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Erinnerungen an die Zukunft

10. August 2012

1968 erschien ein Buch. Ein Buch, das eine gewagte These aufstellte: Was wäre, wenn wir selbst von Außerirdischen abstammen würden? Was wäre, wenn hochintelligente Wesen aus dem All schon in früher Zeit die Erde besucht hätten? In den Augen der damals „Primitiven“ würden diese Wesen Göttern gleichen. Und dementsprechend würde man sie verehren, sie anbeten. Schließlich sind sie der Grundstein für die Entwicklung der Menschheit. 1968 machte ein Schweizer namens Erich von Däniken mit seinem Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ Schlagzeilen. Er fand mit seinen Thesen Anhänger und Gegner. Mittlerweile möchte man meinen, es wären mehr Gegner. Aber man schaue nur auf die Kinoleinwände aus dem gleichen Jahr: Da geisterte ein schwarzer Monolith durch die Kinos, der den Menschen Wissen brachte. War Stanley Kubrick ein verkappter von Däniken-Fan? Wir wissen es nicht.

Was man aber heute fast schon mit Sicherheit sagen kann, ist folgendes: Ridley Scott scheint ein Fan zu sein. Denn das was von Däniken damals in seinem Buch über die Besucher aus dem All schrieb, können wir jetzt in Scotts angeblichem „Alien“-Prequel bestaunen. Allein wenn die junge Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw (Noomi „Lisbeth“ Rapace) und ihr Freund Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) der Crew der „Prometheus“ ihre Fund darlegen, dann erwartet man fast ein Cameo von von Däniken. Die beiden Wissenschaftler haben auf verschiedenen Darstellungen alter Zivilisationen immer wieder das gleiche Symbol gefunden: Ein übergroßer Mann, der auf eine bestimmte Sternenkonstellation deutet. Eine Einladung? Zum Treffen mit Gott? Was auch immer es ist, Shaw kann die Weyland-Cooperation davon überzeugen, eine Expedition zum Mond LV-223 zu starten. Dort angekommen, finden Shaw und ihr Team tatsächlich Überreste dieser „Konstrukteure“, wie sie sie nennt. Und leider findet die Mannschaft der „Prometheus“ auf diesem Mond noch viel mehr…

Ich würde an dieser Stelle nur zu gerne schreiben, was für ein gelungener Film „Prometheus“ geworden ist. Ich würde gerne darüber schreiben, dass der Film gekonnt alte Elemente mit neuen verbindet. Und ich würde wirklich nur zu gerne schreiben, dass Noomi Rapace ein guter Ersatz für Sigourney Weaver ist.

Schreiben kann ich allerdings nur darüber, dass Ridley Scott an den hohen Erwartungen scheitert. Nach all den zig tausend Teasern, Trailern, exklusiven Minuten, Bildern und Texten hat man ja schon fast die Neuerfindung des Alien-Horror-Genres herbeigesehnt. Oder wenigstens den gleichen dreckigen, dunklen Horror aus dem allerersten „Alien“. Zu Beginn von „Prometheus“ scheint das auch noch zu zutreffen. Die Erforschung der Anlagen auf LV-223 ist nicht nur dank imposanter Kulissen sehr schön anzuschauen. Allein die Tatsache, dass man weiß: „Hier lauert irgendwo der Tod“, macht die ersten Minuten zu einer echten Zerreißprobe. Für die eigenen Nerven und die Lehne des Kinositzes. Doch außer ein paar Zeichen und der Leiche eines Konstrukteurs gibt es erst einmal nicht viel. Schließlich zieht ein Sturm auf und verbannt die Crew zurück auf die „Prometheus“.

Die „Prometheus“ selbst erleidet das gleiche Schicksal wie die Raumschiffe aus den Prequels zu „Star Wars“. Statt dunkle, enge Gänge, herunterhängende Kabel und Rohre ist hier alles auf dem neuesten Stand. Das Schiff präsentiert sich geräumig und schön hell. Schließlich will man so eine lange Reise durchs All ja nicht in einer engen Kiste unternehmen. Nur hatte diese alte Kiste, die gute „Nostromo“ tausendmal mehr Charme als die hochentwickelte „Prometheus“. Ein tolles Schiff, in dem aber definitiv nicht das Grauen zuhause ist. Ein klein bisschen Horror, ein paar Aliens gibt es dann aber schon noch. Nur vermisst man hier schmerzlich den guten H.R. Giger, der mit seinen Entwürfen das perfekte Alien erschuf. Was uns in „Prometheus“ begegnet, lädt unfreiwillig zum Schmunzeln ein.

Was am meisten schmerzt, ist die Tatsache, dass „Prometheus“ auch vom Drehbuch her nur im Mittelmaß liegt. Da wird man gelockt mit einem Damon Lindelof, der am Drehbuch mitgearbeitet hat und man denkt an „LOST“. Da erwartet man dann starke Charaktere, eine spannende, gerne auch etwas stärker durchdachte Story mit dem ein oder anderen spannenden Twist. Aber Pustekuchen. Weder die Story noch die Figuren können hundertprozentig überzeugen. Vor allem nicht Noomi Rapace.

Ridley Scotts „Alien“ war nicht nur wegen seiner Aufmachung und der Inszenierung so gut, sondern vor allem wegen Sigeourney Weaver. Die, wie sich jetzt mit „Prometheus“ zeigt, durch nichts zu ersetzen ist. Noomi Rapaces Forscherin Shaw ist zu weich gezeichnet. Mehr das kleine Liebchen als eine mögliche Power-Frau im Kampf gegen die außerirdische Gefahr. Rapace kann Weaver zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen. Auch die andere starke Frau in diesem Film kommt nicht zur Geltung: Charlize Theron gibt sich zwar große Mühe, die Eiskönigin und das Biest zu spielen, nur bekommt sie einfach zu wenig Möglichkeiten, sich in ihrer Rolle zu entfalten. Immerhin enttäuscht Michael Fassbender als Android David nicht.

Alles in allem ist „Prometheus“ ein optisch sehr gelungener Streifen, mehr aber auch nicht. Als normaler Sci-Fi-Streifen ohne Vor- bzw. Nachgeschichte könnte man ihn als durchschnittlich bezeichnen, als „Alien“-Prequel ist der Film einfach nur schlecht.

Doch der „Alien“-Nerd wird festgestellt haben, dass Scott nichtsdestotrotz auf weitere Filme hofft – denn „Prometheus“ landet auf Mond LV-223, Ripley und die Crew der „Nostromo“ finden ihren Untergang aber auf Mond LV-426. Wir dürfen also „gespannt“ sein…

Wertung: 4 von 10 Punkten (die Erwartungen waren einfach zu hoch, so hatte ich mir das nicht vorgestellt)

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35 Kommentare leave one →
  1. 10. August 2012 08:54

    Ich schau ihn mir trotzdem morgen an und freu mich darauf… lalalala, ich habe nichts gehört!

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 17:43

      Mach das!!!

      • 6. März 2014 12:04

        Ich liebe diesen Film 🙂 Schon dreimal geguckt.
        Für mich ein interessante Version zur Entstehung des Aliens.

  2. 10. August 2012 10:01

    Kann ich alles in etwa so unterschreiben…bis auf die Noomi die fand ich gut :3

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 17:45

      Naja, Noomi fand ich so lala… So richtig kommt sie meiner Meinung nach nicht in ihre Rolle. Zum Glück versucht sie aber auch nicht zu sehr Ripley zu sein. Wenn sie das versucht hätte, wäre das Ganze noch schlimmer ausgefallen.

  3. 10. August 2012 11:19

    …und btw. schön das wir uns diesmal einig sind 😀

  4. 10. August 2012 12:56

    Na, ein bisschen besser fand ich ihn schon. Er ist einfach nicht das Highlight, das man erwartet hat, so wie etwa „Super 8“ vergangenen Sommer. Fand ihn auch etwas zu erdrückend und plakativ depressiv, dass ich irgendwann ein bisschen das Interesse verlor. Die Schauspieler waren – mit Ausnahme der imho VERDAMMT überbewerteten Charlize Titten – eigentlich alle toll, kann halt keinen Vergleich zu den Vorgängern ziehen.

    Und: „Weaver kann Rapace zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen.“ – Sicher? Nicht umgekehrt? 😉

    Noch was: Kennt man den EvD bei euch so gut? Wird der also nicht nur hierzulande ausgelacht? 😛

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 17:50

      Oh ja, „Super 8“ war toll. Was aber auch daran lag, dass es tatsächlich ein absoluter Überraschungshit war. Davon kann bei „Prometheus“ ja nicht die Rede sein. 😉 Ich habe dann aber auch ziemlich schnell das Interesse verloren… so etwa nach dem ersten Ausflug in die Pyramide. Was wirklich schade war, denn vom Optischen her hat sich Scott da echt was einfallen lassen. Das hat wirklich gepasst.

      Von den Schauspielern haben mir persönlich nur Fassbender und Titten gefallen (und nein, ich finde sie nicht überbewertet 😉 )

      Oh: hektischer Nachts-die-Rezension-noch-Schreiben-Verwechslungsfehler. Ist korrigiert 😉

      Und ja: Auch bei uns kennt man den guten EvD. Ich glaube, der wird in egal welchem Land ausgelacht. Obwohl er sicher auch ein paar Fans hat. Mit Ridley Scott kennen wir jetzt zumindest schon mal einen 😉

  5. 10. August 2012 13:22

    Also, der Film funktioniert als Alien-Prequel wirklich nicht so gut. Da merkt man tatsächlich gerade am Ende, dass Scott einen Übergang zu der alten Reihe herstellen musste/wollte? Er beteuert immerhin stets, dass Prometheus ein eigenständiger Film sei, viel mehr als eine Vorgeschichte. Und als solcher funktioniert er meiner Meinung nach sehr gut.

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 17:55

      Scott kann ja von mir aus so viel beteuern wie er will. Nur wenn man viele Elemente aus „Alien“ mit rein nimmt, dann zählt das für mich als Prequel. Und dann erwarte ich da auch mehr. Ich weiß jetzt nicht, ob ich ihn besser gefunden hätte, wenn ich vorher noch nie einen Alien-Teil gesehen hätte. Aber selbst da bin ich mir fast sicher, dass der Film dann vielleicht höchstens ein, zwei Punkte mehr bekommen hätte.

  6. 11. August 2012 18:14

    Gut, bei all den Reviews sind die Erwartungen inzwischen soweit heruntergeschraubt, da müsste er mir eigentlich ganz gut gefallen. Aber auch ohne ihn zu sehen. Eine Schrottlaube als Raumschiff, grüne Schrift auf schwarzem Monitor und Daten, die – hochfuturistisch – auf Diskette gespeichert sind müssen bei einem Film mit Alien-Bezug einfach sein. 😀

    Und was die EvD Sache angeht: hat man ja schon beim AvP-Crossover gehabt. Ohne geht’s wohl nicht. ^^

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 19:27

      Stimmt, bei AvP war das auch schon mit drin… also noch unkreativer als gedacht, der gute Herr Scott. 😉

      Ja, mittlerweile dürfte bei so manch einem die Laune auf diesen Film vergangen sein. Und zu Recht. Reicht vollkommen aus, wenn der mal im TV läuft. 3D und anderes Gedöhns braucht man hierfür echt nicht.

  7. 11. August 2012 18:44

    Na ja, die Nostromo war ein Raumfrachter mit entsprechender Haudegenmannschaft und die Prometheus ein Forschungsschiff mit Wissenschaftlern. Das ist schon mal ein ganz wichtiger Unterschied. Vom Design her war alles schon ganz gut an den Alien angepasst, dennoch gab es sicher Unstimmigkeiten und Unklarheiten. Ein Manko ist mit Sicherheit die totale Abwesenheit des Giger-Designs. So wird ein Alien schon mal zur Lachnummer im Diskounterlook.
    Warum sollte eine Biologin auf einmal zur Kampfmaschine werden? Da stehen die Chancen bei einem Schiffsoffizier schon besser. Ich fand es gut, dass hier kein Ripley-Ersatz gesucht wurde. Ich finde die Rapace nicht so schlecht.
    Ich fand aber die Musik eine absolute Katastrophe, kein Vergleich zum Goldsmith oder Horner Score. Da wurde keine Spannung aufgebaut, sondern nur rumgeplänkelt. Ganz schlecht.
    Soweit ich weiß handelte es sich bei LV-426 um einen Planetoiden.

