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Zerstörte Zerstörerin

18. März 2019

Es ist immer irgendwie etwas schwierig einen Film zu beurteilen, der im Vorfeld mehr oder weniger nur dadurch beworben wird, wie krass abgefuckt Darsteller XY darin aussieht. Heftigster Fall von sowas ist so gefühlt jeder Film mit Christian Bale. Zuletzt mit „Vice“ in vollgefutterter Version und ganz schlimm war es ja zu „The Machinist“ in ausgehungerter Version. Ich kann mich an nichts mehr von diesem Film erinnern – außer daran, wie schlimm Bale darin aussieht. Viel mehr kann man dazu auch nicht sagen. Aktuell habe ich dieses Problem mit Karyn Kusamas neuestem Film „Destroyer“. Egal, wo man hinschaut, überall liest man nur, wie heftig Nicole Kidman da aussieht. Wie heruntergekommen und fertig, bla bla bla… gefühlt spricht niemand über den Film an sich, sondern nur über die Darstellerin und ihren „Mut zur Hässlichkeit“. Dass „Destroyer“ aber auch mehr kann als nur eine „hässliche“ Nicole Kidman geht dabei fast unter.

Polizistin Erin Bell (Kidman) wird zu einem Mordfall herbeigezogen. Das Opfer ist der Polizei unbekannt, vom Mörder fehlt jede Spur. Doch Erin meint zu wissen, wer der Mörder ist. Ab jetzt verfolgen wir sie dabei, wie sie versucht, den Mord aufzudecken und decken dabei auch ihre Vergangenheit auf. Vor Jahren war sie zusammen mit ihrem Partner Chris (Sebastian Stan) undercover in der Gang von Silas (Toby Kebbell). Bei einem Banküberfall ging aber irgendwas schief, was Erins Leben nachhaltig beeinflusst hat… und weswegen sie jetzt immer noch verzweifelt versucht, Silas ausfindig zu machen.

Mir ging es bei „Destroyer“ weniger um Nicole Kidman, sondern vielmehr um die Frau hinter der Kamera: Karyn Kusama. Die hat sich 2015 mit dem unglaublich guten Thriller „The Invitation“ einfach in mein Herz gefilmt. Das ist ein wahnsinnig toller Film, den ich nach wie vor nur jedem wärmstens empfehlen kann. Dieser Film fängt so gut Paranoia und Unwohlsein ein – grandios. Unbedingt nachholen, wenn ihr den noch nicht gesehen habt. Deswegen war für mich halt auch klar, dass ich unbedingt „Destroyer“ schauen muss, denn Kusama hat zumindest mit „The Invitation“ bewiesen, dass sie ein Händchen für gute Filme hat.

Ohne Frage, „Destroyer“ ist ein guter Film… der nur leider etwas zu langatmig geworden ist. Die Geschichte, die Kusama uns erzählt, ist super spannend. Erins Gegenwart und Vergangenheit werden immer wieder gekonnt ins Spiel gebracht und so baut sich langsam ein Bild von den Geschehnissen ab, die deutlich machen, warum Erin so verzweifelt auf der Suche nach Silas ist. Auf der einen Seite ist „Destroyer“ klassischer Detektiv-Film, bei dem brav einem Hinweis nach dem anderen nachgegangen wird. Auf der anderen Seite ist es auch eine sehr persönliche Geschichte über Verlust und Leid. Erins Ermittlungen sind spannend in Szene gesetzt, doch dann stolpert Kusama manchmal über ihre eigene Erzählweise.

Ein Beispiel nur: Erin sucht in der Gegenwart einen Informanten, den sie aus ihrer Undercover-Zeit kennt. Sie bekommt einen Hinweis, wo der sich aufhält. Direkt danach kommt es zu einer Rückblende, in der ein merkwürdiger Silas eben diesen Informanten mehr oder weniger dazu zwingt, Russisch Roulette zu spielen. Das Problem an dieser eigentlich sehr tragischen Szene ist die Tatsache, dass wir als Zuschauer schon längst wissen, dass der Typ überlebt. Erin soll ihn ja in der Gegenwart treffen. Dennoch spielt Kusama diese Szene in aller Ruhe aus… klar, wir erleben die Panik der Gang-Mitglieder, wir leiden mit dem Informanten und wir wundern uns über diesen merkwürdig-impulsiven und manipulativen Silas, aber dennoch ist so ein bisschen das Feuer aus der Szene raus. Und ähnliche Beispiele ziehen sich durch den ganzen Film, der dadurch an vielen Stellen einfach künstlich gestreckt wirkt.

Zwischendurch kommt noch eine in meinen Augen eher überflüssige Story mit Erins Tochter Shelby (Jade Pettyjohn), die jedes Mal den eigentlichen Film unterbricht und einen aus der Story haut. Als ob Erin Bell nicht durch ihre eigene Vergangenheit genug gestraft ist und wir sie schon als menschliches Wrack kennenlernen, versucht Kusama mit dieser Nebenhandlung noch einmal einen drauf zu packen. Wäre irgendwie nicht nötig gewesen. Mir hätte die ganze Ermittlungsstory vollkommen gereicht. Denn die ist wirklich spannend, liefert gute Action und tolle Darsteller.

Natürlich ist Kidman da allen um Weiten voraus. Sie spielt sich wirklich die Seele aus dem Leib und es hilft natürlich, sie so zerrüttet und kaputt zu sehen. Sebastian Stan macht sich als Nicht-Superheld ebenfalls ziemlich gut und Toby Kebbell meistert einfach mal den merkwürdigen Psychopathen.

„Destroyer“ ist ein guter Film, der einfach mal eine halbe Stunde oder so zu lang ist. Das zieht einen so ein bisschen raus, schmälert aber nicht die tollen Darsteller-Leistungen. Kusamas Rückblenden-Gangster-Drama ist sehenswert, fordert aber etwas Sitzfleisch.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Kidman ist in Bestform, Kusama nicht so ganz)

4 Kommentare leave one →
  1. 18. März 2019 09:10

    Ach was, ich fand den super schlecht und die Kidman voll daneben :))
    Ich habe sogar einige Sneaks umschifft, aus Angst der Film könnte laufen und ich müsste ihn nochmals sehen.

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2019 19:05

      😂😂😂so schlimm. Wie gesagt, ich fand auch, er hatte viele Schönheitsfehler, aber eben auch durchaus interessante Ansätze. Hätte nur alles viel besser sein können.

  2. 18. März 2019 18:01

    Nee, den Film fand ich auch vollkommen überbewertet. Als Krimi/Thriller taugte er nicht viel und Nicole Kidman hat mich auch nicht überzeugt. Abgefuckt auszusehen reicht da halt nicht. Aber ich denke, sie hat als Schauspielerin inzwischen immer mehr Probleme zu überzeugen, da sie aufgrund diverser kosmetischer Eingriffe kaum noch über so etwas wie eine Mimik verfügt. Das ist halt der Fluch Hollywoods für Frauen jenseits der 25. Sehr schade

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2019 19:07

      Ja… dieser Fluch betrifft wohl alle Filmstudios der Welt. Keine schöne Angelegenheit.

      Von Kidman hatte ich jetzt aber auch schon länger nichts mehr gesehen. Ich meine, der letzte Film mit ihr, den ich gesehen habe, war Stoker. Ich fand sie auf jeden Fall ziemlich gut… bei der Story hätte man nur mehr wegschneiden müssen.

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