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Vorbei ist vorbei!

25. April 2016

„Vorbei ist vorbei!“… ein etwas harter Ratschlag, den mir mein Vater nach dem für mich sehr schmerzhaften Ende der ersten großen Beziehung. Was er mir damit sagen wollte war, dass ich nicht aus sentimentalen Gründen zu meiner Ex zurückkehren sollte – frei nach dem Motto: „Eine kaputte Tasse kann man zwar kleben, aber man sieht die Risse immer noch und eher früher als später ist sie wieder kaputt!“ Zugegebenermaßen ein ziemlich harter Spruch, der dann auch noch zu sehr nach billiger Floskel klingt, aber ich habe mich bisher immer daran gehalten… und nie in meinem Leben was mit einer Ex angefangen. Vorbei ist vorbei! Warum ich über solchen banalen Quatsch schreibe? Weil ich gerade eigentlich nicht so klar denken kann und mir keine bessere Ein- und Überleitung zu einem der unglaublichsten Filme, den ich in letzter Zeit gesehen habe… (Einleitung können aber auch manchmal echt gemein sein, immerhin sollen sie den Leser doch fesseln, damit er am Text bleibt… aber das ist manchmal einfacher gesagt als getan).

In „The Invitation“ begeht Will (Logan Marshall-Green, der gute Mann aus „Prometheus“) den Fehler, den ich bisher noch nie begangen habe: Er folgt einer Einleitung seiner Ex Eden (Tammy Blanchard). Gut, in Wills Fall ist das ein bisschen anders, denn Eden ist seine Ex-Frau und sie hatten zusammen einen Sohn, der leider auf tragische Weise gestorben ist. Zwei Jahre lang verschwand seine Frau mit ihrem neuen Mann David (Michiel Huisman), den sie bei einer Selbsthilfe-Gruppe kennenlernte und mit dem sie sich anschließend in Mexiko einer Gruppe anschloss, die sich „The Invitation“ nannte und seelische Heilung versprach. Jetzt, nach zwei Jahren laden Eden und David also alle ehemaligen Freunde wieder ein… unter anderem auch Will. Nur kann Will sich in seinem ehemaligen Haus nicht wohl fühlen. Er wird geplagt von Erinnerungen an seinen Sohn, an sein früheres Leben und ist skeptisch gegenüber Edens Seelenheil…

Die Ruhe vor der Party…

An dieser Stelle lasse ich das Ganze und setze alles daran, euch trotzdem klar zu machen, was für ein unheimlich faszinierender Film „The Invitation“ ist. Denn erst mal klingt das nicht nach besonders viel, weswegen man sich jetzt so „aufregen“ sollte. Und das ist „The Invitation“ oberflächlich betrachtet auch erst einmal nicht. Regisseurin Karyn Kusama, die unter anderem „Aeon Flux“ oder auch „Jennifer’s Body“ gedreht hat, erzählt hier von der Zusammenkunft alter Freunde, die sich nach langer Zeit wieder treffen… und in diese scheinbar fröhliche Gruppe kommt halt Fremdkörper Will, der zu viele Erinnerungen, zu viele Ballast und Sorgen mit sich herumschleppt, um bei dieser Feier aktiv mitzuwirken. Viel mehr reißt der Besuch im alten Haus alte Wunden auf… und lässt diese kleine Feier für Will surreal und absurd wirken.

So wirkt „The Invitation“ zu Beginn auch ein bisschen zu sehr danach, als würde man hier den verzweifelten Versuch sehen, eine Party mit schönen Zeitlupen und atmosphärisch-düsterer Musik zu eine Art Kunstprojekt oder Arthouse-Film werden zu lassen. Aber davon darf man sich nicht täuschen lassen, denn was Kusama hier veranstaltet, ist ein wunderbar schleichendes Unheil aufzubauen. Wir als Zuschauer betrachten die Wiedervereinigung immer aus Wills Augen und spüren, dass unter diesem schönen Schein etwas verborgen liegt. Nur so richtig fassen können wir es nicht. Warum verschließt David alle Türen? Was machen die zwei Personen da, die Eden und David in Mexiko kennengelernt haben, die für alle anderen aber Fremde sind? Was ist der wahre Grund dieser Feier?