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2012 19:31

      Ich entnehme diesem Kommentar, dass dir der Film so halbwegs gefallen hat?? 😉

      Giger hat gefehlt, da sind wir uns einig. Aber bei dem ganzen Rest bleibe ich der Meinung, dass es mies war. Nichts im Vergleich zu dem, was man von den alten Filmen her kennt. Keine unheimliche Atmosphäre, keine dauernde Bedrohung… irgendwie weichgespültes Hollywood-08/15. Da hatte ich mir von einem Ridley Scott schon sehr, sehr viel mehr erwartet.

      • 11. August 2012 21:15

        Ja er hat mir gefallen.
        Nun, es ist ja eine Geschichte von vor Alien. Es gab noch kein Alien und keine Bedrohung, darum ging es ja. Sie haben das Grauen selbst erschaffen, aus Dummheit und Neugier. Ganz andere Thematik.
        Und wen man die Charakter aus Alien genau ansieht ist das auch Schema F, nur dass eine Frau Heldin sein darf.

        • donpozuelo permalink*
          11. August 2012 21:26

          Ich weiß, dass auch Alien nur Schema F ist. Aber Alien hat Charakter, Atmosphäre, halt irgendwie das gewisse Etwas, das ich hier total vermisst habe. Aber ich sage ja, meine Erwartungen waren einfach zu hoch. Das konnte nicht gut gehen 😉 Vielleicht schaue ich mir den Film irgendwann noch einmal auf DVD an und vielleicht gefällt er mir dann auch besser.

  8. 13. August 2012 13:19

    Schade, schade. Aber bei diesem Trailern war es leider auch nicht anders zu vermuten.

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2012 14:04

      Im Gegenteil: Ich fand die Trailer eigentlich immer recht gut. Habe sie ja auch gerne gesehen. Nur hatte ich so das Gefühl, dass mehr Action in einem Trailer war als im ganzen Film.

  9. 14. August 2012 18:50

    Ich habe keinen einzigen Trailer gesehen, aber der Film hat mich nicht enttäuscht :/
    Ich fand ihn gut und genauso hätte er sein sollen!

    • donpozuelo permalink*
      14. August 2012 20:45

      Damit bestätigst du mir nur noch einmal mehr, dass dies wirklich ein Film ist, der seine Zuschauer spaltet ohne Ende 😉

  10. 16. August 2012 12:48

    Das mit den Raumschiffen und Co. und dem Vergleich mit Star Wars,… das hatte ich mir schon bei den Trailern gedacht. Ich finde es krass, dass du so enttäuscht bist. Ich habe ähnlich hohe Erwartungen. Vermutlich wird es mir genau so ergehen. Wäre irgendwie schade.

    • donpozuelo permalink*
      16. August 2012 15:41

      Du siehst es ja an den anderen Kommentaren… Es gibt auch genügend Fans des Films. Vielleicht hast du ja Glück und er fesselt dich mehr.

  11. 20. August 2012 08:44

    Ich fand ihn toll. Also primär fand ich ihn vor allem unheimlich schön. Alles ist schön. SCHÖN. SCHÖÖÖHÖÖÖN.

    Aber ja, das reicht dann halt jeweils nicht für einen super Film.

    Trotzdem. SCHÖN.

    • donpozuelo permalink*
      20. August 2012 08:53

      😀 Ein paar sehr schöne Bilder gab’s ja schon. Gerade zu Beginn. Das war wirklich schön… danach war es dann nicht mehr ganz sooo schön.

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