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137 Sekunden

1. September 2014

Das Ende einer guten Serie ist ein bisschen wie das Ende einer guten Beziehung. Man hat so viele Momente geteilt, an die man sich so gern zurückerinnert und dann am Ende fällt es schwer, damit klar zu kommen. Man weiß gar nicht mehr, was man machen soll. Dann versucht man verzweifelt, dieses Loch mit etwas anderem zu füllen. Aber oftmals muss man schon ein bisschen warten, bevor etwas kommt, das auch nur annähernd so gut ist. So erging es mir damals mit „Akte X“… es gab lange, lange nichts, was dieses Mystery-Loch in meinem Herzen füllen konnte. Und dann kam „Fringe“ (auch wenn es da etwas gedauert hat, bis die „Beziehung“ was ernsthaftes wurde). Bei „LOST“ war es genau so… was hätte dieses „LOST“-Loch füllen können???

Viele Sachen wurde als das neue „LOST“ verschrieen, insbesondere aber „FlashForward“ – die Serie, die ja eigentlich allein schon wegen Dominic Monaghan (CHARLIE!!!!) und Sonya Walger (PENNY!!!) für „LOSTies“ nicht uninteressant erscheint. Und die Geschichte an sich klingt auch durchaus vielversprechend:

Am 06. Oktober 2009 fallen fast alle Menschen auf der Welt in eine Art kollektiver Ohnmacht. Für ganze 137 Sekunden. In dieser Zeit erleben die meisten etwas, das später als „FlashForward“ bezeichnet wird: sie haben Visionen von ihrer eigenen Zukunft am 29. April 2010. Doch durch die Ohnmachtsanfälle sterben auch mehr als 20 Millionen Menschen… eine weltweite Tragödie. FBI-Agent Mark Benford (Joseph Fiennes) sieht sich in seiner Vision bei der Aufarbeitung der Fälle… und baut so die Taskforce „Mosaic“ auf, die das Blackout-Phänomen untersuchen. Gemeinsam mit seinem Partner Demetri (John Cho) untersucht Benford verschiedene Fälle und Visionen… und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur.

Hat sich jemand das Nummerschild von der Dampfwalze gemerkt?

Man merkt „FlashForward“ schon ein bisschen an, dass hier jemand an „LOST“ anknüpfen wollte. Zumindest lässt das frei herumspringende Känguruh in der ersten Folge das vermuten. Denn es taucht immer wieder mal auf… und erinnert so gefährlich an einen gewissen Eisbären, der auf einer Insel für einige Verwirrung gesorgt hat.

Doch so richtig wollte „FlashForward“ nicht zünden: Zuschauer blieben aus und die Serie wurde mit einem fiesen Cliffhanger in eine nie produzierte zweite Staffel entlassen. Warum „FlashForward“ kein längeres Dasein beschert war, sieht man eigentlich recht deutlich: Zwar ist die Idee mit den Zukunftsvisionen eine mit Potenzial, nur leider schieben die Macher (unter ihnen u.a. David S. Goyer – genau, der von „Man of Steel“) gerade in der ersten Häfte der ersten (und einzigen) Staffel das ein wenig in den Hintergrund. Und wieder versucht man ein bisschen „LOST“ zu kopieren, indem man sich ein bisschen zu sehr auf die einzelnen Personen und ihre Probleme mit den Visionen stürzt.

Natürlich ist das auch irgendwie interessant: Gerade hier versuchen die Macher der Serie Fragen nach dem freien Willen anzureißen. Wenn ich jemanden in meinem FlashForward getötet habe, muss ich es dann auch tun? Oder gibt mir mein Wissen die Chance, etwas zu ändern? Kann ich es überhaupt ändern oder muss alles genau so passieren? Interessant ist das schon und ich bin mir sicher, dass Robert J. Sawyer das in seinem Buch, auf dem die Serie grob basiert, auch näher beleuchtet. Für die Serie viel interessanter ist doch aber der ganze Verschwörungskram, denn wie sich herausstellt, wurde dieser Blackout von Menschen erzeugt… und das nicht zum ersten Mal.

