennt.

Mit diesem Film hat sich Disney auch nicht sonderlich viel Mühe gegeben. Die „Rahmenhandlung“ ist einfach nur eine Wanderung durch eine Bibliothek und ein Erzähler, der sich fragt, welche literarische Figur wohl besonders interessant ist. Daraufhin springt der Film dann in diese zwei Segmente.

Insgesamt ist „Die Abenteuer von Ichobad und Taddäus Kröte“ nur etwa eine Stunde lang, fühlt sich aber ewig an. Der Kröten-Film hat auch irgendwie nichts, was ich – wäre ich noch ein Kind – wirklich gefeiert hätte. Gerade zu Beginn gibt es eine elendig lange Gerichtsverhandlung, die einfach keinen großen erzählerischen Wert hat und bei dem Disney auch einfach nur irgendwas abspult, ohne dass es einen mitreißen würde. Danach gibt es ein bisschen Tommy-und-Jerry-artiges Gekloppe, wenn Kröte und seine Freunde die gemeine Gang aus seinem Haus vertreiben wollen. Aber auch das fühlt sich alles so nichtssagend an. Mich hat keine dieser Figuren wirklich interessiert und somit war eine empathische Ebene einfach nicht gegeben. Vielleicht hat man das, wenn man „Der Wind in den Weiden“ besser kennt und wirklich auch versteht, wie diese Figuren zusammengehören. Aber in diesem Segment fehlte das einfach… und so wäre ich a) beinah beim Gucken eingepennt und b) war ich heilfroh, als das endlich vorbei war.

Leider ging es danach nur bedingt gut weiter. Wenn ich den Namen Ichobad Crane höre, denke ich an Johnny Depp als ängstlichen Ermittler, denke ich an Christopher Walken als unheimlichen Hessen, denke ich an Christina Ricci als Katrina, denke ich an Tim Burtons tollen, tollen Gruselfilm „Sleepy Hollow“. Ich weiß jetzt nicht, wie viel kreative Freiheiten sich Burton genommen hat, als er Irvings Geschichte adaptierte, aber ich mochte das wirklich sehr.

Bei Disney ist das alles ein bisschen anders. Natürlich ist der ganze Gruselaspekt nicht wirklich im Vordergrund. Stattdessen kommt ein adretter Lehrer nach Sleepy Hollow und verdreht allen Frauen den Kopf. Er gerät an Brom Bones, der sein ärgster Konkurrent um die Zuneigung der jungen Katrina wird… und am Ende taucht auch mal kurz der kopflose Reiter auf. Das Ganze ist zwar durch die Lieder von Bing Crosby etwas lebhafter als noch die Krötengeschichte, aber viel mehr ist dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Das plätschert alles so vor sich hin und ist einfach mehr der Kampf zweier Hähne, als dass es eine interessante Geschichte erzählt. Wir haben es hier halt wieder mit der typischen Disney-Damsel zu tun, die einfach nur schöne Augen macht und alle Welt fliegt auf sie. Das mag 1949 vielleicht noch irgendwie witzig gewesen sein, aber mich hat es jetzt nicht gecatcht.

Somit kann man zu „Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte“ auch nur sagen: Das ist die Art von Disney-Film, den man gekonnt überspringen kann. Auch wenn Ratte aus dem ersten Segment schon mal ein gutes Charakter-Design abgibt, dass man später in „Basil, der große Mäusedetektiv“ wiedererkennen wird. Und auch Brom aus der „Sleepy Hollow“-Geschichte ist eine Vorstufe zu Gaston aus „Die Schöne und das Biest“. Mehr bleibt von diesem Machwerk aber nicht hängen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (lieblos aneinander geklatschte Literatur-Adaptionen)

4 Kommentare leave one →
  1. 21. Juli 2022 19:18

    Ich sehe du kämpfst dich wacker weiter da durch! Respekt. Ich bezweifle bei solchen Aktionen meist immer meine Lebensentscheidungen. Neulich habe ich alle David Lynch Spielfilme geschaut und beim letzten, der dann auch noch 3h lang war, wäre ich am liebsten aus dem Fenster gesprungen. Also … viel erfolg weiterhin! 😉

    Von dem Film habe ich tatsächlich noch nie gehört! Daher war es sehr spannend zu lesen 😉

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2022 09:58

      🤣🤣🤣 Ja, man muss sowas wirklich voll dosiert machen. Alle Lynch Filme ist zudem aber auch nochmal was anderes als alle Disney Filme 🙈

      • 23. Juli 2022 10:00

        Dafür sind es weniger 😀 Also die Lynch-Filme … bei Weitem sogar. Aber heidewitzka, jetzt brauch ich als Kontrastprogramm mal ein paar Disneyfilme. Welche nehme ich? Oder Ghibli … vielleicht lieber Ghibli.

        • donpozuelo permalink*
          25. Juli 2022 09:38

          Vielleicht lieber Ghibli. Die sind dann doch einfach schöner und letztendlich auch kreativer in dem, was sie erzählen. Disney hat sich ja einfach viel und ständig selbst kopiert…

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