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Das Weihnachtswunder von Tokyo

23. Dezember 2013

Es waren einmal drei Obdachlose – ein versoffener Spieler, der vor seiner Vergangenheit wegläuft, eine ehemalige Drag-Queen, die unbedingt Mutter sein möchte und eine kleine Ausreißerin, die Angst davor hat, was sie zuhause erwarten könnte. Diese drei Gestalten sind eine recht ungewöhnliche Gemeinde, doch sie gehören zusammen. Und es begab sich zu der Zeit, als alle Welt Weihnachten und damit die Geburt Jesu Christi feierte, dass diese drei Menschen auf ein Kind stießen. Ein kleines Baby, dass jemand im Müll ausgesetzt hat.

Die Geschichte der drei Weisen, die das Jesus-Kind besuchen gehen, kann man auch so erzählen. Das dachte sich zumindest Satoshi Kon und brachte mit „Tokyo Godfathers“ seine ganz eigene Geschichte über drei Waisen der Gesellschaft und ihr persönliches Weihnachtswunder. Für den schwulen Hana ist das kleine Baby, dass er sofort Kiyoko nennt, ein Geschenk Gottes, weswegen er es auch nicht weggeben will. Für den alten Gin ist es eine Last und er will es sofort an die Polizei geben. Und der jungen Miyuki wäre Gins Plan ebenfalls genau das Richtige. Hana handelt einen Kompromiss aus und so ziehen die drei mit dem Kind los und suchen die Eltern.

Das erste, was ich mir bei diesem Film dachte, ist: „Wie ungewöhnlich… für Satoshi Kon“. Der Mann hat uns doch bis jetzt so verrückt-geniale Filme wie „Perfect Blue“ oder „Paprika“ geliefert – und jetzt kommt sein ganz persönlicher Weihnachtsfilm. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie „I’m A Cyborg, But That’s Okay“ von Park Chan-wook. Es ist mal was ganz anderes…

Und ähnlich wie Park kann auch Satoshi Kon mit „Tokyo Godfathers“ wunderbar überzeugen. Kon vermischt hier sehr liebevoll Komödie mit Drama… es gibt viele Momente in „Tokyo Godfathers“, bei denen man schwer schlucken muss. Immerhin scheut sich Kon nicht davor, die Probleme der Obdachlosen direkt anzusprechen. Sie wandern wie Geister durch die Stadt – unsichtbar für die Gesellschaft. Gleichzeitig werden sie aber auch immer wieder Opfer, wenn sie doch mal „gesehen“ werden. Gin wird einmal ziemlich brutal zusammengeschlagen – von Jugendlichen aus purer Langeweile. Kon nimmt hier wirklich kein Blatt vor den Mund. Er malt kein idyllisches Bild vom Leben auf der Straße… denn hier kann jederzeit was schlimmes passieren.

Doch „Tokyo Godfathers“ ist ja auch ein waschechter Weihnachtsfilm und deswegen ist natürlich nicht alles so furchtbar dramatisch. Da wären beispielsweise unsere drei Weisen – großartig!!! Besonders der schwule Hana und Trunkenbold Gin gehen in herrlich komischen Streitgesprächen immer wieder auf einander los. Und gleichzeitig spielt hier auch so ein bisschen das Sprichwort „Was sich neckt, das liebt sich“ mit. Insgesamt sind Hana, Gin und Miyuki eine sympathische, aber auch recht merkwürdige kleine Familie.

Und wie es sich für Weihnachten gehört, liegt auch über Tokyo diese gewisse Weihnachtsmagie in der Luft. Allerdings enttarnt Kon viel davon durch seinen ganz eigenen Humor. Da liegt ein schwer verletzter Gin in der Straße und plötzlich erscheint ihm ein Engel, der fragt, ob er lieber einen Wunsch erfüllt oder einen Krankenwagen haben möchte. Als Gin sich für den Krankenwagen erscheint, ist der als Engel verkleidete Transsexuelle verdammt sauer… kümmert sich aber trotzdem um Gin. Immer wieder führt die Story in „Tokyo Godfathers“ in Sackgassen und findet dann doch wieder ein Schlupfloch. So wird die abenteuerliche Suche nach den Eltern der kleinen Kiyoko nie langweilig.

„Tokyo Godfathers“ ist wirklich ein perfekter Weihnachtsfilm… die Charaktere sind einfach nur liebenswert, die Geschichte ist wunderbar spannend, sehr bewegend, aber auch immer wieder zum Schreien komisch… und am Ende freut man sich über eine Ende, dass besser nicht hätte sein können. Also falls ihr zu Weihnachten mal neuen Stoff für den Familien-DVD-Abend braucht, kann ich euch „Tokyo Godfathers“ nur wärmstens empfehlen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch schöne Weihnachten, viele Geschenke und eine geruhsame Zeit mit der Familien!!!! FROHE WEIHNACHTEN!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein wunderbarer Weihnachtsfilm ohne Kitsch, aber mit verdammt viel Herz)

5 Kommentare leave one →
  1. 23. Dezember 2013 19:50

    Den wollte ich auch schon immer mal sehen. Habe ich aber noch nicht. Schade eigentlich.

    Dir auch frohe Weihnachten! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. Dezember 2013 23:05

      Kann echt nur empfehlen. Der ist großartig.

  2. 27. Dezember 2013 08:35

    Klingt ja wirklich nach dem perfekten Weihnachts-Film. Ich glaube ich spare mit den für nächstes Weihnachten auf, für dieses Jahr die Weihnachtsstimmung futsch … Falls ich es nächstes Jahr vergesse … erinnere mich bitte daran. Und bis dahin habe ich auch schon ein paar andere Anime-Filme gesehen und bin vielleicht schon großer Fan. 😉

    … Ich habe übrigens Paprika endlich gesehen und darüber geschrieben. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2013 19:29

      😀 Alles klar, werde mir Mühe geben, es nicht zu vergessen und dich dran erinnern! Und „Paprika“ werde ich gleich nachholen bei dir…

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