Hier setzt die Serie dann in der zweiten Hälfte auch viel mehr an… ohne allerdings sonderlich viel zu verraten. Wir bekommen eigentlich nur mehr Rätsel, ein paar Hinweise und nur wenig Antworten (was das plötzliche Ende der kompletten Serie umso frustrierender macht). Dennoch merkt man deutlich, dass die Macher versuchen, schwindendes Interesse zu verhindern. Sie bauen eine schöne globale Verschwörung auf, die sich in kommenden Staffeln sicherlich so richtig schön entfaltet hätte… die aber leider nie kommen werden (vielleicht sollte es eine Regel geben, die es solchen Serien erlaubt, wenigstens noch einen Film zu drehen, der vielleicht für die treuen Fans einen etwas besseren Abschluss liefert).

Darstellerisch hat man bei „FlashForward“ eigentlich nur wenig zu meckern: Joseph Fiennes trägt die Serie überzeugend. Bei Monaghan und Walger ist es zwar schon ein bisschen komisch, sie in anderen Rollen zu sehen, aber hier können sie wenigstens beweisen, dass „LOST“ keine Eintagsfliege war…

Naja… „FlashForward“ hatte eine gute Idee, aber viel zu lange gebraucht, um die auszubauen. Im Endeffekte hätte man sich diese Idee auch für eine nette Doppelfolge „Fringe“ nehmen können. Da hätte man wenigstens auch ein Ende bekommen. Somit war „FlashForward“ als kurzer Tröster ganz nett, aber „LOST“ kann die Serie doch nicht ersetzen…

Wertung: 7 von 10 Punkten (eigentlich ganz spannend… es dauert halt nur ein bisschen bei 22 Folgen… mittlerweile würde ich davon schon gern mehr sehen wollen, was ja nicht passieren wird, weswegen ich dann einfach mal das Buch lesen werde)

P.S.: Das Buch liefert leider auch keine gute Hile, da Buch und Serie doch recht weit auseinander gehen. Naja…

9 Kommentare leave one →
  1. 1. September 2014 11:17

    Ich fand die Serie auch ganz gut, habe sie aber letztendlich einen Punkt schwächer bewertet.

    • donpozuelo permalink*
      1. September 2014 12:44

      Ja, ja… die Sache mit den Punkten 😉

      Ich finde es mittlerweile echt schade, dass sie die Serie nicht weitergeführt haben… aber das Problem gibt’s ja leider bei vielen Serien (die dann auch noch besser sind als „FlashForward“)

  2. 2. September 2014 00:12

    Hab ich glaub die ersten 2, 3 Folgen geschaut, dann aber aus Desinteresse sein lassen.

    • donpozuelo permalink*
      2. September 2014 09:03

      Kann ich durchaus verstehen… die haben echt lange gebraucht, um ein bisschen mehr Fahrt aufzunehmen… und dann war’s ja leider eh schon zu spät.

      • 2. September 2014 09:06

        Hast auch/schon The Event gesehen? Geht ja in etwa in dieselbe Richtung (genretechnisch).

        • donpozuelo permalink*
          2. September 2014 10:55

          Nein, hab ehrlich gesagt noch nicht mal was davon gehört. Lohnt es sich???

        • 2. September 2014 17:09

          Auch da hab ich leider nach den ersten 2,3 Folgen die Sichtung abgebrochen 😀
          Aber da es thematisch nicht unähnlich ist, wäre es vielleicht, wenn sich die Gelegenheit ergibt, einen Blick wert.

        • donpozuelo permalink*
          2. September 2014 17:56

          Steht auf jeden Fall erst einmal auf meiner Liste… aber nicht unbedingt an erster Stelle 😀

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