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Unter der Klanmaske

3. September 2018

Angehende Film-Produzenten werden irgendwann fasziniert die Arbeit von Jason Blum studieren. Ich meine, okay… vielleicht projiziere ich zu viel auf diesen Typen, weil ich mich sonst unter den „namenhaften“ Produzenten so gut wie gar nicht auskenne und Blum einer der wenigen Namen ist, der immer wieder mal auftaucht. Aber meine Güte, ich finde es trotzdem jedes Mal wieder beeindruckend, wo der auftaucht. Der Mann produziert den hinterletzten Horror-Mist für wenig Geld und wenn daraus plötzlich ein Erfolg wird, wird die Kuh so richtig gemolken (man nehme nur mal die „Purge“-Reihe, die jetzt sogar ihre eigene TV-Serie bekommt). Und dann taucht sein Name und der seiner Produktionsfirma bei erlesenen und Oscar-würdigen Filmen auf („Whiplash“ und „Get Out“). Tja… und jetzt hocke ich da im Kino und gucke mir Spike Lees neuesten Streich „BlacKkKlansman“ an – und welcher Name taucht da unerwartet im Abspann gefühlt gleich an zweiter Stelle auf: Jason Blum. Wie dieser Mann arbeitet, ist echt einfach unglaublich (zumindest in meinen Augen). Mindestens genau so unglaublich ist aber „BlacKkKlansman“.

Ende der 70er Jahre inseriert der Ku Klux Klan in einer Zeitung: Man sucht neue Mitglieder, die sich der gemeinsamen Sache annehmen wollen. Was der Klan nicht erwartet, ist, dass der erste afroamerikanische Polizist in Colorado Springs, ein gewisser Ron Stallworth (John David Washington), anruft, sich als wütender Weißer ausgibt, der nichts mehr hasst, als all die Ausländer, die Amerika so kaputt machen. Der Plan geht tatsächlich auf… und Ron wird aufgenommen. Leider kann er nur am Telefon dieses Spiel mitmachen. Vor Ort, bei den Treffen mit den Klanmitgliedern, muss Rons Kollege, der jüdische Cop Flip Zimmerman (Adam Driver), ran. So beginnt die vielleicht wahnsinnigste und wahnsinnig spannende Under-Cover-Aktion.

Kommen ein Schwarzer und ein Jude zum Ku Klux Klan…

„BlacKkKlansman“ ist die Art von Film, die viel zu verrückt ist, um nicht auf einer wahren Begebenheit zu basieren. „BlacKkKlansman“ ist die Art von Film, die heute mehr Tragweite hat denn je – ein Punkt, den Spike Lee zum Ende des Films sehr deutlich macht, wenn er uns mit den Bildern aus Charlottesville konfrontiert, mit dem Autoraser, der in eine Menschenmenge raste, mit der Tatsache, dass sich auch in fast 40 Jahren in den Köpfen von zu vielen Menschen nicht wirklich viel verändert hat. Und dass die Arbeit von Menschen wie Ron Stallworth nach wie vor enorm wichtig ist, um diese engstirnigen Menschen vorzuführen, die meinen, sie wären etwas besseres. Ich habe „BlacKkKlansman“ mit einem ziemlich flauen Gefühl im Magen verlassen – gerade wegen der letzten Bilder, die einen aus dieser scheinbaren Fiktion mit unglaublicher Härte raus reißen.

Aber wollen wir mal von der Wichtigkeit des Films zum Film selbst kommen… denn der ist einfach nur verdammt gut. Spike Lee erzählt seine Geschichte vom bösen Ku Klux Klan und den vielen Bewegungen, die sich dagegen stellen – und er stellt einen Mann in die Mitte, der den gerechten Weg kämpfen will. Es ist schon beeindruckend, dass sich Ron Stallworth nicht von seinen Gefühlen leiten lässt, dass er sich nicht blindlings auf die Seite seiner kampfbereiten Freundin Patrice (Laura Harrier) stellt, sondern dass er Recht statt Gewalt sprechen lassen will. Allein das macht Stallworth schon interessant.

Wir erleben hier eine facetten-reiche Geschichte, die beide Seiten ausführlich beleuchtet. Wir bekommen aber auch eine manchmal sehr amüsante Geschichte, eine sehr packende Geschichte, denn jederzeit könnte all das auffliegen. Und wir bekommen eine lehrreiche Geschichte – aber den Punkt hatten wir ja schon.

Die Darsteller sind durch die Bank großartig, aber John David Washington ist überspitze. Ich wusste ja nicht einmal, dass das der Sohnemann von Denzel ist. Aber Hut ab! Da ist der Apfel wirklich nicht weit vom Stamm gefallen, denn der John David spielt diesen Polizisten Stallworth mit absoluter Überzeugung – und eben als Mann, der bei all den Verpflichtungen, die andere ihm aufdrücken wollen, seinen eigenen Prinzipien treu bleibt! Adam Driver ist als sein Partner aber ebenfalls sehenswert, vor allem, weil sein Flip erst durch die Hassreden des Klans auch wieder seine eigenen jüdischen Wurzeln entdeckt. Und dann hätten wir da noch Topher Grace als Klanoberhaupt David Duke. Was für einen dummen Typen er da spielt und wie er ihn spielt, ist wirklich gut – vor allem, wenn er am Ende schön auf den Deckel bekommt und einfach nur sprachlos zurückbleibt! 😉 Muss man gesehen haben.

„BlacKkKlansman“ ist Satire und Mahnung zugleich! Ein unterhaltsamer Film und ein erschreckender Film. Ein wichtiger Film, der seine Botschaft stark untermauert!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Jason Blum macht Real-Horror, der viel härter ist als jeder fiktive Horror)

4 Kommentare leave one →
  1. 4. September 2018 20:33

    Ob Blum da vielleicht einfach nur einen Scheck ausgestellt hat? ^^

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2018 22:36

      Naja, was Produzenten halt so tun, nicht wahr? Trotzdem finde ich es interessant, wie er Filme auswählt, denen er „einfach nur einen Scheck ausstellt“. Das will ja auch gekonnt sein 😉

      • 4. September 2018 22:44

        Ich würde meinen, da kommt dennoch überwiegend Mist raus 😅
        Aber ja, zumindest kommerziell ist er erfolgreich

        • donpozuelo permalink*
          4. September 2018 23:09

          Das meine ich ja. Er produziert Haufenweise Mist, aber eben auch Mist, der erfolgreich wird. Und er findet oft genug auch mal kleine Juwelen in dem Mist wie halt diesen Film.

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