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Kannibalen-Mutanten

20. Juni 2018

Nachdem ich letztens „The Hills Have Eyes“ von Alexandre Aja geguckt habe (und leider auch die unsägliche Fortsetzung dazu), „riet“ mir filmschrott ja, ich sollte mir doch mal das Original anschauen. Das sei so „wunderbar schlecht gealtert“. So viel Lobpreisung geht an mir natürlich nicht einfach so vorbei und da habe ich mir Wes Cravens Original aus dem Jahr 1977 mal angeschaut – und war gleich erst einmal recht erstaunt. Aber dazu kommen wir gleich…

Tatsächlich ist die Handlung des Originals letztendlich sehr genau vom Remake übernommen worden: Familie Carter – Ex-Cop Bob (Russ Grieve), Frau Ethel (Virginia Vincent) sowie die Kinder Bobby (Robert Houston), Brenda (Susan Lanier) und Lynne (Dee Wallace) und deren Mann Doug (Martin Speer) – nimmt eine falsche Abfahrt mitten in der Wüste, baut einen Unfall und gerät dann ins Visier von einer missgebildeten Familie, die in der Nähe haust – und dringend Menschenfleisch braucht.

Ich muss ja ehrlich gestehen, ich hatte jetzt irgendwie erwartet, dass Wes Craven unterschwellig die US-Regierung an den Pranger stellen möchte. Die Mutationen und der Hunger nach Menschenfleisch – hervorgerufen durch die atomare Verseuchung macht aus diesen Furcht erregenden Mutanten eigentlich bemitleidenswerte Opfer. Aber Pustekuchen… stattdessen hat sich Wes Craven angeblich eine alte schottische Legende vorgeknüpft – und zwar die von Sawney Bean, der mit seiner Frau und seinen 46 Kindern und Enkeln im 15. Jahrhundert angeblich 1000 Menschen getötet und gegessen haben soll. Okay, also schottische Legenden auf amerikanischen Test-Geländen. Naja, ich denke mal schon, dass sich 1977 auch ein wenig Kritik an den Atom-Tests darin versteckte oder manch einer das zumindest da hineininterpretiert hat, aber so wirklich kommt das im Original nicht rüber. Da sehen Alexandre Ajas Mutanten sehr viel unheimlicher aus. Cravens verrückte Menschenfresser-Familie sieht dann doch eher wie etwas aus, dass aus George Millers „Mad Max 2“ hätte stammen können. So wirklich unheimlich sind die nicht, außer vielleicht Michael Berryman – aber auch nur, weil der Darsteller an einer Erbkrankheit leidet und sein Äußeres „unheimlich“ wirkt.

Wie es mir filmschrott prophezeit hatte, ist die erste Hälfte des Originals in etwa so wie ich es vom Remake kannte. Die Mutanten sorgen für Chaos, quälen die Familie, töten das Oberhaupt der Carter-Familie und vergreifen sich an Brenda. Da also nichts „Neues“ – nur dass es im alten Original nicht so extrem explizit gezeigt wird wie im Remake. Danach geht Wes Craven dann aber doch leicht andere Wege – denn dann wehrt sich Familie Carter und der ganze Film wird zu einem Kräftemessen zweier Parteien.

Ich muss gestehen, ich glaube, ich habe zwischendurch vor lauter Langeweile einfach das Hirn abgeschaltet. Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, wie aus „The Hills Have Eyes“ so ein vermeintlicher Kultklassiker werden konnte. Der Film beeindruckt jetzt nicht gerade besonders. Er ist weder besonders gruselig noch spannend. Die Brutalität ist da und einige Schauerbilder mit gebratenem Menschenfleisch sind auch da, aber ansonsten fühlte sich dieser Film einfach nur sehr lang und langweilig an. Die Charaktere sind einem relativ egal, aber immerhin legt Craven ein bisschen mehr Gewicht darauf, auch die Seite der Mutanten näher zu beleuchten. Während uns das Remake einfach nur mit besonders eklig aussehenden Kreaturen schocken will, versucht Craven ihnen wenigstens ein bisschen Hintergrund zu geben – wahrscheinlich um mit ihnen eine neue unheimliche Horror-Familie aufzubauen. Aber wie gesagt, vielleicht ist es das Alter des Films, vielleicht ist es mein Alter oder was auch immer – aber umgehauen oder auch nur irgendwie bewegt hat mich das Original nicht. Ich war am Ende nur extrem genervt von Scream-Queen Susan Lanier… meine Güte, hat die Frau ein Organ. Die muss doch nach jedem Tag vollkommen heiser gewesen sein.

Da bleibe ich dann am Ende tatsächlich eher beim Remake, obwohl ich mir auch den Film nicht unbedingt noch ein zweites Mal anschauen müsste.

Wertung: 4 von 10 Punkten (fürs damalige Publikum vielleicht gruselig, jetzt eher was für Fans)

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4 Kommentare leave one →
  1. 20. Juni 2018 10:50

    Ich finde den nach wie vor ziemlich unterhaltsam. Ein Meisterwerk ist er sicher nicht, aber wie ich schon sagt, finde ich, dass der wunderbar schlecht gealtert ist. Die Darsteller teils absolut katastrophal, die Effekte altbacken, die Story auch irgendwie da. Ist aber auch nichts, was ich mir jetzt jede Woche angucken muss. Ich schlage nebenbei vor, dass du dir Teil 2 sparst. Der ist nämlich wirklich richtig scheiße.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juni 2018 18:34

      Ja zu den Darstellern, ja zu den Effekten (obwohl die damals sicher umgehauen haben) und ja zur Story. Die war wirklich nicht so…

      Und was Teil 2 angeht: Keine Sorge. Ich hab jetzt genug von Hügeln mit Augen 😀

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