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Eternal Sunshine of the Spotless Mind

12. Januar 2015

Das musste jetzt mal sein. Normalerweise verwende ich ja nie den Originaltitel (oder auch den deutschen Titel) in meinen Überschriften, aber das musste jetzt einfach mal sein. Ich meine, so viel hängt vom richtigen Titel ab… und gerade im Deutschen muss man ja mit so einigen merkwürdigen Verfremdungen auskommen (ich erinnere an das letzte große Missgeschick „Zicke Zacke Ziegenkacke„). Von daher gehört auch „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ zu den Filmen, die im Deutschen etwas mies behandelt werden… „Vergiss mein nicht“. Klingt langweilig, klingt nach keinem Film, den ich mir gerne anschauen möchte. „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ schon eher… klingt geheimnisvoll, melodisch und poetisch.

Und wenn man dann noch weiß, dass Charlie Kaufman, der Drehbuchautor, der uns schon „Being John Malkovich“ und „Adaption“ gebracht hat, für diesen Film das Drehbuch geliefert hat, dann will man den Film noch viel mehr anschauen. Dazu kommt noch ein großartiger Michel Gondry hinter der Kamera und ein außergewöhnliches Pärchen, bestehend aus Jim Carrey und Kate Winslet davor. Perfekt…

„Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ erzählt uns die Geschichte von Joel (Carrey), der mitbekommt, dass seine Ex-Freundin Clementine (Winslet) bei einer Firma war, die Erinnerungen löschen kann. So hat sie Joel komplett aus ihrem Gedächtnis gelöscht… um auch mit der Trennung klar zu kommen, entscheidet sich auch Joel für die Prozedur. Doch während er alle Erinnerungen an seine guten und schlechten Zeiten mit Clementine durchläuft, merkt Joel, dass er sie gar nicht vergessen will… doch die Maschine zum Erinnerungen-Löschen läuft schon. Es beginnt ein wilder Wettlauf durch Joels Erinnerungen, um Clementine nicht zu vergessen.

Das Eis sieht sicher aus… da können wir uns hinlegen…

Es gibt in „Vanilla Sky“ einen wunderbaren Spruch, der da so in etwa lautet: „Mann kann das Süße nur verstehen und würdigen, wenn man das Bittere gekostet hat!“ Zumindest sowas in die Richtung. Auf jeden Fall passt das ganz gut auf die Moral von „Eternal Sunshine“… denn was Kaufman uns eigentlich deutlich machen will, ist die Tatsache, dass alles, was wir haben und was uns ausmacht, nun einmal unsere Erinnerungen sind. Und egal, wie beschissen sie auch sein mögen, gehören sie einfach mit dazu. Sie zu löschen, wäre fatal… und außerdem: Liebe ist halt so! Mal bitter, mal süß. Aber, wie wir im Fall von Joel und Clementine lernen, ist sie es immer wert, auf sie einzugehen. Zögern bringt nichts! Einfach machen! Denn vorhersagen kann man die Liebe nie…

Hach, für so alte Romantiker wie mich ist der Film einfach nur absolut perfekt. Es ist ein Film über die Liebe, über Trennung, über die Freude und den Schmerz, der damit einhergeht. Aber es wird nie kitschig, es verfällt nie in offensichtliche Klischees und langweilt uns mit Sachen, die wir schon tausendmal gesehen. Aber wie könnte „Eternal Sunshine“ das auch? Es ist ja schließlich ein Charlie-Kaufman-Drehbuch.

In bester „Memento“-Manier erleben wir hier die Geschichte von Joel und Clementine rückwärts erzählt – von der jüngsten Erinnerung bis hin zur allerersten. Dabei springt der Film, wie es sich für Erinnerungen so gehört, immer wieder hin und her… der einzige Punkt, an dem wir so ein bisschen ausmachen können, wo wir uns gerade befinden, sind die Haare von Kate Winslet, die immer eine andere Farbe haben. Aber so verschachtelt der Film auch ist, er verwirrt nie… weil er seinen Weg immer zu dem zurückfindet, was wirklich zählt: Die Charaktere.

Jim Carrey ist großartig und noch genialer ist die Tatsache, dass die Ulknudel hier als introvertierter, schüchterner Typ gecastet wurde, der nur schwer aus seiner Komfort-Zone ausbricht. Carrey spielt Joel mit so viel Gefühl, dass man wirklich mit ihm fühlt, mit ihm leidet, sich mit ihm freut. Was aber auch daran liegt, dass diese Geschichte einfach so universell ist. Wir können alle so gut nachvollziehen, was er gerade durchlebt, weil wir es alle selber irgendwann mal durchlebt haben.

Kate Winslet überzeugt neben Carrey als quirrlige Clementine, die ein bisschen Kumpel-Typ, ein bisschen verwegen und mysteriös – eine interessante Frau halt.

Michel Gondry schafft es, Kaufmans Drehbuch zu einem Film zu verwandeln, der einen von der ersten Minute komplett in den Bann zieht. Er spielt toll mit seinen oft handgemachten Effekten, ohne dabei von der Story abzulenken. Denn hier zählen nur die Charaktere und die sind einfach nur ein Traum!

„Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ ist ein wunderbar träumerischer, eleganter und gefühlvoller Film mit viel Herz! Muss man einfach mal gesehen haben.

Wertung: 10 von 10 Punkten (Vergiss ganz schnell den deutschen Titel und alles wird gut!)

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21 Kommentare leave one →
  1. 12. Januar 2015 14:19

    Großartiger Film. Und ich sage es ja immer wieder: Carrey wird einfach gnadenlos unterschätzt. Es ist einfach schade, dass der nur Erfolg mit seinen Komödien hat, auch wenn ich die größtenteils sehr witzig finde. Aber es wäre wirklich toll, wenn er auch mal als Charakterdarsteller die Anerkennung kriegen würde, die er verdient.

    • donpozuelo permalink*
      12. Januar 2015 14:51

      Ja, da hast du wohl in allen Fällen vollkommen Recht. Aber er ist nun mal mit seinen Komödien groß geworden und die wiegen im allgemeinen Gedächtnis halt sehr viel mehr…

      • 12. Januar 2015 19:23

        Keine Frage, aber er hätte halt mehr Chancen verdient, sich wirklich zu beweisen. Es müsste ja nicht mal immer ne Hauptrolle sein. Wenn man ihm in etwas kleineren Rollen einem breiteren Publikum näher bringen würde, könnte das ja funktionieren. Ist aber natürlich auch die Frage, ob er sa überhaupt Bock zu hat. Ich glaube, der spielt auch verdammt gerne die lustigen, bekloppten Rollen.

        • donpozuelo permalink*
          13. Januar 2015 08:54

          Ich denke mal, es ist so und so… wahrscheinlich werden auch viele Regisseure eher Bedenken haben, ihn für was Ernsthafteres zu besetzen, weil sonst alle beim Namen Jim Carrey denken könnten, der Film wäre jetzt gar nicht sooo ernst. Es ist wahrscheinlich verdammt schwer, aus diesen vorgeprägten Rollen auszubrechen…

        • 13. Januar 2015 13:46

          Ja, das könnte auch ein Grund sein. Man verbindet den Namen natürlich erst mal mit Grimassen-Humor ala Ace Ventura. Ist sicher schwer, da auszubrechen. Aber in etwas kleineren Rollen neben namhaften Drama-Darstellern würde sein Name gar nicht so sehr auffallen. So könnte er seine Leistungen schon einem größeren Publikum präsentieren.

        • 13. Januar 2015 22:19

          Wobei einer seiner größten Filme ja die Truman Show war, wo er ja auch nicht grade nur Grimassen schneidet.

          Den Film hier merke ich mir allerdings auch mal vor!

        • 13. Januar 2015 23:03

          Ja, Truman Show war auch meines Wissens nach der erste Ausbruch aus dem Comedygenre. Dafür hat er sogar nen Golden Globe in der Dramakategorie gekriegt. Aber danach ging es ja dann wieder zurück ins Comedygenre, anstatt dass darauf aufgebaut wurde.

  2. 12. Januar 2015 16:55

    Das hast du wundervoll geschrieben.

  3. 12. Januar 2015 19:49

    Den fand ich auch wirklich interessant, wenngleich mir die Szenen in der Realität ein wenig sperrig vorkamen. Sollte ihn aber wohl dringend einmal wieder sehen. Der Titel ist auf jeden Fall der beste. Überhaupt. Für immer.

    • donpozuelo permalink*
      13. Januar 2015 08:54

      😀 Der Titel ist wirklich der Hammer… zwar lang, aber irgendwie nicht sperrig. Sehr schön und klangvoll…

  4. 12. Januar 2015 21:45

    Ich liebe den Film! Und ich kann dir nur recht geben, der englische Titel ist wieder Mal viel schöner und gibt sooo gut wieder wie der Film ist.

    • donpozuelo permalink*
      13. Januar 2015 08:55

      😀 Auf jeden Fall… ich frage mich da auch, warum sie nicht aus der deutschen Übersetzung des Gedichts einfach den deutschen Titel genommen haben… das wäre sicherlich immer noch schöner gewesen als „Vergiss mein nicht“. Da denke ich eher an Blumen als an was anderes.

  5. 12. Januar 2015 21:55

    Oho, ab auf den Wunschzettel.

  6. 13. Januar 2015 15:28

    Ein wunderbarer Film – keine Frage. Der Film hat zwei riesige Pluspunkte: Jim Carrey ist in ernsten Rollen immer wieder eine positive Überraschung, Michel Gondry schafft zudem mit seiner mise-en-scène und dem Schnitt (der ja oftmals durch die Lichtsetzung vorbereitet und mitdurchgeführt wird) einen unvergleichlichen Look. Top!

    • donpozuelo permalink*
      13. Januar 2015 15:31

      Dem ist nichts weiter hinzu zu fügen 😀

  7. 15. Januar 2015 00:42

    Neulich wieder gesehen – schlicht ein schöner Film mit, in der Tat, im Original einem wundervollen Titel.

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