Zum Inhalt springen

Das wahre Erbe der Geisterjäger

22. November 2021

Als bekannt wurde, dass die Ghostbusters einen weiteren Film bekämen, dachte ich mir nur: „Muss das wirklich sein?“ Das Trauma der 2016er Version von Paul Feig war da noch nicht verarbeitet. Da halt es auch nicht, dass es hieß, Jason Reitman würde das Erbe seines Vaters Ivan fortführen. Der erste Trailer sah mir dann zu sehr nach „Stranger Things“ aus: Kids kommen als Geisterjäger zusammen und es spielt sogar Finn Wolfhard mit. Ich gestehe, ich war extrem, extrem, extrem skeptisch, was „GHOSTBUSTERS: LEGACY“ (im Original übrigens „GHOSTBUSTERS: AFTERLIFE“ – wer sich die „deutsche“ Betitelung ausgedacht, würde ich gerne mal wissen) anging. Doch zum Glück hat diese Geschichte eine großes, dickes, fettes ABER: Dieser neue Ghostbusters-Film ist möglicherweise die Kino-Überraschung des Jahres – also zumindest für mich als Skeptiker.

Die allein erziehende Mutter Callie (Carrie Coon) muss mit ihren Kindern Phoebe (Mckenna Grace) und Trevor (Finn Wolfhard) mitten ins Nirgendwo ziehen. Hier hat sie gerade das ziemlich zerfallene Farmhaus ihres verstorbenen Vaters geerbt, zu dem sie schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Nur widerwillig lebt sich die kleine Familie in dem Örtchen Summerville ein, machen aber schnell gute Bekanntschaften: Mama lernt den Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd) kennen, Phoebe freundet sich mit Podcast (Logan Kim) an, der – oh Wunder – nen Podcast hat und Trevor hat nur noch Augen für Lucky (Celeste O’Connor). Doch dann kommt es zu merkwürdigen Ereignissen, Phoebe und Trevor müssen feststellen, dass ihr Großvater einer der originalen Ghostbusters gewesen und aus einem ganz bestimmten Grund hier in Summerville gewesen ist.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel Spaß im Kino hatte. „Ghostbusters: Legacy“ ist wirklich perfektes Popcorn-Kino und einfach nur verdammt spaßig. Das liegt daran, dass Jason Reitman auf so ziemlich allen Ebenen alles absolut richtig macht. Sein Film ist in allererster Linie ein schöner eigenständiger Film, der es aber auch schafft, die alten Filme zu ehren, ohne sich jetzt nur auf sie zu konzentrieren. „Ghostbusters: Legacy“ hat wunderbare Easter Eggs und natürlich die Auftritte der alten Geisterjäger, die – das garantiere ich euch – jedem Fan der Filme Tränen in die Augen bringen werden. Dabei stehlen die Alten den Jungen keinesfalls die Show… aber Jason Reitman zeigt hier einfach gekonnt, wie man das Alte mit dem Neuen verbindet, ohne das sich Fans auf den Schlips getreten fühlen oder das Neue unter dem Alten leiden muss.

Das liegt vor allem auch daran, dass „Ghostbusters: Legacy“ uns eine unterhaltsame und vor allem spaßige Story liefert, die zu keiner Minute irgendwo Schwachstellen hat. Der Film ist ein herrlicher Mix aus Action, emotionalen Momenten (siehe oben mit den alten Geisterjägern) und Comedy… die sich aufteilt in herrliche Situationscomedy und Slapstick, aber auch einfach wunderbare griffige Dialoge liefert, die teilweise schon fast an die guten alten Screwball-Komödien erinnern. Gerade Mckenna Grace als nerdige Phoebe liefert wunderbare Gags ab, hat aber auch eine gute Chemie mit allen anderen – gerade aber auch mit Logan Kim als Podcast. Überhaupt stimmt die Dynamik zwischen all den Figuren. Paul Rudd ist eh immer super. „Leftovers“-Star Carrie Coon ist toll in ihrer Rolle. Selbst ein Finn Wolfhard hat mich nicht an „Stranger Things“ erinnert und Celese O’Connor gibt ihm und seinen Avancen gut Paroli.

Diese neuen Kids-Ghostbusters funktionieren dabei wunderbar auf zwei Ebenen: Auf der einen imitieren sie die uns bekannten Geisterjäger: die nerdige Phoebe erinnert an Egon Spengler, ihr Bruder Trevor ist ein bisschen was von Peter Venkman, während Podcast Ray Stantz widerspiegelt… und der ruhige gelassene Winston wird durch Lucky ins Team gebracht. Auf der anderen Ebene definieren sich unsere neuen Ghostbusters nicht darüber, einfach nur eine jüngere Kopie des alten Originals zu sein. Sie sind gut geschriebene, toll gespielte eigenständige Charaktere, die auf ihren eigenen Füßen stehen können.

„Ghostbusters: Legacy“ macht wirklich alles richtig, liefert tolle Action ab, spielt gekonnt mit unseren Gefühlen gegenüber den alten Filmen… hätte nur vielleicht ein paar mehr Geister haben können, die auch wirklich etwas Neues sind. Denn in der Geisterabteilung, so unterhaltsam die auch in Szene gesetzt werden, fehlt es mir dann doch ein wenig an neuen Ideen. Aber das ist in diesem Fall Meckern auf hohem Niveau.

WICHTIG: Unbedingt den Abspann abwarten. Es erwarten euch zwei Abspann-Sequenzen!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Fanservice mal komplett richtig gemacht)

3 Kommentare leave one →
  1. 22. November 2021 09:51

    Das klingt fantastisch! Habe wirklich Lust darauf… 🙂

    Aber ich werde bei den momentanen Zahlen wohl vorerst wieder auf Kino verzichten. 😦

    • donpozuelo permalink*
      22. November 2021 10:58

      Ja, der ist auch fantastisch. Schöner Film für die ganze Familie… aber ja, so wie sich gerade alles entwickelt, sehe ich Kino auch wieder vorsichtiger.

Trackbacks

  1. Copy, Paste… Delete!!! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: