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Alles hat ein Ende!

10. Juni 2010

Vorsicht: Hier geht es um das Finale von LOST. Auch wenn ich mir größte Mühe geben werde, kann hier und da ein Spoiler auftauchen, weswegen es sich wahrscheinlich nur lohnt, diesen Beitrag zu lesen, wenn ihr die letzten Folgen von LOST schon gesehen habt.

Wie heißt es im Englischen so passend: „What goes around comes around!“ Und so endet auch LOST da, wo es angefangen hat – im Bambusfeld, Jack Shepard auf dem Boden – Nahaufnahme Auge. Dabei gibt es nur einen kleinen Unterschied: Am Anfang öffnet er sein Auge, zum Schluss schließt er es und beendet so eine der am meisten diskutierten Serien der letzten Jahre:

Was haben wir nicht gezittert und gerätselt und es geliebt? LOST lebte von dem Paradoxon, dass auch Unwissenheit furchtbar spannend sein kann. So spannend, dass die Erwartung mit jeder Folge stieg, man könnte doch vielleicht was Neues erfahren. Neues über jenes Grüppchen Menschen, die auf einer Insel stranden und um ihr Überleben kämpfen (zu LOST allgemein hatte ich ja schon mal einen Beitrag – wer den noch mal lesen will: HIER LANG).

Immer wieder neue Rätsel, neue Verflechtungen, neue Erkenntnisse und neue Fragen. LOST war die Droge für alle Mystery-Liebhaber. LOST war Action. LOST war aber auch Drama pur – mit jeder Figur verband einen etwas. Das lag vor allem daran, dass der Zuschauer die Hintergrundgeschichten zu jeder wichtigen Person kannte. Mein persönlicher Favorit unter den „Verlorenen“ war ohne Zweifel Desmond. LOST war vieles, spaltete aber die Zuschauer – es war eine dieser Serien, die man wirklich von Anfang gucken musste. Jede verpasste Folge bedeutete ein Fragezeichen mehr auf der Stirn des Zuschauers. Aber ich habe mich immer gefragt, wie man nicht weiter gucken kann, wenn man einmal angefangen hat. Es stellte sich doch immer die Frage, was ist denn da nun eigentlich los?

Und vor der Beantwortung dieser Frage hatte ich etwas Angst. Schon früh kamen Zweifel auf, können die eigentlich alles erklären? Viel wichtiger vielleicht die Frage: Müssen die denn überhaupt alles erklären?

Das Finale von LOST sorgt dafür, dass sich selbst die Fans noch einmal spalten. Ich kenne Leute, die waren SEHR enttäuscht und ich kenne die, die mehr als nur zufrieden waren. Ich gehöre zu denen, die mehr als nur zufrieden waren. Denn: Sicher, es werden nicht alle kleinen Detailfragen geklärt. Aber das ist im Zusammenhang mit der großen Auflösung auch gar nicht notwendig. Es wird genug aufgelöst, um zu wissen, was es mit der Insel auf sich hat. Aber LOST wäre nicht eine der besten Serien, wenn einfach ein Video auftaucht, in dem unser chinesischer DHARMA-Freund alles erklärt. Nein, LOST löst auf, fordert die Fans aber dazu auf, ein wenig nachzudenken. Ich will mal so viel spoilern: Es hat eigentlich alles mit Jack zu tun! 😉 Aber auch wieder nicht, denn obwohl Jack mit dem Ende der Serie zur eigentlichen Schlüsselfigur wird, bleiben alle anderen von Bedeutung. Vor allem aber die Insel betrachtet man aus einem ganz anderen Blickwinkel. Und auch Jacob und das schwarze Monster bekommen endlich eine verständliche Bedeutung.

Mit der Auflösung kann man sich viele Sachen selber herleiten – selbst so kleine Dinge wie die Tatsache, dass alle Personen nach Philosophen oder literarischen Figuren benannt sind, erscheint auf einmal logisch.

