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Die Lust nach dem Licht!

4. Dezember 2019

Es gibt Filme, die kann ich direkt nach dem Kino nie so genau einschätzen. Ich weiß zum Beispiel noch, dass ich aus Jordan Peeles „Us“ kam und den Film zwar irgendwie cool fand, aber nicht so wirklich mochte. Doch während des Nachdenkens auf der Fahrt nach Hause und noch mehr am nächsten Tag begann der Film nachhaltig seine Wirkung auf mich zu entfalten – und ganz urplötzlich war ich auf einmal ein Fan. So erging es mir jetzt wieder… mit Robert Eggers „The Lighthouse“.

Irgendwann im späten 19. Jahrhundert finden sich zwei Männer auf einer kleinen Insel vor der Küste ein, um hier für vier Wochen auf den Leuchtturm aufzupassen. Ephraim Winslow (Robert Pattinson) soll dem alten Thomas Wake (Willem Dafoe) dabei helfen… doch nur, indem er die niederen, dreckigen Arbeiten macht, während Thomas sich selbst nur um das Leuchtfeuer kümmert. Das scheint ihm heilig, weswegen er Ephraim nicht dran lässt. So vergehen die Wochen, bis die beiden ihre Abholung verpassen und noch länger auf der Insel inmitten eines Sturmes gefangen sind… und so langsam breitet sich der Wahnsinn aus.

In einer Zeit, in der 200-Millionen-Mega-Blockbuster und IMAX-Erlebnisse in 3D darum kämpfen, das Publikum anzulocken, kommt Robert Eggers mit einem Film in 4:3-Format vorbei und dann auch noch in Schwarz-Weiß. Man möchte da im ersten Augenblick einfach nur sagen: „Oh, der feine Herr möchte ganz doll zeigen, wie artsy-fartsy er doch ist!“ Aber meine Güte, was für Bilder „The Lighthouse“ doch abliefert… das Ganze hat etwas unglaublich Hypnotisches, das sich für mich gar nicht so richtig greifen lässt. Eggers zeigt uns idyllische Bilder, in denen unterschwellig so viel Chaos steckt. Der wilde, aber doch leichte Flug der Möwen, die Wellen des Meeres, das windgepeitschte Land, dieser einsame Leuchtturm – allein schon die Bilder erzählen eine Geschichte, die fasziniert.

Aber ich habe ja dennoch erwähnt, dass ich nach dem Kino direkt mit dem nichts anfangen konnte. Doch dann las ich mir ein paar Interviews durch, die mit Eggers geführt wurden; dachte noch einmal über das Gesehene (und auch das Nicht-Gesehene) nach… und mehr und mehr offenbarte sich mir dann doch auch die erzählerische Schönheit, die hinter „The Lighthouse“ steckt. Eggers erwähnt in einem Interview, dass er sich vor allem auch durch die Geschichte des Prometheus inspirieren ließ… und allein dieser Gedanke ließ „The Lighthouse“ für mich in einem ganz anderen Licht stehen. Ephraims verzweifeltes Verlangen, an das Licht im Leuchtturm zu gelangen, diese ganze Symbolik des Aufstiegs, des verzweifelten Kampfes um das bisschen Erleuchtung – all das verpackt Eggers ziemlich gekonnt in diese vermeintlich einfache Geschichte zweier Männer. Es steckt am Ende einfach so viel in jedem einzelnen Bild – manchmal macht Eggers es sehr offensichtlich, manchmal eher sehr viel subtiler.

Je mehr ich über „The Lighthouse“ nachdachte, desto mehr gefiel mir, wie Eggers und gerade auch Pattinson und Dafoe dieses mystische Chaos erzählt haben. Dieser Film ist vermischt Folklore, Legenden und Mythen zu einem kleinen perfekten Filmchen, der – ähnlich wie schon sein Vorgänger „The Witch“ – wirklich ein Horror-Film ist. Es gibt keine jump scares, sondern vielmehr ist es auch hier diese Atmosphäre. Es ist etwas da, was man nicht greifen kann. Es lauert und wartet – es entwickelt sich ein so ungutes Gefühl, das – gepaart mit den Bildern und den Performances der beiden Darsteller – einfach eine unglaubliche Anspannung erzeugt.

Wenn ich ehrlich sein soll, würde ich sagen, dass „The Lighthouse“ für mich eine perfekte Lovecraft-Hommage ist, der es wie kein anderer verstand, das Unheimliche im Hintergrund zu halten, der Bilder zeichnete, die wunderschön und unheimlich zugleich waren. Genau das Gleiche macht Eggers auch mit „The Lighthouse“… ein Film, den ich mir jetzt definitiv noch ein zweites Mal anschauen MUSS.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein Film, der nachwirkt)

4 Kommentare leave one →
  1. 4. Dezember 2019 10:20

    Habe ihn gestern gesehen und ähnlich wie du weiß ich noch nicht genau, was ich von ihm halten soll. Tendenziell aber eher positiv 🙂 Der Ton, hast du über den Ton etwas gesagt? Auch der zieht einen so mit in diese Welt hinein!

    • donpozuelo permalink*
      4. Dezember 2019 10:30

      Nein. Über den Ton habe ich nichts gesagt, aber ja… es ist alles sehr faszinierend. Auch das alte Englisch, für das ich in diesem Fall dann doch an einige Stellen Untertitel gerne gesehen hätte, war super.

      Ist schon ein toller Film, aber man muss ihn wirklich sacken lassen 😅

  2. 9. Dezember 2019 22:34

    Die Idee mit Prometheus ist interessant – daran hatte ich bisher so gar nicht gedacht. Für mich war der Leuchtturm vor allem ein Phallussymbol und das Licht… nun ja, die Bilder sprechen für sich 😄

    • donpozuelo permalink*
      10. Dezember 2019 12:27

      Ich habe es tatsächlich auch eher als etwas Göttliches gesehen, dadurch, dass ja auch immer so ein wenig darauf hingewiesen wird. Dass der Regisseur jetzt selbst direkt Prometheus anspricht, fand ich auch interessant (passt gerade auch mit dem letzten Bild des Films ganz gut).

      Auf jeden Fall ein Film, in den man viel reinlesen kann.

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