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Ich hörte, du streichst Häuser!

2. Dezember 2019

Al Pacino und Robert De Niro waren für das Mafia-Gangster-Genre, was Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone für das Action-Genre waren. Wenn es schon vor „The Expendables“ einen Film mit Sly und Arnie gegeben hätte, wäre das die Krönung schlechthin gewesen. Aber das musste warten… genau wie das erste richtige Zusammentreffen von Pacino und De Niro. In „Godfather 2“ haben die beiden ja nicht eine Szene zusammen… in „Heat“ war es dann zwar endlich soweit, aber da war es auch nur sehr kurz. Ihren ersten richtigen gemeinsamen Film hatten die beiden Giganten dann erst 2008 mit „Righteous Kill“, ein Film, den ich trotz Fanboy-Attitüde nie gesehen habe. Von daher glich es einer Kulmination von Weihnachten, Hochzeit, Geburtstag, Geburt des Kindes und was man sich nicht noch alles vorstellen kann, als es plötzlich hieß, Martin Scorsese würden ein Mafia-Epos drehen – mit Al Pacino und Robert De Niro in den Hauptrollen. Jetzt ist „The Irisman“ endlich auf Netflix… und ich habe mich in freudiger Erwartung an dieses dreieinhalb Stunden Machwerk gesetzt – nur um dann mittendrin hart darum zu kämpfen, nicht einzuschlafen.

Frank Sheeran (Robert De Niro) fängt als Lastwagenfahrer an, lernt irgendwann den Mafiosi Russell Bufaliano (Joe Pesci) kennen und beginnt für ihn zu arbeiten. Im Verlaufe seiner erfolgreichen Arbeit für Bufaliano stellt der ihm Jimmy Hoffa (Al Pacino) vor. Der Gewerkschaftsführer hat Verbindungen zur Mafia und Frank soll als sein Bodyguard fungieren. Zwischen den beiden Männern beginnt eine tiefe Freundschaft, die alle Höhen und Tiefen von Jimmys Karriere übersteht…

Dieser Beitrag wird sehr persönlich, da ich von diesem Film echt sehr hin- und hergerissen bin. Auf der einen Seite war es toll, Pacino, De Niro und Pesci in einem Film zu sehen. Gerade die erste Stunde von „The Irishman“ fühlt sich auch so richtig an, wie ein guter alter Scorsese… das ist ein wenig wie „GoodFellas“ 2.0, als hätte Scorsese diesen Film schon vor Jahrzehnten gemacht, sich nur entschieden, ihn jetzt erst zu veröffentlichen. Es ist einfach alles da… und alles so, wie man es kennt: De Niro als Erzähler aus dem Off, die typischen Mafia-Klischees, wie die Familien-Treffen, die geheimen Treffen, das ständige Gerede und Gefluche der alten Mafiosi, der Werdegang des aufstrebenden Neuankömmlings, der sich in dieser Welt so langsam einen Namen macht. Allein die erste Stunde ist so wirklich Nostalgie pur, garniert mit all den Darstellern, die dieses Genre so groß gemacht haben. Hier spürt man Scorsese in jeder Einstellung, in jedem Schnitt, in jedem alten 60ies Song, der den Soundtrack schmückt.

Auf der anderen Seite habe ich mich so nach anderthalb Stunden auch angefangen, immer wieder auf die Uhr zu starren. Mit dreieinhalb Stunden ist „The Irishman“ verdammt lang… und in meinen Augen leider auch zu lang. Gerade der Mittelteil mit Jimmy Hoffa und Frank zieht sich arg in die Länge. Hier beschert uns Scorsese zwar einen fast schon dokumentarischen Blick auf Hoffa, der ja zur damaligen Zeit eine Persönlichkeit war und dessen mysteriösen Verschwinden natürlich zu seiner „Legendenbildung“ beitrug, aber mehr als zwei alte Superstars, die sich unterhalten, bekommt man nicht.

„The Irishman“ stagniert sehr stark, das ganze Gezicke zwischen Hoffa und seiner Konkurrenz hat mich nicht wirklich fasziniert, zumal ich auch von Anfang an davon ausging, dass De Niros Frank im Vordergrund stehen würde. Doch Scorsese macht daraus mehr den Film einer Freundschaft. Was natürlich nicht schlecht ist und Pacino und De Niro ein paar großartige Szenen beschert, den Fluss der Handlung aber ein wenig ins Stocken bringt.

Ich habe das Gefühl, ich müsste diesen Film mehr mögen. Ich meine, Scorseses „Casino“ entflammte nicht nur meine Begeisterung für Robert De Niro, sondern war auch mein erster richtiger Film und mein Einstieg in all die tollen Mafia-Filme. Ich liebe Pacino in all seinen unterschiedlichen Gangster-Filmen… alles spricht doch eigentlich für „The Irishman“. Aber es ging nicht… die erste Stunde fand ich noch toll, danach hatte ich einfach arg mit mir zu kämpfen. Diese alten Männer zu sehen, war auf der einen Seite toll, aber es hat irgendwie auch gezeigt, dass ihre Zeit einfach vorbei ist. Selbst Scorsese hat mich einfach nicht bei der Stange halten können.

„The Irishman“ zieht sich zum Ende hin wie Kaugummi und erzählt schlussendlich nichts Neues. All das haben wir von Scorsese schon besser gesehen. Jetzt hat er eben nur 160 Millionen Dollar dafür bezahlt und alle großen Namen vor der Kamera… doch das allein macht den Film noch nicht so wunderbar, wie ich es mir erhofft hatte.

Wertung: 6 von 10 Punkten (nette Mafia-Reunion, die sich zu sehr an die Sogkraft ihrer Stars klammert und keine packende Story vorweisen kann)

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