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Die Geister, die mich anriefen

27. Juni 2022

Scott Derrickson hat einen der besten Horror-Filme der jüngeren Zeit mit „Sinister“ hingelegt. Danach klingelte dann ziemlich schnell Marvel an seiner Tür und bot ihm „Doctor Strange“ an. Was uns damals schon als „der erste Marvel-Horror-Film“ verkauft wurde, war es ja nicht wirklich. Trotzdem mochte ich gerade den Magie-Ansatz, den Derrickson für den Sorcerer Supreme fand. Ursprünglich sollte er dann auch „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ übernehmen, der dann wirklich ein Marvel-Horror-Film werden sollte. Es kam jedoch zu den üblichen „kreativen Differenzen“, weswegen Derrickson ging / gegangen wurde und Sam Raimi das Ganze übernahm. Also setzte sich Derrickson mit seinem „Sinister“-Co-Autoren C. Robert Cargill zusammen und machte einfach wieder das, was er am besten kann… und so entstand dann „THE BLACK PHONE“.

Ende der 70er Jahre verschwinden in einer amerikanischen Kleinstadt mehrere Kinder. Der Täter wird von den Medien nur „The Grabber“ genannt… jedoch weiß niemand, was diesen Menschen antreibt oder was er mit den Kindern anstellt. Auch Finney (Mason Thames) hat schon zwei gute Freunde an den Grabber verloren, als er eines Tages von einem Mann (Ethan Hawke) auf offener Straße in einen dunklen Van gestoßen und später in einem Keller eingesperrt wird. In seinem Gefängnis wartet Finney nun darauf, was der Grabber mit ihm anstellen wird und bereitet sich darauf vor, hier zu sterben. Doch ein altes, kaputtes schwarzes Telefon im Keller fängt auf einmal an zu klingeln… und am anderen Ende der Leitung sind die vorherigen Opfer des Grabbers, die Finney helfen wollen.

„The Black Phone“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Joe Hill, der mit „Horns“ und „Locke and Key“ ja sowohl im Roman- als auch im Comic-Bereich schon große Erfolge gefeiert hat (die auch beide verfilmt wurden). Damit ist Hill seine ganz eigene Marke geworden, und die Tatsache, dass sein Vater ein gewisser Stephen King ist, braucht er nun auch nicht mehr verschweigen. „The Black Phone“ macht dass auch noch einmal deutlich… wie viel King doch immer noch in Hill steckt – gerade in diesem Film. Immerhin gibt es hier auch gelbe Regenmäntel, Ballons, Kinder auf Rädern, mobbende Kinder und Kinder mit besonderen Fähigkeiten, die ein wenig sehr stark an das Shining aus „The Shining“ erinnern. Man möchte wirklich meinen, „The Black Phone“ ist mehr King als Hill… aber hey, solange es als Film unterhält…

… und das tut „The Black Phone“. Das Ganze ist weniger wirklich krasser Horror, als mehr Escape-Room mit Horror-Anleihen. Wobei die sich dann auch eher auf einige sehr gut platzierte Jump-Scares beziehen. Der spannendere Aspekt des Films ist aber ganz klar, ob es Finney mit Hilfe der Geister der vorherigen Opfer irgendwie aus diesem Keller schafft. Dabei muss auch einfach mal sagen, ist Mason Thames ein absoluter großartiger Jung-Darsteller, der den Film hier unglaublich gut auf seinen Schultern trägt. Hier merkt man einfach, dass Scott Derrickson wirklich ein gutes Händchen für seinen jungen Hauptdarsteller hat, der in dieser Rolle einfach extrem aufgeht.

Der wahre scene stealer ist aber Finneys jüngere Schwester Gwen, gespielt von Madeleine McGraw, die eben über besondere Fähigkeiten verfügt, durch die sie in den Träumen Dinge sieht, die in Verbindung mit dem Killer stehen. McGraw ist einfach nur toll. Sie hat eine gute Chemie mit Thames – und eine Figur im Film sagt es direkt sogar selbst: Wenn man die Beiden so sieht, wünscht man sich so eine Beziehung direkt auch zu den eigenen Geschwistern. Die Beiden sind ein Herz und eine Seele… umso mehr erwischt es dann eben auch Gwen, wenn ihr Bruder verschwindet.

Das junge Schauspieler-Duo ist wirklich toll… und liefert einfach ab. Aber auch ein Ethan Hawke ist in der Rolle des Grabbers ziemlich stark. Hawke mal in so einer Rolle zu sehen, ist echt mal was anderes. Beschränkt durch die Maske holt er trotzdem alles aus sich raus und wird zu einem unberechenbaren Monster, bei dem man nie weiß, was da hinter der Maske in seinem Kopf gerade so vorgeht.

„The Black Phone“ ist gerade dank der Darsteller, aber auch durch den guten Spannungsbogen wirklich sehenswert. Trotzdem hat der Film auch so seine Probleme: So gibt es einige Figuren, die nie so richtig zur Geltung kommen – wie etwa der Vater von Finney und Gwen (Jeremy Davies) oder auch ein paar andere, die ich jetzt nicht spoilern möchte. Auch hätte ich mir ein bisschen mehr Hintergrund zum Grabber an sich gewünscht. Es werden hier und da ein paar Sachen angedeutet, aber das war mir etwas zu schwammig. Zwar könnte man jetzt sagen, dass man ihn eh nur aus der Sicht von Finn sieht und es ausreicht, dass er einfach nur ein Monster ist. Aber es wird halt so einiges angedeutet… was sehr viel mehr erwarten lässt.

Trotzdem hatte ich viel „Spaß“ mit „The Black Phone“. Ist definitiv ein unterhaltsamer Film, der aber eben wirklich mehr den Geist von „Es: Kapitel 1“ geatmet hat – was cool ist. So bekommen wir eine faszinierende Coming-Of-Age-Story in historischem Setting, mit einem gruseligen Schurken, coolen Kids und einem guten Soundtrack – gewürzt eben mit ein paar kleineren Horror-Elementen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ist jetzt kein „Sinister“, aber trotzdem sehenswert)

2 Kommentare leave one →
  1. 28. Juni 2022 21:20

    Stimmt, der Film war sehr kingig und die Logiklücken…aber insgesamt hat er gut unterhalten und die Kids fand ich auch am besten.

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