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Shakespeare’s House Party

28. Juli 2014

Ich glaube zwar, dass die Geschichte mittlerweile jeder kennen dürfte, aber ich wiederhole sie hier trotzdem noch einmal… einfach, weil sie schon irgendwie ziemlich cool ist: Joss Whedon liebt Shakespeare! Und führt wohl auch regelmäßig mit Freunden und Bekannten Lesungen in seinem Haus durch. Mann, wäre ich da gern mal dabei… und als hätte er geahnt, dass es Leute gibt, die diesen Wunsch haben, lässt Whedon uns an so einer „Lesung“ teilhaben. Als kreative Pause zwischen seiner Arbeit an „The Avengers“ hat er mal eben Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ verfilmt… in nicht einmal zwei Wochen und direkt bei sich zuhause… so lernen wir nicht nur Whedons Freunde, sondern auch gleich sein Haus kennen.

In „Viel Lärm um Nichts“ geht es um die Paare Claudio (Fran Kranz) und Hero (Jillian Morgrese) und Benedict (Alexis Denisof) und Beatrice (Amy Acker). Während Benedict und Beatrice wie Hund und Katze zueinander stehen, verlieben sich Claudio und Hero sofort ineinander. Um das Glück perfekt zu machen, entscheidet sich das Paar mitsamt Vater Leonato (Clark Gregg) und Don Pedro (Reed Diamond) dazu, Beatrice und Benedict miteinander zu verkuppeln. So gut das auch funktionieren mag, kommt doch ein böses Intrigenspiel dazwischen: Don John (Sean Maher) zerstört das Glück zwischen Claudio und Hero, in dem er Claudio vorgaukelt, seine Geliebte würde ihm fremdgehen.

Lass uns noch einmal zusammen „Dollhouse“ gucken, Liebste…

Es ist schon interessant, wie unterschiedlich Filme doch sein können, die einige Regisseure so zwischen großen Blockbustern oder Reihen machen. Ich erinnere da nur an Park Chan-wooks „I’m a Cyborg but that’s okay“ oder Michael Bays „Pain & Gain“. Scheinbar ist so ein leichter Pausenfüller einfach mal nötig. Andere Leute machen Urlaub oder gehen joggen und die Herren machen halt einen Film. Aber ich will mich ja nicht beschweren, schließlich ist jeder Joss-Whedon-Film gern gesehen und willkommen.

Und mit „Viel Lärm um Nichts“ liefert Whedon wirklich einen sympathisch-charmanten Film. Gerade zu Beginn nimmt sich Whedon nicht besonders ernst. Wenn sich Alex Denisof und Amy Acker kabbeln, fliegen die Fetzen… wenn auch nur im metaphorischen Sinne. Die beiden sind wie für Shakespeares Worte gemacht und hauen sich ihre kleinen Gemeinheiten perfekt getimt um die Ohren. Dazu gibt’s immer wieder herrlich amüsante Slapstick-Einlagen. Besonders wenn Benedict die Fürsten dabei belauscht, wie sie von Beatrices Liebe zum ihm sprechen. Wenn er da unbeholfen über den Rasen rollt, seinen Kopf langsam hinter irgendwelchen Ecken hervor schiebt, vergisst man fast, dass man hier eigentlich große Literatur verfilmt bekommt. Whedon nimmt Shakespeares Komödie halt einfach als das, was sie ist: eine Komödie.

Dazu ist „Viel Lärm um Nichts“ auch der perfekte Film für alle Joss-Whedon-Fans. Allerdings nicht unbedingt für diejenigen, die ihn nur wegen „The Avengers“ kennen. Denn: Action und Superhelden sucht man hier vergebens. Vielmehr ist „Viel Lärm um Nichts“ für die Whedon-Serien-Fans: denn der Cast des Films besteht eigentlich fast ausschließlich nur aus den Darstellern von Whedons Serien. Sie kommen von „Buffy“, „Firefly“, „Dollhouse“ und „Angel“. Es sind halt wirklich alles alte Bekannte… und das merkt man dem Film auch an. Die Darsteller fühlen sich wohl mit einander… und das hilft dann auch extrem dabei, wenn sie sich doch immer wieder in diesem alten Shakespeare-Englisch unterhalten.

„Viel Lärm um Nichts“ ist, wie schon gesagt, leichte und angenehme Unterhaltung. Man muss sich zwar erst an die Sprache gewöhnen, aber es passt eigentlich fast alles. Vielleicht hätte man bei dieser modernen Behandlung des Stoffes ein paar Kleinigkeiten ändern können, um es der Zeit mehr anzupassen… denn ich glaube kaum, dass heutzutage jemand wirklich tot umfällt, wenn er (oder sie) vor Anwesenden verleumdet wird. Oder auch die Tatsache, dass sich alle mit Prinz und Fürst und sonst wie ansprechen, aber dann die ganze Zeit in schicken Anzügen rumrennen und auf ihren iPhones „spielen“. Und ganz ehrlich… schwarz-weiß hätte jetzt auch nicht sein müssen. Sieht aber immerhin irgendwie auch cool aus.

Letztendlich kann man jedoch nur einmal mehr feststellen: Alles, was Whedon anfässt, wird zu Gold. Natürlich wird er mit „Viel Lärm um Nichts“ jetzt keine großen Gewinne einfahren, dafür fehlen die Stars, fehlt Marvel und ist ein bisschen zu viel Shakespeare drin. Doch wer mal eine erfrischende und amüsante Shakespeare-Verfilmung vertragen kann, der ist hier genau richtig und wird nicht enttäuscht!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Whedon und Shakespeare passen ziemlich gut zusammen… als nächstes bitte „Hamlet“ Whedon-style!!!)

5 Kommentare leave one →
  1. 28. Juli 2014 22:01

    Als ich den Trailer gesehen habe, fand ich den Look und die Sprache herrlich. Auch dass die namen wohl scheinbar übernommen wurden und gar nicht so richtig in das moderne Setting passen wollen, mag ich sehr. Den bruch finde ich vom Gedanken her echt toll. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, schließlich habe ich den Film noch nicht gesehen. 🙂
    Aber mit den Darstellern ist es so oder so eine wunderbare Nerd-Party. Auch wenn es keine Superhelden gibt. Wen Coulson da mal nicht seine Captain-Sammelkarten in der Tasche hat…

    • donpozuelo permalink*
      29. Juli 2014 07:57

      Der Film ist wirklich eine reine Nerd-Party… hätte nur nich gefehlt, dass die jeweiligen Serien-Darsteller in ihren alten Serien-Kostümen auftauchen 😀 Hätte ich bei Nathan Fillion gern gesehen.
      Look und Sprache des Films sind auch wirklich herrlich, der Film macht Spaß und wenn man weiß, worauf man sich da einlässt, wird man, meiner Meinung nach, auch nicht enttäuscht. (Und ja, Namen und Titel wurden alle so übernommen… was, wie gesagt, etwas gewöhnungsbedürftig ist, wenn die Herrschaften die ganze Zeit auf ihren Smartphones rumspielen… aber daran gewöhnt man sich dann auch sehr schnell)

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