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Die Do-It-Yourself-Frau

5. September 2018

John Hughes ist Teenager-Versteher. Seine Filme finden selbst jetzt immer noch große Anhänger (sein „Sixteen Candles“ wurde zuletzt gerade in „To all the boys I loved before“ mehr als nur lobend erwähnt) – und warum auch nicht, John Hughes hat wunderbare Filme gemacht, Filme, die nicht älter werden und die man immer und immer wieder gucken kann. Aber bei jedem Meister gibt es einen kleinen „Schandfleck“ – und für mich ist das „Weird Science“, oder wie er bei uns kompliziert heißt: „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“. Dieser Film war wirklich nichts für mich… und irgendwie auch nicht so richtig was für Hughes.

Gary (Anthony Michael Hall) und Wyatt (Ilan Mitchell-Smith) sind die klassischen Opfer an ihrer Schule: Sie sind unscheinbare, unsportliche, unbeachtete Streber, die nur Beachtung finden, wenn sie von ihren Mitschülern Streichen unterzogen werden. Trotz allem sehnen sie sich nach einer Freundin – und nachdem sie sich im Fernsehen „Frankenstein“ angeguckt haben, entscheiden sie sich dazu, sich selbst eine Frau zu bauen. Mit „modernster“ 80er Jahre Technik erschaffen die beiden am Computer eine Frau: Lisa (Kelly LeBrock). Die ist sowohl sexy als auch clever und ist ganz nebenbei noch im Besitz unerklärlicher Kräfte, mit denen sie für ordentlich Aufruhr im Leben der beiden Streber sorgt.

„Weird Science“ ist tatsächlich eine Comic-Verfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe, in der viele unglaubliche Science-Fiction-Geschichten erzählt wurden. Daher also auch die Roboter-Computer-Frau Lisa, die verrückte Sachen machen kann. Es ist eine witzige Idee, der sich Hughes da annimmt, aber irgendwie fehlt dem Ganzen der Charme, das Herz eines üblichen Hughes-Films.

Das fängt schon alles ziemlich überstürzt an, ohne so richtig diese Welt von Gary und Wyatt aufzubauen: Wir sehen sie kurz als Opfer eines Streiches und das muss schon ausreichen, dass wir sie als arme Nerds mit der Intelligenz, eine eigene Frau zu bauen, anerkennen. Danach wird „Weird Science“ einfach nur eine Ansammlung von verrückten Einlagen, bei denen Lisas Fähigkeiten und jugendliche Hormone durch einander gebracht werden. Und wie gesagt, eigentlich ist das ja so eine Hughes-Spezialität, aber in diesem Film kommt das einfach nie so richtig zum Vorschein.

Der Film fühlt sich einfach zu sehr wie ein Sammelsurium aus witzigen Einfällen an, aber eine richtige Geschichte spürt man dahinter nicht. Dazu muss ich aber auch gestehen, dass mir die Darsteller einfach nicht gepasst haben – das aber auch wieder hauptsächlich deswegen, weil jeder Charakter eine mehr als nur dünne Hintergrundgeschichte zu bieten. Da ist „Weird Science“ echt weit von Sachen wie „Breakfast Club“ oder „Ferris macht blau“ entfernt. Gary und Wyatt haben in meinen Augen nichts gehabt, was sie für mich besonders gemacht hat – etwas, was Hughes ja sonst immer ganz gut geschafft hat. Hier sind das einfach nur zwei Typen, die recht unkreativ eingeführt werden und ihre Abenteuer erleben. Eigentlich wissen wir nichts greifbares über diese beiden. Wenn man sie uns nicht in jeder Szene vor die Kamera stellen würde, würde man sie innerhalb von wenigen Minuten wieder vergessen haben.

Die Einzige, die wirklich Charakter hat ist Kelly LeBrocks Lisa. Sie ist nicht nur Sex-Symbol und Hingucker für diesen Film, sondern eben auch clever. Sie ist die gute Fee – nur mit mehr Schlagkraft (in jeder Hinsicht). Auch wenn es ein wenig befremdlich wirkt, wenn sie mit Gary und Wyatt flirtet und rummacht, weil sie dabei einfach mal echt aussieht, als würde sie das Ganze mit viel zu „kleinen“ Jungs machen. Irgendwie hätte man sie Alterstechnisch ein bisschen mehr aneinander heranführen können. Kelly LeBrock ist auch einfach mal zehn Jahre älter als ihre Schauspieler-Kollegen und sie wirkt sehr viel reifer. Aber gut, auch das kann man wieder der Tatsache zuschreiben, dass Wyatt und Gary einfach keine gut ausgearbeiteten Charaktere sind, die sich einfach durch eine wild-verrückte Story kämpfen.

Diese Story hat nette Einfälle, hätte aber irgendwie ruhig noch mehr auf die ganze Popkultur der 80er eingehen können. Da tauchen zwar „Mad Max“-mäßige Typen auf Motorrädern auf, zu denen dann auch „The Hills Have Eyes“-Mutantendarsteller Michael Berryman gehört. Aber selbst in seinen Verrücktheiten ist „Weird Science“ dann nicht „weird“ genug, um die Charakterlosigkeit wett zu machen.

Ganz ehrlich, „Weird Science“ ist für mich wirklich der schwächste John-Hughes-Film, den ich bislang gesehen habe. Er ist unterhaltsam, weil er ein paar gute Ideen hat, aber die Umsetzung fühlt sich sehr oberflächlich an.

Wertung: 6 von 10 Punkten (da ist selbst der noch eher unbekannte Robert Downey in diesem Film interessanter)

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