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Kurioses aus Korea

14. Januar 2011

Asiatische Filmemacher sind ja dafür bekannt, dass sie gerne mal etwas mehr ausprobieren als ihre Freunde aus dem Westen (ein Grund mehr, warum ich mir immer wieder gerne asiatische Filme ansehe). In dieser Woche hatte ein ganz besonderer Mann wieder einmal von sich reden gemacht: der südkoreanische Regisseur Park Chan-Wook.

Park Chan-Wook dürfte den meisten wohl durch Filme wie „Oldboy“, „Lady Vengeance“ oder „I’m a Cyborg, but that’s okay“ ein Begriff sein. Immerhin schuf Park mit seinen Rachefilmen großartige Meisterwerke des Genres und erlaubte sich mit seinem Ausflug in die Irrenanstalt einen romantisch-absurden Abstecher ins Komische. Seit seinem letzten Film „Durst“ über einen Priester, der zum Vampir wird, ist nun auch schon einige Zeit vergangen.

Das Warten auf Nachrichten über neue Projekte hat nun ein Ende. Eine Schlagzeile fiel mir in dieser  Woche auf, die ich nicht unkommentiert stehen lassen konnte: „Park Chan-Wook dreht Kinofilm auf dem iPhone“. Zuerst dachte, ich es wäre ein PR-Gag von Apple, aber wie sich herausstellte, ist das Projekt tatsächlich von Park selbst.

Zusammen mit seinem Bruder Park Chan-kyung hat er einen 30-minütigen Fantasy-Film gedreht. Bei „Paranmanjang“ geht es um die Sichtweise auf Leben und Tod. Es geht um einen Fischer, der nachts plötzlich die Leiche einer Frau an der Angel hat. Irgendwie was in die Richtung jedenfalls. Interessanterweise geht es in den wenigen Artikel, die man zu Parks iPhone-Film findet, weniger um den Inhalt des Filmes, als mehr um die Tatsache, dass alles mit dem iPhone gedreht wurde.

Ein Film mit dem iPhone… alle anderen gehen über zu 3D, Performance Capturing und Park Chan-Wook dreht halt einen Film mit einem Mobil-Telefon. Dass das Ganze sicherlich auch Werbegag-Charakter hat, lässt sich nicht ganz von der Hand weisen: Schließlich wurde der Film von der südkoreanischen Telefongesellschaft KT gesponsert – und die vertreiben dort exklusiv das iPhone. Aber wenn Park Chan-Wook hinter der Kamera… Verzeihung, hinter dem iPhone steht, dann kann selbst das noch ganz großes Kino werden. Immerhin zeigten sich die Besucher der Premiere sehr angetan. Da hat sich die Arbeit in 10 Tagen mit 80 Personen und zwei iPhones ja richtig gelohnt.

Bei den Zahlen zum Film stellt sich mir nur eine Frage: Warum waren bei nur zwei iPhones 80 Leute notwendig??? So zeigt sich zumindest, dass es ein nicht unüberlegter Werbegag zu sein scheint. Irgendwie muss das Team ja auch umgerechnet 103.000 Euro ausgegeben haben. Ein nettes Budget für so einen iPhone-Film, das aber wohl auch deutlich macht, dass sicherlich etwas mehr in die Postproduction gesteckt worden ist. Wir reden ja schließlich von einem Park Chan-Wook-Film. Da bedarf es etwas mehr Anspruch als nur billiger Amateur-youtube-Qualität.

Bleibt zu hoffen, dass wir das kleine Kunstwerk auch mal zu Gesicht bekommen. Schließlich MUSS man sowas ja mal gesehen haben: Ein Park Chan-Wook iPhone-Film. Vielleicht schlägt das ja Wellen und James Cameron dreht den nächsten „Avatar“ auch mit dem iPhone. 😉

5 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2011 08:58

    Da bin ich aber mal gespannt.

    „I’m a Cyborg, but that’s okay“ muss ich mir überdies auch noch unbedingt ansehen. Hab davon erst kürzlich ein sehr schickes GIF gefunden. Kommt dann vielleicht noch auf meiner Seite. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2011 10:32

      Ja, „I’m a cyborg“ ist wirklich gut… finde ich, es gab hier ja schon reichlich Kontroversen um diesen Film. Was aber wohl auch daran liegt, dass der Film rein gar nichts mit „Oldboy“ und Co. zu tun hat.

  2. sebastian schuster permalink
    14. Januar 2011 15:12

    Der Trend geht wirklich dahin, dass zu nutzen, was alltäglich zu haben ist. Die Band Gorillaz hat ihr aktuelles Album auf dem IPad erstellt (vgl. http://www.tuaw.com/2010/12/10/gorillaz-ipad-album-coming-for-free-on-christmas).

    Wäre nur konsequent, wenn für den Film auch ein Score, der auf dem IPod erstellt wurde, verwendet wird. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2011 15:15

      😀 Wenn dem so wäre, bräuchte man doch aber trotzdem nicht 100.000 Euro. Ich dachte, das wäre der Witz daran, es mit einem iPhone/ iPad/ was auch immer zu machen…

      Aber gut, wenn die Qualität stimmt, ist das ja ganz nett. Aber ich denke nicht, dass das zum allgemeinen Kredo wird – weder beim Film noch bei der Musik. Sind sicherlich nur nett von Apple finanzierte Gags. (Hoffentlich!!!)

  3. donpozuelo permalink*
    14. Januar 2011 15:43

    WICHTIGER NACHTRAG:
    Auf youtube gibt’s dieses „Behind The Scenes“: sieht und klingt sehr „interessant“. Zeigt aber auch, dass hier nicht nur einfach ein iPhone genommen wurde.

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