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Liebe in der Irrenanstalt auf Koreanisch

4. September 2009

Wenn die eigene Großmutter sich für eine Maus hält, ist es schwer zu behaupten, man käme aus einer normalen Familie. Wenn man sich selbst dann auch noch für einen Cyborg hält, dann landet man sowieso hinter gepolsterten Wänden. So zumindest ergeht es Young-goon, die sich eben für einen solchen Roboter hält: sie redet mit Kaffeeautomaten und Lampen und statt zu essen, lutscht sie an Batterien. Dass sie normales Essen verweigert (wieso sollte ein Roboter auch etwas Normales essen???), bekommt sie in der Anstalt bald arge Probleme – doch zum Glück für sie ist da ja noch Il-soon, der ständig eine Maske trägt – aus Angst unsichtbar zu werden – und den Menschen ihre Fähigkeiten stiehlt. Nach und nach entwickeln beide „Patienten“ Gefühle für einander und Il-soon sucht nach Wegen Young-goon zu helfen.

„I’m a Cyborg, but that’s OK“ ist der letzte geniale Streich von Park Chan-Wook (den die meisten durch „Oldboy“ und „Lady Vengeance“ kennen könnten). Es ist hier wieder schön zu sehen, dass festgefahrene Bilder nicht immer Bestand haben müssen. In seinen Rachefilmen rund um „Oldboy“ und Co. geht es ziemlich extrem zur Sache. „I’m a Cyborg…“ macht da einen netten Ausflug in ein vollkommen anderes Genre: Park Chan-Wook hat selbst behauptet, es sei eine Art „romantische Komödie“. Und bei genauerer Betrachtung ist es das auch…

Komisch ist es vor allem durch die zahlreichen merkwürdigen Figuren, die Young-goon in der Anstalt trifft: da ist der Typ, der sich für alles verantwortlich sieht und ständig rückwärts läuft, oder das Mädchen, dass nur durch einen Spiegel die Welt hinter sich betrachtet oder die verrückte dicke Dame, die mit ihren Hautproblemen kämpft.

Zum Glück für uns wählt Chan-Wook kein tristes Anstaltsleben – die Anstalt strahlt stattdessen in hellen Farben und bietet den „Patienten“ viel Freiraum. Fast schon schön genug, selbst da zu bleiben.

Immer wieder vermischt der Regisseur aber Realität mit „verrückter“ Fantasie und lässt Young-goon hin und wieder tatsächlich mal zum Cyborg werden. Aber trotz der vielen witzigen und skurrilen Einfälle, bei denen ich oft zwangsläufig an Michel Gondry (v.a. „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ oder „Science of Sleep“) denken musste, behält der Film seine beiden Hauptfiguren ständig im Auge und entwickelt eine wunderschön bizarre Liebesgeschichte, die ihren romantischsten Moment in einem dunklen Keller hat, wenn Il-soon Young-goons Körper „upgradet“.

„I’m a Cyborg…“ ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, wenn man sich darauf einlässt, entfaltet sich daraus eine der süßesten Liebesgeschichten, die das Kino bis jetzt zu bieten hatte. Die Gradwanderung zwischen vollkommen abgedreht und wunderschön meistert der Film mit Bravour. Mal tragisch, mal blutig, aber immer auf der „guten“ Seite verliert dieser Film nicht einmal seinen Charme und selbst am Ende serviert man uns nicht ein bloßes Happy-End, sondern gibt uns die Möglichkeit zusammen mit den beiden Liebenden in den blauen Himmel zu starren und über alles mögliche nachzudenken.

Gespannt darf man jetzt wohl schon auf Park Chan-Wooks neuesten Streifen „Thirst“ sein, indem sich der Meister des Harten wieder den etwas dunkleren Geschichten zuwendet und einen Priester zum Vampir werden lässt.(Den Trailer gibt’s – neben vielen anderen – HIER zu sehen)

Wertung: 9 von 10 Punkten (sehr romantisch, Mr. Chan-Wook, aber noch viel komischer)

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8 Kommentare leave one →
  1. 4. September 2009 09:30

    Gut beschrieben! Interessant fand ich auch in einem Interview (Bonusmaterial), dass C.W. den Film mal eben so während der Dreharbeiten zu einem anderen Film eingeschoben hatte. Um mal wieder den Kopf frei zu bekommen. Ein wahrlich „therapeutischer“ Film.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2009 09:44

      Ein therapeutischer Film ist es nicht nur für den Regisseur. Auch als Zuschauer (ich habe leider nur „Oldboy“ und „Lady Vengeance“ gesehen) ist es nach all den recht krassen Filmen über Rache eine willkommene Abwechslung und zeigt auch, dass Chan-Wook nicht nur fies sein kann.

      So gewinnen halt alle 🙂

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