Das Tolle an „The Invitation“ ist, dass wir uns nach und nach mehr in der Gedankenwelt von Will verlieren. Genau wie er stellen wir uns die Frage, was an dieser Party nicht stimmt und genau wie er tappen wir in die gleichen „Fallen“, die Kusama uns stellt. Das macht sie großartig – mit unseren Erwartungen spielen, uns in die eine Richtung locken und dann blitzschnell doch einen Haken schlagen. Und all das macht sie mit einer unheimlichen Ruhe… dieser Film ist wirklich das schleichende Grauen, nur das wir nie so richtig fassen können, wovor wir uns denn nun fürchten sollten. Oder ob wir uns überhaupt fürchten sollten. Vielleicht ist Eden ja auch wirklich einfach nur glücklich und möchte das mit ihren Freunden teilen.

Schon lange hat mich kein Film mehr so gekonnt im Dunkeln gelassen und mich dabei gleichzeitig so sehr fasziniert. Man will hinter die Kulisse schauen, man will wissen, was hier wirklich passiert und das macht „The Invitation“ so unglaublich gut. Vor allem, weil der Film dann am Ende auch nicht enttäuscht… Kusama überrascht dann noch einmal und haut einen endgültig vom Hocker.

„The Invitation“ wird zwar irgendwie als Horror-Film bezeichnet, aber ist es nicht wirklich. „The Invitation“ ist vielmehr ein Drama über Verlust und Trauer und über die Frage, wie man damit umgeht. Der Horror entsteht hier nur im Kopf und nagt sich dort mit jeder Sekunde fest und fester… so fest, dass man es kaum ertragen kann. Ein großartiger Film!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (einer der besten Thriller seit langem… unglaubliches Kopfkino)

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16 Kommentare leave one →
  1. 25. April 2016 07:50

    Ach komm, deine Einleitungen sind immer top!

    Oh Michiel Huisman spielt mit – den fand ich in Nashville und Orphan Black immer so sympathisch.

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2016 10:38

      Danke, danke….

      Michiel Huisman kannte ich tatsächlich noch gar nicht. Oder zumindest war er mir noch nie so bewusst, aber hier ist er wirklich toll.

  2. 25. April 2016 08:48

    Habe ich ja noch nie etwas von gehört. Hat jetzt aber meine Aufmerksamkeit. Danke für den Tipp! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2016 10:39

      Immer gern. Ich kann den Film wirklich nur empfehlen!!!

  3. 25. April 2016 10:01

    Endlich mal jemand, der meine Begeisterung teilt. Ich mochte den Film auch total und mir gings ebenso, er hat mich kalt erwischt.
    Dabei mag ich Huisman überhaupt nicht, was mir jedoch half und Marshall-Green hätte hier einen Tom Hardy lookalike gewinnen können :))

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2016 10:40

      Absolut!!! Wie gesagt, ich dachte erst, das wird so ein blödes Home-Invasion-Party-Ding, aber dieser Film ist ja so viel mehr und so viel besser als alles, was ich je erwartet hatte. Wirklich ein Traum…

  4. 26. April 2016 11:41

    Du hattest mich schon bei Logan Marshall-Green. 😉 Klingt wirklich unfassbar interessant! Am Wochenende sehe ich mir den gleich an!

    • donpozuelo permalink*
      26. April 2016 14:30

      Oh echt… für mich war das halt bislang nur der Typ aus „Prometheus“ und da ich „Prometheus“ nicht so mochte, habe ich ihn auch schnell wieder ausgeblendet. Aber in diesem Film hat er mir dann wirklich gut gefallen…

      Ich bin gespannt, wie dir der Film gefällt… es soll wohl auch negative Stimmen gegeben haben 😀

      • 26. April 2016 14:44

        Für mich ist er der Typ aus „Devil“. Einer meiner Lieblingsfilme! 🙂 Ach, und die These Vorbei ist vorbei in Bezug auf Expartner kann ich bestätigen. Einmal sogar ausgetestet und bezeugt bekommen. Seit dem predige ich das jedem, der es hören will.

        • donpozuelo permalink*
          26. April 2016 15:38

          „Devil“… hmmm… nicht gesehen. Kommt mal auf die Liste.

          Und ja, ich habe mich, was das Expartner-Problem angeht, immer daran gehalten. Bringt ja irgendwie doch nichts. Tut zwar weh, aber es ist halt einfach besser so… 😀

  5. 26. April 2016 21:51

    Klingt sehr spannend – direkt auf die Watchliste gesetzt.

    • donpozuelo permalink*
      26. April 2016 22:56

      Cool… ich bin gespannt, wie du ihn findest.

Trackbacks

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