Besser hätte LOST eigentlich nicht enden können – die Macher schaffen die Balance aus Information und Nicht-Information. Zu viel Auflösung hätte wahrscheinlich den Spaß an der Serie genommen und zu wenig Auflösung hätte mit Sicherheit einen Aufschrei hervorgerufen. LOST endet, wie es endet. Und man steht vor der Frage: Schaue ich es mir nochmal an? Mit dem Wissen der letzten Folgen? Wahrscheinlich schon, denn schließlich sind einem doch die meisten Figuren sehr ans Herz gewachsen. Da ist es mehr als nur rührend gewesen, dass sich am Ende wirklich alle wiedersehen.

Wir werden euch vermissen!

Mit dem Dahinscheiden von LOST stellt sich nun nur noch die Frage, ob es wohl jemals wieder gelingen wird, etwas vergleichbares ins Fernsehen zu bringen. Vielleicht, vielleicht auch nicht! Unerreicht bleibt LOST auf jeden Fall. Aber zum Glück für uns können wir die Insel immer wieder besuchen. Ob es dann immer noch genauso fesselnd ist, muss jeder selbst entscheiden.

Wertung: 10 von 10 Punkten (perfekter Abschluss – spannend, dramatisch, zutiefst rührend)

P.S.: Für alle, die wirklich gespoilert werden wollen und ein paar gute Theorien zur letzten Folge lesen wollen, empfehle ich den Artikel auf Lostpedia.com: „The End/Theories“

28 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    11. Juni 2010 20:44

    Ah ja, noch jemand, der meine Meinung teilt. Ich würde keine volle Punktzahl vergeben (nicht ganz für das Finale und bei weitem nicht für die sechste Staffel), trotzdem bin ich mit dem Finale hoch zufrieden. Tja, jetzt gilt es nur, einen gleichwertigen Ersatz zu finden, und ich schätze, das kann dauern …

    • donpozuelo permalink*
      13. Juni 2010 17:12

      Naja, die volle Punktzahl bezieht sich dann auch eher auf die gesamte Serie. Die sechste Staffel an sich hat sehr schwach angefangen, dass hätte nie für 10 Punkte gereicht 😉

      Einen Ersatz für LOST??? Mmmmhhh…. höchstens wenn wir uns hinsetzen und selber was kreiieren. 🙂 Ansonsten dürfte erst mal lange nichts kommen.

  2. luzifel permalink
    16. Juni 2010 09:08

    Hm.. Hab das Finale letzte Woche gesehen und muss sagen, dass ich enttäuscht war. Nicht etwa davon wie es zuende gebracht wurde und was passiert ist, oder wie man darauf verzichtet hat alle Geheimnisse zu erklären, oder auch dass sich das Happy End sehr in Grenzen hielt, sondern davon dass die Serie jetzt nach mehreren Jahren zuende ist.
    Ich hab die Serie geliebt, aber ich muss sagen, dass mir die frühen Staffeln wesentlich besser gefallen weil sie einfach bodenständiger waren und jede Folge neue Rückblenden gebracht hat in den Hintergrund der einzelnen Figuren. Ich habe es als herben Verlust empfunden als es diese Rückblenden ab einer der Staffeln (4?) nicht mehr gab und die irgendwie anders gepolt waren. Das war erzähltechnisch sicher brilliant in der Methodik aber vermisst hab ich das trotzdem.

    Daher würde ich den ersten Staffeln locker 10 Punkte geben und wüsste nicht ob ich das reduzieren soll für die letzten 2 oder 3 Staffeln und das Finale.. *grübel*

    Grüße, Luzifel..

    PS: Wenn man Kunst als all das definiert, dass dazu dient einen Menschen nachdenken zu lassen, dann war Lost künstlerisch hoch wertvoll ^^

    • donpozuelo permalink*
      16. Juni 2010 10:37

      Mit den ersten Staffeln gebe ich dir absolut Recht. Aber auch in die anderen Staffeln waren in Ordnung. Wo ich zeitweise wirklich Probleme hatte, war die fünfte Staffel, in der neben Rückblenden auch immer noch fröhlich in der Zeit herumgesprungen wurde. Da, finde ich, haben sie es etwas übertrieben.

      Und ja, LOST war künstlerisch wertvoll 😉

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